Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ribnitz-Damgarten Redebas feierte einen falschen Geburtstag
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Redebas feierte einen falschen Geburtstag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:37 25.07.2017
Bürgermeister Lothar Seib und die Urkunde, die beweist, dass Redebas fast 800 Jahre alt ist. Quelle: privat
Anzeige
Redebas

Bürgermeister Lothar Seib (CDU) ist nicht oft sprachlos. Aber diese Neuigkeit haute auch den 67-Jährigen um. Ende Juni feierte Redebas seinen 775. Geburtstag. Doch nun kam durch einen Zufall heraus, dass der Ort an der Bundestraße 105 fast ein Vierteljahrhundert älter ist. Übernächstes Jahr wird also wieder Jubiläum gefeiert - dieses Mal aber das 800.

Heimatforscher entdeckte Dokument aus dem Jahr 1219

Heimatforscher Hans-Peter Tews aus Velgast brachte den Stein ins Rollen. Dem Historiker fiel im Stralsunder Archiv eine Gründungsurkunde aus dem Jahre 1219 in die Hände und informierte den Bürgermeister der Gemeinde. Amtlich und mit einem Siegel bestätigt wird hier der Ort, der damals noch Retiburitz hieß, erstmals erwähnt. Bis zu diesem Tag glaubten die Einwohner noch, der Ort, der aus einer Slawensiedlung hervor ging, sei erstmals 1242 erwähnt worden.„Wie die Urkunde nach Stralsund gelangte, weiß niemand“, sagt der verblüffte Bürgermeister, der durch die Neuigkeit in eine Zwickmühle geriet. Seib hatte nämlich schon kurz vor der geplanten 775-Jahrfeier von der plötzlichen Alterung des Ortes erfahren. Er habe sich erst einmal kurz sammeln müssen und dann beschlossen: „Wir feiern trotzdem unseren falschen Geburtstag.“ Immerhin hatten fleißige Ehrenamtliche fast ein halbes Jahr lang den Tag geplant. Mehr als 4000Euro kostete das Fest – Geld, das von unzähligen Spendern stammte. „Wir hatten Leif Tennemann schon gebucht, der ein einstündiges Programm auf die Bühne brachte. Das Zelt war gemietet. Das konnten und wollten wir nicht alles absagen, nur weil plötzlich diese Urkunde auftauchte.“ Und so feierte Redebas mit etwa 300 Gästen einen rauschenden, aber falschen Geburtstag vor dem ehemaligen Gutshaus.

Im übernächsten Jahr wird noch einmal gefeiert

Auch zum 800. Jubiläum wünscht sich Lothar Seib ein angemessenes Fest. Das sei jedoch nur möglich, wenn sich im übernächsten Jahr wieder so viele Unterstützer finden. So viele Jubiläumsfeiern könne sich schließlich kein Ort leisten. „Vielleicht schlagen wir auch zwei Fliegen mit einer Klappe und verbinden den 750. Geburtstag von Löbnitz mit dem 800. des benachbarten Redebas’.“ Aber so sicher ist der Bürgermeister sich da nicht. „Erstens bin ich mir mittlerweile nicht mehr sicher, wie alt unsere Orte nun wirklich sind – ich vertraue keiner Jahrfeier mehr seit dem Vorfall. Und zweitens weiß ich nicht, ob die Einheimischen sich auf eine gemeinsame Geburtstagsfeier einlassen.“ Der Bürgemeister nimmt die Angelegenheit mit Humor.Doch nicht nur, dass Lothar Seib nun das Vertrauen in die Altersangaben verlor, der Irrtum hat weitere Folgen. „Unsere Nachbardörfer haben begonnen zu recherchieren“, erzählt der Löbnitzer. Hobbyforscher aus Divitz, Wobbelkow und Velgast seien intensiv auf die Jagd nach älteren Urkunden gegangen, da sie vermuten, dass auch diese Dörfer älter sind als bislang angenommen. Bis jetzt habe die Suche noch keine neuen Erkenntnisse gebracht. Eine Kopie der neuen „Redebas-Geburtsurkunde“ soll öffentlich ausgestellt werden. Wo, das weiß der Bürgermeister noch nicht so genau. Er hat schließlich viele Aufgaben. Jahrfeiern organisieren beispielsweise.

Carolin Riemer