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Ribnitz-Damgarten „Hätte schon längst aufgegeben“: Hilfe für den letzten Fischer von Barth
Vorpommern Ribnitz-Damgarten „Hätte schon längst aufgegeben“: Hilfe für den letzten Fischer von Barth
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18:31 17.09.2019
Fischer André Grählert (v.r.), Bürgermeister Friedrich Carl-Hellwig, Geselle David Graf und Armin Pfeiffer vor dem kleinen Geschäft des Fischers. Direkt gegenüber soll ein neuer Imbiss entstehen. Quelle: Anika Wenning
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Barth

Vier Jahre lang hat der Barther Fischer gekämpft und nun gewonnen. Für den Umbau des benachbarten Schuppens am Hafen zum Imbiss mit Verkaufstresen, Dachterrasse und Räucheröfen hat André Grählert nun endlich eine Fördermittelzusage bekommen.

Das Geld kommt aus dem EU-Fördertopf für Fischerei. Die gesamte Umbaumaßnahme soll 320 000 Euro kosten, 149 000 werden gefördert, wobei zehn Prozent davon die Stadt trägt. „Ohne die zehn Prozent der Kommune hätte ich die Fördermittel überhaupt nicht bekommen. Ich kenne einige Kollegen, die dieses Problem haben“, sagt der Fischer, der froh ist, dass er bei der Stadt mit seiner Idee gleich auf offene Ohren gestoßen ist.

„Das ist gut angelegtes Geld“, sagt Bürgermeister Friedrich-Carl Hellwig. Die Stadt sei schließlich sehr daran interessiert, den Fischer in Barth zu halten, denn auch für den Tourismus sei dies ein wichtiges Angebot. „Ein Fischkutter am Hafen ist schon gut, aber ein Fischer, der seine eigenen Produkte vermarktet, ist noch besser“, meint Hellwig. Zumal es sich um den einzigen Fischer in Barth handele, der die Fischerei als einziges Standbein hat.

Zu jung für die Rente

Große Unterstützung bekam André Grählert von Armin Pfeiffer. Der ehemalige Geschäftsführer der Barther Werft unterstützt die Stadt bei Projekten und hat für den Fischer die Förderanträge gestellt. „Ohne ihn hätte ich schon längst aufgegeben“, sagt der 44-Jährige.

Doch Armin Pfeiffer blieb dran und glaubte an das Projekt. Denn André Grählert ist Fischer durch und durch und das nun schon in fünfter Generation. „Und zwar mütterlicherseits und väterlicherseits. Ich hab es von beiden Seiten abbekommen“, sagt der 44-Jährige und lacht. 1991 hat er bei seinem Vater mit der Lehre angefangen, machte seinen Facharbeiter, das Patent und schließlich 1998/99 seinen Meister. Mittlerweile hat er drei Angestellte und im Betrieb das Sagen.

„Ich bin zu jung, um in Rente zu gehen“

Doch um auch in Zukunft noch von der Fischerei leben zu können, brauche es Veränderungen. „Ich bin zu jung, um in Rente zu gehen, und ich habe mein ganzes Geld in die Fischerei gesteckt“, erklärt der 44-Jährige. Doch gerade in Deutschland seien die Bedingungen für Fischer sehr schlecht. „Es wird immer schlimmer und es kommen immer neue Vorschriften hinzu.“

Ein großes Problem seien die Fangquoten. So soll im kommenden Jahr der Dorsch- und der Heringsfang noch weiter eingeschränkt werden. „Schriftlich habe ich es noch nicht, aber ich habe gehört, dass der Dorschfang sogar auf null runtergehen soll“, berichtet der Fischer. Der Heringsfang soll noch einmal um 71 Prozent reduziert werden.

Und auch das Russland-Embargo bereitet dem Fischer Sorgen. „Plötze und Brassen verkaufen sich in Deutschland sehr schlecht. Die Deutschen mögen keinen Fisch mit Gräten. Nach Russland könnte ich den Fisch aber sehr gut verkaufen“, erklärt André Grählert. Zudem würde den Fischern immer mehr Flächen auf dem Wasser genommen, unter anderem durch Stromtrassen oder Windparks auf dem Wasser.

Baubeginn 2019/2020 geplant

So soll die Fischhalle Grählert am Osthafen aussehen. Quelle: Stadt Barth

Zwar hat der Barther bereist seit 15 Jahren einen kleinen Fischladen am Osthafen, aber das reicht nicht aus. Ein neues, größeres Standbein musste her. So sei die Idee entstanden, den benachbarten Schuppen, den er bereits vor Jahren gekaufte hatte und bisher als Lager nutzt, zu einer „Fischhalle“ umzubauen.

Geplant sei ein Imbiss, in dem Urlauber und Einheimische den frisch gefangenen Fisch kaufen und auch Kleinigkeiten, wie Fischbrötchen, essen können. Drinnen sollen rund 20 Sitzplätze entstehen, draußen auf der Dachterrasse zehn bis 15. Baubeginn ist 2019/2020 geplant, Ende 2021 soll alles fertig sein. Ein Highlight werden die Räucheröfen sein, in denen der Fisch ganz frisch zubereitet wird.

Die Stadt, der die Fläche hinter dem Schuppen gehört, plant zudem, einen Spielplatz zu bauen. „Das ganze Ensemble würde diesen Teil des Hafens aufwerten. Und während die Kinder spielen, können die Eltern entspannt Fisch essen“, sagt Bürgermeister Friedrich-Carl Hellwig.

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