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Ribnitz-Damgarten 1945/46: Für Tausende endete Flucht in Ribnitz und Damgarten
Vorpommern Ribnitz-Damgarten 1945/46: Für Tausende endete Flucht in Ribnitz und Damgarten
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00:00 28.10.2015
Ein Flüchtlingstreck in Ribnitz: Diese Aufnahme entstand in der Hermann-Göring-Straße, der heutigen Rostocker Straße. Quelle: Archiv Sternkiker
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Ribnitz-Damgarten

„Ungeliebte Neuankömmlinge — Flüchtlinge 1945/46 in Ribnitz und Damgarten“, so lautete der Titel einer Veranstaltung im Konventsaal des Ribnitzer Klosters am Montagabend. Dazu eingeladen hatte der Förderkreis Kloster- und Stadtgeschichte. Das Interesse war groß, mehr als 60 Besucher verfolgten den Vortrag des Ribnitz-Damgartener Lokalhistorikers Jan Berg.

Dass sich die Begeisterung über die Ankunft der Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in Ribnitz und Damgarten in Grenzen hielt, führte Berg vor allem darauf zurück, dass es Tausende waren, die in die beiden Städte strömten. Dadurch stieg die Bevölkerungszahl dramatisch an. Lebten in Ribnitz 1939 rund 8150 Menschen, waren es 1947 etwa 12 000. Damgarten hatte 1939 rund 3900 Einwohner, 1947 waren es zirka 5800.

Viele der Menschen, die es nach Ribnitz und Damgarten verschlug, waren völlig entkräftet und an Diphtherie und Typhus erkrankt. Mehrfach hatte der Ribnitzer Bürgermeister sich geweigert, die ihm von der Flüchtlingsabteilung des Landkreises Rostock zugewiesenen Flüchtlinge aufzunehmen. Dem schob der Landrat einen Riegel vor, indem er ihm in einem Schreiben vom 22. September 1945 unmissverständlich klarmachte, dass er sich an die Vorgaben zu halten habe. Jan Berg: „Laut einer Verordnung der Landesverwaltung vom Juli 1945 hatte jede Gemeinde so viele Flüchtlinge aufzunehmen, wie sie im Jahre 1939 Einwohner hatte. Außerdem hatten Gemeinden mit Gütern über 100 Hektar Land zusätzlich 100 Flüchtlinge zu beherbergen. Für Ribnitz bedeutete das, dass die Stadt 7741 Personen aufgrund der ehemaligen Einwohnerzahl sowie 100 weitere aufgrund des Besitzes des Gutes Freudenberg, insgesamt somit 7841 Flüchtlinge, aufzunehmen hatte.“

Neben der Versorgung mit Lebensmitteln und der medizinischen Betreuung sei die Unterbringung der Flüchtlinge und Vertriebenen die größte Herausforderung gewesen, machte Jan Berg deutlich. Um das einigermaßen geordnet tun zu können, wurde ein Umsiedlerausschuss gebildet, der die Unterbringung der Neuankömmlinge organisieren sollte. Die erfolgte zunächst in Privatquartieren. Allerdings habe sich schnell gezeigt, dass der private Wohnraum bei weitem nicht ausreichte, sagte Berg. Aus diesem Grunde seien Massenquartiere geschaffen worden. Anfang Oktober 1945 wurde mit der Errichtung eines Quarantänelagers zur Aufnahme der Flüchtlinge begonnen. Zunächst nutzten die Ribnitzer für diesen Zweck das ehemalige Arbeitsdienstlager auf dem Flugplatz Pütnitz. Von Mitte Oktober bis zum Jahresende 1945 war das Lager mit durchschnittlich 1200 Personen belegt.

„Nach ihrer Ankunft wurden alle Flüchtlinge registriert, entlaust, ärztlich untersucht und in der Regel nach einer Quarantänezeit zwischen 14 und 21 Tagen wieder entlassen. Anschließend erfolgte die wohnraummäßige Unterbringung durch die Stadt“, so Berg. Im November 1945 wurde das „Bachmannlager“ eröffnet. Zum Zeitpunkt seiner Eröffnung war es mit 1620 Personen belegt. Im Dezember waren es bereits 2720.

Für einige Zuhörer war der Vortrag eine Reise in die eigene Vergangenheit. Zu ihnen gehört Renate Behnke, deren Familien aus Hinterpommern stammte, im Februar 1945 auf die Flucht ging und in Damgarten eine neue Heimat fand. Obwohl sie damals erst knapp vier Jahre gewesen sei, hätten sich viele Bilder der Flucht tief in ihr Gedächtnis eingeprägt, erzählte sie. Peter Laudan, Sohn des Ribnitzer Pastors, berichtete, dass sein Vater an manchen Tagen 15 und mehr Menschen, vor allem Flüchtlinge und Vertriebene, beerdigen musste. Diese seien in so genannten Leihsärgen abgeholt, dann auf dem Friedhof in Säcke gesteckt und in diesen bestattet worden.

1903 Sterbefälle
Wie viele Flüchtlinge und Vertriebene 1945 und 1946 in Ribnitz und Damgarten gestorben sind, diese Frage blieb über Jahrzehnte unbeantwortet. Das hat sich erst geändert, nachdem Stadtarchivarin Jana Behnke die seit 2009 für die Forschung nutzbaren Sterbebücher von Ribnitz und Damgarten ausgewertet hatte. Sie konnte ermitteln, dass es zwischen Februar 1945 und Mai 1946 insgesamt 1903 Sterbefälle in Ribnitz und Damgarten gegeben hat. Mindestens 1242 davon stehen in Zusammenhang mit dem Kriegsende sowie Flucht, Vertreibung und deren Folgen. Bei mindestens 1139 handelt es sich nicht um Einheimische.



Edwin Sternkiker

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