Ribnitz-Damgarten: Ölgemälde lag jahrelang unentdeckt im Kreisarchiv 
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Ribnitz-Damgarten: Ölgemälde lag jahrelang unentdeckt im Kreisarchiv 

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15:39 30.03.2020
Ruth Klatte, Selbstporträt von 1962.
Ruth Klatte, Selbstporträt von 1962. Quelle: Repro: Gabi Raskop
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Ribnitz-Damgarten

Die Kunstsammlung des Landkreises Vorpommern-Rügen umfasst mehr als 500 Arbeiten aus über 100 Jahren regionalem Kunstgeschehen. Aufbewahrt und gepflegt wird sie seit 2005 durch den Kunstverein Ribnitz-Damgarten in seiner Galerie im Kloster. Zuvor musste die Sammlung allerdings im Laufe der Jahre einige Male umziehen. Dadurch ging manches verloren. Aufwendig und fast kriminalistisch wurde danach recherchiert. Hier und da konnten Werke wiederentdeckt werden.

Fotos vom Porträt existierten nicht

Eine solche erfolgreiche wie kuriose Geschichte verbirgt sich hinter einem kleinen Porträt von Ruth Klatte. Die Wiecker Malerin, geb. 1925, war selbst unglücklich über den Verlust, aber das Bild war einfach nicht mehr zu finden. Alle Anfragen an ehemalige Bearbeiter der Sammlung liefen ins Leere. Fotos oder Reproduktionen existierten nicht.

Beim Überarbeiten und Ergänzen des 70 Seiten umfassenden Inventarverzeichnisses fiel zudem auch noch auf, dass es zwar etliche Klatte -Werke in der in Ribnitz-Damgarten betreuten Kunstsammlung des Landkreises Vorpommern-Rügen gab, aber das von der Künstlerin beschriebene kleine Ölgemälde war offenkundig nicht dabei. Es war also schon verschwunden, bevor das erste Verzeichnis erarbeitet wurde. Recherchen nach dem Verbleib des Bildes blieben zunächst erfolglos, doch am Ende zahlte sich die Geduld aus. Und auch der Zufall spielte mit.

Bild wurde bei Umlagerung der Sammlung übersehen

Als das Kreisarchiv für den Bereich Ribnitz-Damgarten 2013 wegen der Fusion der Kreise nach Stralsund umziehen musste, fand Archivarin Rita Beu beim Packen und Räumen ganz oben auf der letzten Regalstufe ein kleines unbekanntes Bild und meldete in der Galerie im Kloster ihren Fund. Das Gemälde war einfach so klein, 24,5 mal 29 Zentimeter, dass es in einer obersten Ecke, flach liegend übersehen und bei der Umlagerung der Kunstsammlung von der Ribnitz-Damgartener Kreisverwaltung ins Barther Gymnasium in den 1990er Jahren einfach vergessen wurde.

Ein Porträt ist dort dargestellt, ein zartes, fast kindliches Gesicht sieht den Betrachter an. Die Augen spiegeln eine Vielzahl an Gefühlen und Zuständen zwischen introvertierter Konzentration bis fragender Unsicherheit. Hintergrund und Umgebung bleiben unklar und intensivieren das Hauptmotiv. Das Bild im Original anzusehen ist äußerst berührend.

Gemalt wurde es von Ruth Klatte 1962 mit Ölfarben auf Faserplatte. Inzwischen ist es restauriert und neu gerahmt. Die Wiecker Malerin freute sich sehr, als sie das kleine Porträt endlich wiedersehen konnte. Durch die Künstlerin sollte nun auch geklärt werden können, dass es sich um ein Selbstporträt handelt.

Das kleine Gemälde hat in der Kunstsammlung Vorpommern-Rügens nun die Inventarnummer 13-515 und wird hoffentlich niemals mehr vermisst werden und stattdessen viele Bewunderer finden.

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Von Gabi Raskop