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Ribnitz-Damgarten Mit Mobilheim sehen die Gründlings einen Lichtblick
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Mit Mobilheim sehen die Gründlings einen Lichtblick
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11:45 14.06.2019
Karin und Jürgen Gründling nach dem verheerenden Brand, bei dem sie alles verloren. Das Mobilheim wird für sie für lange Zeit das Zuhause sein. Quelle: Timo Richter
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Wieck

Jürgen Gründling ist abgetaucht. Nur die Beine des 75-Jährigen sind zu sehen – und zu hören ist sein schweres Atmen. Jürgen Gründling bockt sein neues Zuhause auf. Ein Mobilheim werden er und seine Frau Karin in den kommenden Monaten, wenn nicht sogar Jahren bewohnen, bis die Brandruine entsorgt und ein neues Haus gebaut ist. In der Nacht zum 27. März ist das Zuhause der Familie in Wieck in Flammen aufgegangen.

In dem Boddendorf setzte sofort eine Welle der Hilfsbereitschaft ein. Über eine eigens gegründete Gemeinschaft in einem sozialen Netzwerk wurden nicht nur zielgerichtet Sachspenden organisiert, sondern auch Geld gesammelt. Nun konnte damit ein Mobilheim angeschafft werden. In der Nacht vor dem Pfingstwochenende rollte der rund 40 Quadratmeter große Wohncontainer an.

Dach über dem Kopf

Mit dem Mobilheim ändert sich auch das Leben von Karin und Jürgen Gründling. Seit dem Brand ist die 68-Jährige schon dreimal umgezogen, von einer Ferienwohnung in die nächste. Ihr Mann Jürgen hat sich im selbst ernannten Dschungelcamp im Garten, einer Hütte, verkrochen. Jetzt sehen die beiden einen Lichtblick, die feste, vor allem winterfeste Unterkunft bietet einen Halt im völlig durcheinandergebrachten Leben der Gründlings.

So wie die Unterkunft Zentimeter für Zentimeter auf das Grundstück im Strandweg manövriert wurde, umso heller leuchtete das Licht am Ende eines noch beschwerlichen Wegs. Endlich wieder ein Dach über dem Kopf, endlich wieder ein Zuhause mit eigenen Sachen. Stolz zeigt Karin Gründling ein alte Porzellanplatte, die sie aus den Trümmern retten konnte.

Kleine Freuden in Schutt und Asche gefunden

In Schutt und Asche hat Karin Gründling noch Erinnerungsstücke gefunden. Jetzt wird die Ruine abgetragen. Quelle: Timo Richter

„Der Lichtblick ist da, sodass wir nicht im Kummer vergehen“, sagt Karin Gründling. Hochgehalten hat die Eheleute seit dem Brand die überwältigende Hilfsbereitschaft aus dem Dorf heraus. Sach- und Geldspenden waren das eine – die tatkräftige Hilfe etwa beim Neueindecken des alten Schweinestalls das andere. Jedenfalls gibt es mittlerweile eine wetterfeste Unterstellmöglichkeit für das aus Schutt und Asche gerettete Hab und Gut.

Jetzt sollte mit dem Abtragen der Reste des einstigen Lebens der Gründlings begonnen werden. Immer wieder hat Karin Gründling die Überreste des Hauses durchstreift. Und sie ist fündig geworden: Ein paar Fotos aus alten, nun verkohlten Alben konnte sie retten, Geschirr, zum Teil zersprungen, ein durchgeglühter Topf. „Das sind kleine Freuden“, sagt Karin Gründling.

Weg in die Normalität

Die machen die Brandkatastrophe nicht vergessen, zeigen aber den Weg zu einem Neubeginn und geben Halt. Während Jürgen Gründling mittlerweile einen Schnitt zu seinem Leben vor dem Feuer gemacht zu haben scheint und nun strikt auf einen Neubeginn setzt, klammert sich seine Frau noch an Erinnerungen. Sie hat so viele persönliche Stücke wie irgend möglich aus dem herausgesucht, was das Feuer hinterlassen hat. „So ganz realisieren kann ich den Verlust noch nicht.“

Der mit dem Mobilheim aufgeflammte Lichtblick richtet denn auch den Blick in die Zukunft. Schon überlegt Karin Gründling, wie sie den Wohncontainer beranken kann, wo Blumenkästen hingehörten. Und auch Jürgen Gründling blicht nun wieder mit ein wenig mehr Zuversicht nach vorne. Gespendetes Werkzeug, Maschinen und Bernsteine haben ihn dazu gebracht, sich wieder der künstlerischen Arbeit zu widmen.

Basis für Neubeginn

Jürgen Gründling mit dem Hund Lucky am selbst ernannten „Dschungelcamp“. Dorthin zeiht sich der 75-Jährige oft zurück. Quelle: Timo Richter

Im liebenswürdigen Sinn eigensinnig wie eh und je hat er sich im persönlichen „Dschungelcamp“ einquartiert, zusammen mit dem Golden Retriever Lucky. Der Hund war es seinerzeit, der ihn und seinen Sohn Heiko geweckt hatte, bevor die Flammen eine Flucht aus dem Haus verhindert hätten. Im hinteren Teil des großen Grundstücks kann Jürgen Gründling die Schrecken jener Nacht vergessen. Dort ist er im Reinen mit der Natur. „Wenn schlechte Gedanken kommen, ziehe ich mich zurück“, sagt er. Und da stört dann auch nicht der Brandgeruch, der viele Wochen nach dem Unglück immer noch über allem hängt. „Den nehme ich gar nicht mehr wahr.“

Und dann zieht sich Jürgen Gründling wieder zurück. Das Mobilheim will er auf feste Stützen stellen. Wenigstens das soll nicht ins Schwanken geraten, nicht wie das Leben nach dem Brand.

Mehr lesen: Nach Großband in Wieck: Ein Zuhause in Schutt und Asche

Nach Brand rollt die Hilfswelle

Timo Richter

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