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Ribnitz-Damgarten Plattdeutsch pflegen und erhalten
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Plattdeutsch pflegen und erhalten
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16:45 13.06.2019
Platt spielt auch bei den Darß-Festspielen, in deren Rahmen seit 2013 „Die Heiden von Kummerow“ auf die Freilichtbühne in Born gebracht werden, eine große Rolle. Das diesjährige Stück, „Die Augenbinde der Justitia“, feiert am 21. Juni Premiere. Quelle: Darß-Festspiele
Ribnitz-Damgarten

Stirbt Plattdeutsch aus? Eine Frage, die sehr kontrovers diskutiert wird. Während die einen davon ausgehen, dass diese Sprache in wenigen Jahrzehnten nicht mehr existieren wird, sehen andere das Plattdeutsche wieder im Aufwind. OZ hörte sich in der Region zwischen Barth und Ribnitz-Damgarten um.

Zu denen, die sich sehr intensiv um die Pflege und Vermittlung von Plattdeutsch kümmern, gehört Joachim Ballwanz aus Ribnitz-Damgarten. Mit seinen beiden Büchern „Pommern im Herzen“ landete er einen echten Coup. Das Interesse war und ist riesengroß. Dass das so ist, führt er vor allem darauf zurück, dass alle seine Geschichten auch auf Plattdeutsch geschrieben sind. Das Interesse am Plattdeutschen sei in der älteren Generation ungebrochen groß, sagt er. Diese Beobachtung habe er bei seinen vielen Lesungen, zum Beispiel in Pflegeheimen oder in der Bibliothek, machen können. „Für viele ältere Menschen sind plattdeutsch vorgetragene Geschichten und Erinnerungen eine Reise in die eigene Kindheit, in eine Zeit, als Plattdeutsch noch flächendeckend gesprochen wurde.“

Bücher von Plattdeutschautor werden im Unterricht eingesetzt

Viel schwieriger sei es, junge Menschen zu erreichen, so seine Erfahrung. Um so mehr freue es ihn, dass es in Mecklenburg-Vorpommern seit 2017 sechs so genannte Profilschulen mit dem Schwerpunkt Niederdeutsch gebe, wo Schüler die Möglichkeit haben, ab der siebten Klasse die Sprache zu erlernen. In zwei dieser weiterführenden Schulen werden in Absprache mit dem Schweriner Kultusministerium seine Bücher im Unterricht eingesetzt.

Mittlerweile hat der Ribnitz-Damgartener auch Kontakt zum Kompetenzzentrum für Niederdeutschdidaktik der Uni Greifswald. Das ist zuständig für die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern sowie Fachkräften in Kindertageseinrichtungen im Bereich Niederdeutsch. „Auch dort hat man Interesse an meinen Büchern signalisiert“, so Ballwanz.

In Barth ist unter anderem der Heimatverein sehr aktiv bei der Pflege und Vermittlung der plattdeutschen Sprache. Dessen Vorsitzender Mario Galepp sagt, er glaube zwar nicht, dass Plattdeutsch aussterben werde. „Aber es ist unübersehbar, dass das Interesse insgesamt rückläufig ist.“ Dem möchte man seitens des Vereins unter anderem mit dem Plattdeutschen Nachmittag entgegenwirken. In diesem Jahr haben sich daran etwa 15 Kinder beteiligt. Die beiden Drittklässler Lara Ziegenhagen (9) und Svyati Alokhin (8) von der Nobert-Schule haben den Wettbewerb gewonnen und dürfen nun das diesjährige Kinderfest am 15. Juni eröffnen. Unterstützung bekommt der Heimatverein bei dem einstündigen Programm von Schülern der Grundschule „Friedrich Adolf Norbert“, Lehrerin Birgit Kraushaar, dem Schulverein „Die Klette“ mit ihrer Trainerin Nicole Polenz sowie von den Bartherinnen Brigitte Perzel und Marianne Radke. Früher hätten die Kinder Plattdeutsch in der Familie erlernt. Doch dies sei heute eher die Ausnahme, sagt Galepp. Aus diesem Grunde komme den Schulen eine so große Bedeutung zu. „Aus meiner Sicht wäre es gut, wenn Plattdeutsch in allen Schulen ein eigenes Unterrichtsfach werden würde.“

Regionalsprache ist an Freier Schule Prerow Unterrichtsfach

Zumindest in der Freien Schule Prerow ist das bereits Realität. Plattdeutsch ist hier für die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 1 bis 4 reguläres Unterrichtsfach. Für die Fünft- und Sechsklässler wird Plattdeutsch als Kurs angeboten, teilte die Schule auf OZ-Anfrage mit. Das Richard-Wossidlo-Gymnasium in Ribnitz-Damgarten ermöglicht Schülerinnen und Schülern im Rahmen der Ganztagsangebote Plattdeutsch zu erlernen. „Allerdings sind es leider immer weniger Schüler, die sich für dieses Angebot interessieren“, berichtet Schulleiterin Sigrid Schermuk. In Zukunft soll das Thema plattdeutsche Sprache in bestimmte Unterrichtsfächer integriert werden, da gebe es erste Anfänge, so Schermuk.

Zum Teil sind es auch Kindertagesstätten, die sich der Pflege und Vermittlung der plattdeutschen Sprache annehmen. Besonders erfolgreich auf diesem Gebiet ist die Integrative DRK-Kindertagesstätte „Boddenkieker“ in der Ribnitzer Demmlerstraße. Immerhin konnten die lütten Plattsnacker aus dieser Einrichtung bereits viermal hintereinander den Landesmeistertitel beim Plattdeutschwettbewerb Mecklenburg-Vorpommern erringen, berichtet Kita-Leiterin Evelin Garske stolz. Plattdeutsch klinge nicht nur gemütlich, es sei auch wesentlicher Teil der maritimen Tradition der hiesigen Region, sagt sie. „Zu deren Pflege wollen wir gern beitragen. Damit entsprechen wir auch den Wünschen vieler Eltern.“

Plattdeutsch auf der Borner Freilichtbühne

Platt spielt auch bei den Darß-Festspielen, in deren Rahmen seit 2013 „Die Heiden von Kummerow“ auf die Freilichtbühne in Born gebracht werden, eine große Rolle. Das diesjährige Stück, „Die Augenbinde der Justitia“, feiert am 21. Juni Premiere. Dass man dieses Stück wie auch die Vorgängerstücke nicht nur auf Hochdeutsch, sondern auch „up Platt“ auf die Bühne bringt, dafür gebe es mehrere gute Gründe, sagt Intendant Holger Schulze. Zum einen sei es das Anliegen aller Beteiligten, einen Beitrag für den Erhalt der plattdeutschen Sprache zu leisten. Überdies sehe er darin auch eine Wertschätzung der einheimischen Bevölkerung und ihrer Kultur sowie Tradition, zu der ganz wesentlich die plattdeutsche Sprache gehöre.

Edwin Sternkiker

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