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Ribnitz-Damgarten ODEG übernimmt Regionalexpress von Ribnitz-Damgarten auf die Insel Rügen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten ODEG übernimmt Regionalexpress von Ribnitz-Damgarten auf die Insel Rügen
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18:51 11.11.2019
Der Bahnhof Ribnitz-Damgarten West. Hier halten künftig Züge der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH. Quelle: Robert Niemeyer
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Ribnitz-Damgarten

Die Regionalexpresslinie 9 hat einen neuen Betreiber. Zwischen Rostock und Sassnitz bzw. Binz auf Rügen fährt mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG). Außerdem übernimmt die ODEG die neue RE-Linie 10 (RostockZüssow). Davon betroffen sind auch zahlreiche Pendler aus der Region Ribnitz-Damgarten. Die OZ beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Veränderungen.

Ändert sich der Fahrplan?

Nein, die ODEG übernimmt den bisherigen Fahrplan. „Für die Kundinnen und Kunden auf unserer Bahnlinie zwischen Rostock, Stralsund und Sassnitz bzw. Züssow ändert sich nichts“, sagt Landesverkehrsminister Christian Pegel. Das heißt: Werktags fährt alle zwei Stunden ein Regionalexpress der ODEG. Dazwischen fahren auf der Strecke Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn (IC und ICE). Auch die bisherigen Anschlüsse, beispielsweise in Velgast für die Regionalbahn nach Barth, bleiben erhalten.

Werden die Fahrkarten teurer?

„Auf dieser Strecke erkennt die ODEG als künftiger Betreiber nach dem Fahrplanwechsel den bundesweiten Tarif der Deutschen Bahn vollumfänglich an“, teilt das Landesverkehrsministerium mit. An den Fahrpreisen ändert sich nichts. Übrigens: Es wird auch weiterhin möglich sein, im Ribnitzer Bahnhof am Ticketschalter Fahrkarten zu kaufen. Die bisherige Betreiberin der Reiseagentur hört zwar zum 26. November auf. Anfang Dezember wird die Agentur jedoch von einem neuen Betreiber übernommen.

Werden Vergünstigungen anerkannt?

Laut Arnulf Schuchmann, Geschäftsführer der ODEG, werden in den Zügen der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH die bekannten vergünstigten Tickets anerkannt, wie etwa die Bahncard, das MV-Ticket oder das Ostsee-Ticket. Die Vergünstigungen für Mitarbeiter der Deutschen Bahn, die Züge der DB teilweise kostenlos nutzen können, gelten in den ODEG-Zügen jedoch nicht mehr.

Werden Nahverkehrstickets im Fernverkehr anerkannt?

Bislang war geregelt, dass Pendler mit beispielsweise Monatstickets des Nahverkehrs ohne Aufschlag auch die Fernzüge der Deutschen Bahn nutzen können. Damit wurde der Ein-Stunden-Takt im Nahverkehr sichergestellt. Noch ist offen, ob das auch weiterhin möglich ist. „Zur Anerkennung von Nahverkehrstickets auch in den Zügen des Fernverkehrs laufen zurzeit Verhandlungen mit DB Fernverkehr im Rahmen eines Vergabeverfahrens“, heißt es aus Schwerin.

Warum wurden die Strecken RE 9 und RE 10 neu vergeben?

Arnulf Schuchmann, Geschäftsführer und Sprecher der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (ODEG). Das Unternehmen übernimmt für zwei Jahre die Bahnlinien Rostock–Sassnitz/Binz und Rostock–Züssow. Quelle: Kate Jordan

Die Landesregierung bzw. deren Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (VMV) vergibt die Konzessionen für den Betrieb der Zugstrecken in MV. Normalerweise erfolgt das per Ausschreibung, auf die sich Anbieter bewerben können. In diesem Fall wurde die Strecke per Notvergabe an die ODEG vergeben, „damit der Verkehr auf der Strecke ohne Unterbrechung fortgeführt werden kann“, so Verkehrsminister Pegel. Aufgrund unklarer Parameter, wie dem bundesweit geplanten Deutschlandtakt, der auch Auswirkungen auf den Regionalverkehr haben werde, sei eine Ausschreibung nicht möglich gewiesen, hieß es im Mai aus Schwerin.

Für wie lange wurde der Betrieb der Strecken an die ODEG vergeben?

Die ODEG fährt für die nächsten zwei Jahre auf den Regionalexpresslinien 9 und 10. „Was passt besser an die Ostseeküste als die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft?“, sagt Geschäftsführer Arnulf Schuchmann. Für die ODEG sei das ein weiterer Schritt im Sinne eines wirtschaftlich vernünftigen Wachstums. Die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft fährt in Mecklenburg-Vorpommern unter anderem bereits auf der Linie RE 2 von Wismar nach Cottbus und auf den Regionalbahnstrecken 13 (RehnaParchim) und 14 (HagenowParchim).

Warum zog die DB Regio vor Gericht?

Die DB Regio AG hatte gegen die Direktvergabe Widerspruch eingelegt und vor dem Oberlandesgericht Rostock verloren. Am 30. Oktober entschied das OLG, dass die Direktvergabe an die ODEG rechtens ist. „Diese Entscheidung trifft bei DB Regio auf Unverständnis. Sowohl den Einsatz unserer Mitarbeiter als auch die Fahrzeuge hatten wir bis jetzt für das Teilnetz Ost bereitgehalten, so dass eine Notvergabe aus unserer Sicht zu keinem Zeitpunkt erforderlich war“, heißt es auf Anfrage bei der DB Regio, die bislang die RE 9 bediente. Fünf Triebwagen waren eigens für den Betrieb im Teilnetz Ost angeschafft worden. Seit 2007 sind sie hier für die DB Regio im Einsatz.

Verlieren jetzt DB-Mitarbeiter ihren Job?

Von der DB Regio heißt es, dass seit längerer Zeit ein Plan B für den Fall des Verlusts der Linie RE 9 existiert. „Wir gehen davon aus, dass wir allen betroffenen Mitarbeitern sehr attraktive Angebote machen können“, so ein Sprecher der DB Regio. Zudem stellt auch die ODEG für ihre neuen Linien neue Mitarbeiter ein.Mehr zum Thema: Land vergibt Regionallinien an Bahn-Konkurrenz Bahn klagt gegen Land wegen Vergabe des Regionalverkehrs Bahn: Betreiberwechsel sorgt für Irritationen

Von Robert Niemeyer