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Ribnitz-Damgarten Pruchtens Bürgermeister: „Wenn die Darßbahn kommt, schmeiß ich mein Parteibuch hin“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten

Pruchtens Bürgermeister: „Wenn die Darßbahn kommt, schmeiß ich mein Parteibuch hin“

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18:39 09.12.2019
Pruchten stemmt sich gegen das Darßbahn-Projekt. Andreas Wieneke neben einem im Dorf angebrachten Transparent. Quelle: Susanne Retzlaff
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Pruchten

Pläne, den Bereich „südwestliche Lindenstraße“ wieder zu bebauen, gibt es in Pruchten bei Barth schon lange. Doch das Vorhaben zieht sich hin. „Schon zu DDR-Zeiten standen dort Bungalows, der Eigentümer wollte diese Fläche einfach reaktivieren“, erklärt der Bürgermeister, Andreas Wieneke (SPD). Doch einfach gehe mittlerweile so gut wie nichts mehr.

Da die Fläche im Außenbereich liege, mussten die Gemeindevertreter sie erst einmal in die Innenbereichssatzung aufnehmen, um überhaupt eine Bebauung zu ermöglichen. „Das haben wir am 3. November 2017 beschlossen und jetzt haben wir Ende 2019“, erklärt der Pruchtener.

35 000 Euro fürs Gutachten

In der Zwischenzeit habe die untere Naturschutzbehörde immer wieder neue Maßnahmen gefordert, bevor einer Bebauung zugestimmt werden könne. „Die naturschutzfachliche Bewertung solcher Bauvorhaben ist deutlich aufwendiger geworden“, sagt Andreas Wieneke, der seit 27 Jahren Bürgermeister ist.

In Pruchten hängt dieses Banner direkt an der Straße. Quelle: Anika Wenning

Diese Erfahrung mache die Gemeinde auch gerade. So soll der marode Steg am Hafen abgerissen und ein neuer, etwas längerer gebaut werden. „Dafür brauchen wir ein naturschutzfachliches Gutachten. Das allein kostet 35 000 Euro. Hinzu kommen Ökopunkte für 24 000 Euro, die die Gemeinde erwerben muss. Und das obwohl es vorher doch auch schon einen Steg gab“, sagt der Bürgermeister. „Das ist ein großer Mehraufwand geworden. Der auch noch viel Geld kostet.“ Derzeit ist die Gemeinde noch in der Planungsphase. „Ich hoffe, dass wir Mitte kommenden Jahres bauen können. Die Fördermittelzusage haben wir schon“, sagt Andreas Wieneke.

Für Darßbahn gelten andere Bedingungen

Unfair sei bei alledem, dass für die Wiederbelebung der Darßbahn scheinbar andere Bedingungen gelten würden. Da es sich um eine Wiederinbetriebnahme der Strecke handelt, sei eine Umweltverträglichkeitsprüfung hier nicht mehr notwendig. Für Andreas Wieneke, einen klaren Gegner des Projektes, ist das nicht nachvollziehbar.

„Man beruft sich hier auf das Allgemeine Eisenbahngesetz von 1910. Und das steht über allem“, sagt der Bürgermeister. Mit einer Klage beim Oberverwaltungsgericht in Greifswald ist die Gemeinde bereits gescheitert. „Wir wollten eigentlich eine Instanz höher gehen, zum Bundesverwaltungsgericht, haben aber nun den Rat bekommen, dass das keinen Sinn macht“, sagt Andreas Wieneke.

40-mal am Tag sollen die Schranken runtergehen

Schon seit zehn Jahren kämpfen die Pruchtener gegen die Wiederbelebung der Strecke. Dabei gehe es der Gemeinde nicht vorrangig um die Kosten, die auf sie zukommen würden. Denn an dem Bau von Bahnübergängen müsste sich die Gemeinde, die mit knapp 500 000 Euro rechnet, beteiligen. Vor allem gehe es um das Verkehrschaos, das die Pruchtener erwarten, wenn mehrmals am Tag die Schranken runtergehen.

Denn schon jetzt seien die Straßen im Sommer überlastet. „Im Urteil steht, dass die Schranken sogar 40-mal am Tag runtergehen würden. Das ist doch Wahnsinn“, sagt der Pruchtener Bürgermeister. „Die Darßbahn soll die Region entlasten, aber sie wird unsere Gemeinde belasten.“

Enttäuscht von Parteigenossen

Das Argument, dass durch die Darßbahn auch weniger Autos auf den Straßen fahren, kann er nicht nachvollziehen. „Ich glaube nicht, dass so viele Urlauber auf die Bahn umsteigen.“ Von der Landesregierung fühlt sich Andreas Wieneke im Stich gelassen. Zwar habe es vor kurzem erstmals einen Gesprächstermin mit dem Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) gegeben, allerdings habe es keine Einigung gegeben.

„Für unsere Argumente war er nicht zugänglich“, sagt der Bürgermeister. Dass andere SPD-Parteigenossen, wie Ministerpräsidentin Manuela Schwesig oder Bundestagsabgeordnete Sonja Steffen, nicht das Gespräch suchen, enttäuscht ihn. „Wenn die Eisenbahn kommt, schmeiß’ ich mein Parteibuch hin.“

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Von Anika Wenning

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