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Ribnitz-Damgarten Angela Merkel zu Gast beim Neujahrsempfang
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Angela Merkel zu Gast beim Neujahrsempfang
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19:49 26.01.2019
In den vergangenen Jahren wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel (l.) noch von Ex-Landrat Ralf Drescher (M.) empfangen. In diesem Jahr war der neue Landrat Stefan Kerth Gastgeber. Quelle: Susanne Retzlaff
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Trinwillershagen

Ja, es waren wohl doch ein paar mehr Gäste als in den letzten Jahren, die am Freitag der Einladung zum Neujahrsempfang des Landkreises nach Trinwillershagen gefolgt waren. Die blanke Neugier, munkelten manche, man wollte schon wissen, wie der „Neue“ seine Rolle als Gastgeber der Traditionsveranstaltung anlegen würde, wie es zwischen dem SPD-Landrat Dr. Stefan Kerth und der CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Angela Merkel läuft.

Petra Kischnick, Geschäftsführerin der Wobau Richtenberg, und Iris Basinski, Vorsteherin des Amtes Niepars, genossen die entspannte Atmosphäre. Quelle: Susanne Retzlaff

Er wolle mit Lichtgeschwindigkeit den Landkreis in die Zukunft nordeln. Noch sei der schöne Landkreis nicht Silicon-Valley, so der Landrat. Baustellen seien vorhanden: Mobilfunklöcher, Verkehrsanbindung und Kinderbetreuung. Aber in Kürze sei er wenigstens per Glasfaserkabel erschlossen. Auch der Arbeitsmarkt erhole sich. Kerths Vision: Menschen in den Landkreis zurückzuholen, in dem es sich „so richtig leben“ lässt. Dafür aber müssten mehr Finanzmittel auch in den Kommunen ankommen.

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Wildschwein für George Bush

Das Wildschwein habe George Bush junior noch in guter Erinnerung, bestätigte Angela Merkel bekannte Trinwillershäger Qualitäten, zu denen Lichtgeschwindigkeit jedoch noch nicht unbedingt gehöre. Fast 30 Jahre nach der Wende seien trotz deutlicher Verbesserung der Lebensverhältnisse Enttäuschungen durch Arbeitslosigkeit nicht vergessen, zumal sich diese dann auch in den Renten niederschlage, schlug die Bundeskanzlerin nachdenkliche Töne an.

„Die Darßbahn wird kommen“

Traditionell findet der Neujahrsempfang des Landkreises in der Gasstätte „Zu den Linden“ in Trinwillershagen statt. Quelle: Susanne Retzlaff

Ein Projekt hob sie besonders hervor. „Die Darßbahn wird kommen“, war sie sich – zumindest fast – sicher. Beim Bund in Berlin werde das Projekt begleitet, das Eisenbahnkreuzungsgesetz eröffne Möglichkeiten, so Merkel.

Nur mit dem „Nordeln“, einem „Kuckucksei“, das Kerths Vorgänger Ralf Drescher gelegt habe, müsse sie sich noch anfreunden. Der Slogan des Landkreises sei zumindest ein Alleinstellungsmerkmal.

Kanzlerin zeigt sich locker

Beide, Kerth und Merkel, seien sehr locker, freuten sich die Gäste über Landrat und Kanzlerin. „Der Schwung ist da, wenn die angefangenen Projekte auch umgesetzt würden, wäre das schon gut“, so Klaus Hupfeld aus Abtshagen, Geschäftsführer Backring Nord.

Wittenhagens Bürgermeister Frederic Beeskow freute sich über die entspannte Kanzlerin und ihre „bemerkenswerte Einstellung zum Nordeln“. Generell wünschte er sich, dass die Politik den Bürgern, Unternehmern und Kommunen mehr finanzielle Eigenverantwortung überließe, statt immer neue Fördertöpfe zu befüllen. Alexander Benkert, Bürgermeister von Süderholz, freute sich über die besonders starke Aufmerksamkeit, die beim Neujahrsempfang den Ehrenamtlern zuteilwurde.

Sportler des Jahres in Vorpommern-Rügen: Ruderer Klas Ole Lass. Quelle: Susanne Retzlaff

Petra Kischnick, Geschäftsführerin der Wobau Richtenberg, fand die Veranstaltung „natürlicher als früher, superlocker auch die Reden von Kerth und Merkel“. Dem schloss sich Iris Basinski, Vorsteherin des Amtes Niepars, an und ergänzte ihren großen Wunsch: „Die Landesregierung möge die Straßenausbaubeiträge regeln.“

Viele Wünsche

Und Groß Kordshagens Bürgermeister Jörg Zimmermann betonte die Bedeutung des Radweges an der L 21 und die kompetente Lösung des Raumproblems der Feuerwehr seiner Gemeinde. Daniel Triebel, Bürgermeister von Hugoldsdorf, der kleinsten Gemeinde im Landkreis, war zum ersten Mal auf dem Neujahrsempfang. „Gewaltig und groß“, fand er ihn, „Merkel war sehr entspannt, man merkt, dass sie hier zu Hause ist.“ Ihm wäre wichtig, dass die Mittel des Landes bei den Kommunen auch ankommen. „Kleinstgemeinden müssten dabei anders bewertet werden, sie haben die gleichen Aufgaben zu erfüllen wie größere Gemeinden“, so Triebel.

Begeisterten mit ihrem musikalischen Programm: Philipp Prüter, Sophia Röwer und Charlotte Degwitz. Quelle: Susanne Retzlaff

Schön, dass sich so viel Zeit für die Würdigung der Ehrenamtlichen genommen wurde, lenkte Marc Fiege den Blick auf die Bürger, die besondere Verantwortung übernommen oder sich durch besondere Leistungen ausgezeichnet haben. Dazu gehörten auch die selbst komponierten und vorgetragenen Songs, mit denen Philipp Prüter, Sophia Röwer, Charlotte Degwitz, Anett Schadewald und Francy Timm (14 bis 15 Jahre jung) von der Kreismusikschule den Abend begleiteten.

Petra Voß wurde von Angela Merkel und Stefan Kerth als Frau des Jahres ausgezeichnet. Quelle: Susanne Retzlaff
Klaus Möbus erhielt den Kulturpreis des Landkreises. Quelle: Susanne Retzlaff

Darauf aber, dass aus Klas Ole Lass (18) einmal ein Spitzensportler werden würde, hätte bei seinem Eintritt in den Stralsunder Ruderclub wohl kaum jemand gewettet. Erst 2013 startete der Obermützkower richtig durch. Inzwischen siegte der Ruderer bei Jugend trainiert für Olympia und wurde Welt- und Deutscher Meister bei den Junioren.

Kulturpreis für Klaus Möbus

Den Kulturpreis erhielt Klaus Möbus, dessen Name erst als Leiter, inzwischen als Förderer untrennbar mit dem Theater Putbus verknüpft ist. Seinem Ziel, zum 200-jährigen Jubiläum des Theaters Putbus im Jahr 2020 die Zahl der Mitglieder des Fördervereins auf 200 zu erhöhen, ist er schon sehr nahe gekommen. Dank seiner Aktivitäten sind aus 50 bereits 165 Förderer geworden, freute sich Laudatorin und Kreistagspräsidentin Andrea Köster.

Petra Voß ist Frau des Jahres

Zur Frau des Jahres wurde Petra Voß insbesondere für ihre Hospizarbeit gekürt, deren Bedeutung sie bereits vor über 20 Jahren erkannte, so Laudator Stefan Kerth. Darüber hinaus engagiere sich die Kreistagsabgeordnete für Kinder, die sie in vielfältiger Weise beim Lesen und Lernen unterstützt. „Ich habe gar nicht gemerkt, was ich alles mache“, staunte die ausgebildete Kinderkranken- und Palliativschwester, „aber das ist mein Leben.“ Sie will Kindern Wärme geben und ihre Kreativität wecken. Andere hätten die Auszeichnung ebenso verdient, die eine ganz große Ehre für sie sei.

Weitere Geehrte

Der Landkreis Vorpommern-Rügen hat verdiente Ehrenamtler ausgezeichnet: Klaus-Dieter Teichert aus Marlow für seine Beteiligung am Aufbau des Sportvereins, Nadine Garling aus Stralsund, die sich mit historischen Warenhäusern und jüdischer Geschichte beschäftigt, Karl-Walter Böttcher aus Putbus für seinen langjährigen Einsatz in der Kommunalpolitik, Heidemarie Weiß aus Trent für ihr Engagement bei der Volkssolidarität und in der Seniorenarbeit, Hartmut Kolschewski aus Lindholz, der als erfahrener Bürgermeister seine Gemeinde durch die "A-20-Loch-Krise" manövrierte, Martina Bochmann aus Süderholz für ihre Bemühungen um die Remise auf Schloß Griebenow, Janett Harnack aus Ribnitz-Damgarten für ihr großes Engagement in der Flüchtlingshilfe, Konrad Bossow, über 50 Jahre Gemeindevertreter in Fuhlendorf, Karin Bartz aus Gremersdorf-Buchholz für ihren Beitrag zu einem lebendigen Dorfleben, Karl-Heinz Priebe aus Wustrow, Vormann und Motivator bi der DGzRS Fischland, Werner Moede, langjähriger Kommunalpolitiker in Zingst, Benno Rüster, der das Stock-Car-Rennen in Grimmen mitbegründete, Christel Block, Dreh- und Angelpunkt der Seniorenarbeit in Wiek, Peter Messing, langjähriger Bürgermeister von Prohn, Chorleiter Georg Ladendorf aus Sassnitz, Wolfgang Buschmann aus Wittenhagen für seinen Einsatz für Flüchtlinge und ein ausgewogenes Gemeindeleben. In Abwesenheit wurden Renate Lumack aus Lüssow für ihre Seniorenarbeit, Hans-Joachim Laars aus Bergen für seine über 70-jährige Mitgliedschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr und der Wehrführer der Gemeinde Lancken-Granitz gewürdigt.

Susanne Retzlaff