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Ribnitz-Damgarten Fiete Korn aus Prerow: „Ich war 2020 der bekannteste Abiturient der Welt“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten

OZ-Podcast mit Fiete Korn: Ich war der bekannteste Abiturient der Welt

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16:10 31.03.2021
Fiete Korn hat auf dem Abiball seiner Schule eine Rede gehalten, in deren Folge er über die deutschen Landesgrenzen bekannt geworden ist. Bei "Ankern mit..." hat er über die Rede und deren Folgen geredet.
Fiete Korn hat auf dem Abiball seiner Schule eine Rede gehalten, in deren Folge er über die deutschen Landesgrenzen bekannt geworden ist. Bei "Ankern mit..." hat er über die Rede und deren Folgen geredet. Quelle: Moritz Naumann
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Prerow

Im vergangenen Jahr war Fiete Korn der wohl berühmteste Abiturient Deutschlands – er selbst glaubt sogar weltweit. Schließlich ging ein verpixeltes Video seiner Abiball-Rede um die Welt. Was folgte: Eine Vielzahl an Presseanfragen und das Angebot bei Showmaster Jan Böhmermann, ein Praktikum zu absolvieren.

Wie es dazu gekommen ist und wie es war, an der Seite von Jan Böhmermann zu arbeiten, erzählt er nun in der neuesten Folge des OZ-Podcasts „Ankern mit…“.

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Zurück zum Ursprung: Es war keine einfache Abiballrede, die da an der Freien Schule in Prerow gehalten wurde. Zynisch bedankte Fiete Korn sich bei seinem Schulleiter Gerald Schaarschmidt für „das Einschüchtern und das Überwachen der Schüler durch andere Schüler und dass kein guter Lehrer länger als vier Jahre an seiner Schule geblieben ist.“ Schaarschmidt habe ein „System der Überwachung“ in der privaten Schule in Prerow etabliert, sagte der junge Mann.

Von Taschentüchern und Bürgermeistern

Im OZ-Podcast wird Korn konkret: Der 18-Jährige hätte jemanden während einer Rede des Bürgermeisters von Prerow um ein Taschentuch gebeten. „Zwei Tage später wurde ich ins Büro des Schulleiters gerufen und erhielt eine Verwarnung wegen unangemessenen Verhaltens gegenüber Autoritätspersonen.“

Der Bürgermeister von Prerow, René Roloff, erinnert sich an den Tag: „Es kann sein, dass Fiete etwas unruhig war, ich erinnere mich aber nicht, dass er besonders gestört hat”, sagt Roloff auf Nachfrage der OZ. „Wenn ihm wegen seines Verhaltens dann eine Verwarnung ausgesprochen wurde, halte ich das für unangemessen. Ich hatte das Gefühl, dass es darum ging, gegenüber Autoritäten ein bestimmtes Verhalten einzufordern.“ Gerald Schaarschmidt äußerte sich auf OZ-Nachfrage nicht.

Ankern mit...

... ist der kostenlose Interview-Podcast der OSTSEE-ZEITUNG. Die Besatzung des Audio-Kutters der OZ um Benjamin Barz, Lena-Marie Walter, Moritz Naumann und Juliane Schultz lädt im losen Wechsel alle zwei bis vier Wochen einen Gast ein und nimmt sich Zeit für seine Geschichten. Manöverkritik gibt es am Ende jeder Folge im Kollegengespräch.

Zu hören ist der Podcast auf ostsee-zeitung.de/podcasts. Außerdem steht er auf den gängigen Portalen Spotify, Google Podcasts, Deezer, Audible, Amazon Music und Apple Podcast zur Verfügung.

Bisher erschienen sind: Folge 0, in der sich die Podcast-Crew vorstellt, Folge 1 mit Intensivmediziner Dr. Micha Löbermann, Folge 2 mit Fußball-Legende Carsten Jancker Folge 3 mit Politikwissenschaftler Ronny Rohde. Folge 4 mit Para-Ruderer Marcus Klemp

Große Töne in zehn Minuten

Es seien solche Situationen und ähnliche Berichte von Schülern gewesen, die Korn zu seiner Rede motivierten. „Ich habe bereits ein halbes Jahr vorher große Töne gespuckt. Das war am Anfang aber nur Rumgequatsche“, erzählt er im Podcast. Auf der Abifeier habe er aber Zuspruch von Mitschülern erhalten, sich Zettel und Stift geliehen und die Rede innerhalb von zehn Minuten geschrieben. „Ich dachte mir, vielleicht hilft es ja den Leuten nach mir.“

Die Rede wurde mitgefilmt. Danach: Applaus vom Publikum, aber keine direkte Reaktion vom Schulleiter. „Er hat danach kein Wort mit mir geredet”, berichtet Korn weiter. „Es kam einfach nur das Schreiben von der Staatsanwaltschaft”. Die Anzeige wurde vier Wochen später wegen Nichtigkeit nicht weiter verfolgt.

„Ich habe das Sommerloch gestopft“

Zu diesem Zeitpunkt war der Name Fiete Korn bereits über die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns hinaus bekannt. Bis zu 40 unterschiedliche Medien hatten den Abiturienten nach seiner Rede kontaktiert. „NDR, RTL, DPA, die Süddeutsche” zählt Korn auf. „Ich habe gut das Sommerloch gestopft“, meint der 18-Jährige. „Man brauchte mal eine Abwechslung von Corona. Ich war nicht nur der bekannteste Abiturient Deutschlands, auch Australische Medien berichteten über mich“, sagt Korn nicht ohne Stolz.

Auf dem Höhepunkt der Aufmerksamkeit stellte ihm ZDF-Satiriker Jan Böhmermann via Twitter einen „Gutschein für ein ausgedehntes Redaktionspraktikum” aus.

Vom Skateboard ins Montags-Meeting

Ende 2020 reist Korn nach Köln, wo das „ZDF Magazin Royal” produziert wird. „Ich bin mit Skateboard, Rucksack und Reisetasche zu den Studios gefahren. Dann habe ich direkt einen Platz bekommen und am Montags-Meeting mit den Autoren teilgenommen.”

Korn versuchte sich mit Verbesserungsvorschlägen in die Sendung einzubringen. „Ich war relativ forsch, denn irgendeinen Eindruck muss man ja hinterlassen. Ein, zwei Vorschläge von mir sind aber auch in die Sendung gekommen”, freut sich Korn.

Bei der Aufzeichnung der Sendung sah Korn Böhmermann das erste Mal in Person. „Ich habe ihn erst gar nicht erkannt”, gibt der Abiturient zu. Denn „er kam mit Maske und Hut und sagte ‘Hallo‘. Ich habe auch ‘Hallo’ gesagt und dann weiter gearbeitet”, berichtet Korn verlegen. „Dann habe ich mich aber noch mal umgedreht und gefragt: ‘Entschuldigung, kennen wir uns?‘“ Böhmermann reagierte belustigt: „Ich bin der Jan Böhmermann, Fernsehmoderator, Autor”.

Am liebsten eine Tischler-Lehre

Während der Aufzeichnungen sei es faszinierend gewesen zu sehen, wie der Showmaster zwischen der privaten Person und der Moderatorenrolle umschalten konnte. Und auch wenn die neuerliche Bekanntschaft und die Arbeit in Köln tolle Erfahrungen beinhalteten, eine Zukunft beim Fernsehen sieht der 18-Jährige für sich nicht. „Ich brauche etwas, bei dem man schnell ein Ergebnis sieht”, erzählt er. Daher schiele er eher auf eine handwerkliche Ausbildung. „Am liebsten würde ich in einer Tischlerei, in Düsseldorf, Hamburg oder Berlin anfangen, aber auf jeden Fall in einer Großstadt.”

Das Landleben hat er satt. „Ich finde es schön, nicht vier Kilometer zum nächsten Supermarkt fahren oder eine halbe Stunde auf den Bus warten zu müssen.” Dennoch werde er das Praktikum und wie es zustande gekommen ist, nie vergessen. „Eigentlich wollte ich meinem Schulleiter noch eine Dankeskarte aus Köln schicken.“

Von Benjamin Barz