Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ribnitz-Damgarten Ärger auf dem Marktplatz: Ribnitz-Damgartener Jugend gelobt Besserung
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Ärger auf dem Marktplatz: Ribnitz-Damgartener Jugend gelobt Besserung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:19 19.04.2019
Der Ribnitzer Marktplatz: ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche. Doch es gibt immer wieder Ärger. Quelle: Moritz Naumann
Ribnitz-Damgarten

Der Marktplatz verwüstet, in der Sparkasse randaliert, betrunkene Minderjährige: Regelmäßig gibt es Ärger mit Jugendlichen in Ribnitz. Nun haben sich jene zu Wort gemeldet, auf die seit Wochen der Finger gezeigt wird: die Jugendlichen. Im Begegnungszentrum hatten junge Menschen aus Ribnitz von sich aus zu einer Gesprächsrunde aufgerufen, um die Situation zu erörtern und mögliche Lösungswege zu suchen.

Müll auf dem Ribnitzer Markplatz. Quelle: privat

Dabei wurde klar: Die Jugendlichen gibt es nicht. Vielmehr bestehen die regelmäßigen Ansammlungen an jungen Menschen auf dem Ribnitzer Markt aus mehreren Gruppen mit sehr unterschiedlichen Wünschen und Sichtweisen. Und so heterogen die Menge an bis 100 jungen Menschen auf dem Markt ist, so verschieden sind auch die mehr oder weniger problematischen Aspekte, die dieses Phänomen begleiten.

Ein Platz in der Stadt

Wir sehen keine Lösung, wo wir hinsollen“, sagt Lea Michelle Straczewsky (17). Quelle: Robert Niemeyer

Im Grunde geht es vor allem um eines: die Suche nach einem Platz in der Stadt. „Der Marktplatz ist im Moment der Mittelpunkt. Aus der Klosterwiese werden wir verwiesen, auch vom Hafen werden wir weggejagt. Wir sehen keine Lösung, wo wir hinsollen“, sagt Lea Michelle Straczewsky. Die 17-Jährige hatte die Idee zu der Gesprächsrunde, an der etwa 40 junge Menschen teilnahmen. Grundsätzlich sei der Markt ein geeigneter Treffpunkt, beleuchtet, zentral gelegen.

Wenn nur nicht regelmäßig einige über die Stränge schlagen würden. „Die Randale in der Sparkasse geht gar nicht. Und für den Müll muss eine Lösung her“, sagt Josi Guhlke. Die 16-Jährige trifft sich ebenfalls oft mit Freunden auf dem Markt, wünscht sich aber wie viele andere, eine Alternative. „Wir brauchen einen Ort, wo wir hinkönnen, wo das Verständnis für uns da ist.“

Jugendliche unter Generalverdacht

Wir sind einfach genervt, weil alle Jugendlichen zu Verantwortung gezogen werden“, sagt Enie Brandt (18). Quelle: Robert Niemeyer

„Wir sind einfach genervt, weil alle Jugendlichen zu Verantwortung gezogen werden“, sagt Enie Brandt. Die 18-Jährige gehört dem Alternativen Jugendzentrum (AJZ) „Kita“ an. Sie und andere AJZ-Vertreter in der Runde distanzierten sich von den Vorfällen der Vergangenheit. Einige hätten zuletzt sogar selbst geholfen, den Müll anderer wegzuräumen. „Es nervt, dass sich einige einfach nicht benehmen können“, so Brandt. Ähnlich sehen das andere. „Es gibt immer welche, die zu viel trinken und durchdrehen“, sagt beispielsweise Luca Fink (16).

Zu viel Alkohol

Und Alkohol ist scheinbar leicht zu bekommen, auch für Minderjährige, die eigentlich noch keinen Alkohol trinken dürfen. So würden beispielsweise Volljährige Getränke laufen und weiterreichen. Aber auch Jüngere würden regelmäßig versuchen, unter anderem im Rewe-Markt in der Langen Straße, Alkohol zu kaufen. Werde ihnen das verwehrt, würden einige Alkohol dort sogar stehlen. „Rewe ist nicht gut gesichert“, beschreibt Lea Michelle Straczewsky.

Aufsicht oder nicht?

„Wir suchen einen Rückzugsort, wo wir nicht von Erwachsenen kritisch beobachtet werden“, sagt Josi Guhlke (16). Quelle: Robert Niemeyer

Ob Polizei, Ordnungsamt oder möglicherweise ein Streetworker: Manche der jungen Menschen wünschen sich gar jemanden, der auf dem Markt eingreift, wenn es schwierig wird. Im Falle betrunkener Minderjähriger sei auf jeden Fall die Polizei zu rufen, sagt Ribnitz-Damgartens Kontaktbeamter Wolfgang Müller.

Andererseits besteht auch der Wunsch, unter sich zu bleiben. „Wir suchen einen Rückzugsort, wo wir nicht von Erwachsenen kritisch beobachtet werden“, meint Josi Guhlke. Deshalb sei beispielsweise das Begegnungszentrum, das ohnehin nur bis 18 Uhr geöffnet ist, in Ribnitz nur bedingt eine Möglichkeit.

Alternative AJZ

„Für Interessierte gibt es immer einen Platz bei uns“, sagte Anne Vogt (30) vom AJZ „Kita“. Quelle: Robert Niemeyer

Eine Möglichkeit, die irgendwo dazwischen liegt, könnte das Alternative Jugendzentrum sein. Zumindest gab es während der Gesprächsrunde entsprechende Signale. „Für Interessierte gibt es immer einen Platz bei uns. Es gibt Vorurteile, aber die sollte man aufbrechen“, sagte Anne Vogt. Wesentlich sei dabei, dass das AJZ nicht vornehmlich ein Ort zum Abhängen sei. Es gebe Regeln, wer sich nicht daran halte, fliegt raus. Vor allem aber setzt das AJZ darauf, dass sich die Mitglieder in das Vereinsleben einbringen. „Wir schaffen Projekte, auf die Ihr Bock habt“, sagte Anne Vogt in Richtung der jungen Menschen.

Wohin sonst?

Gut möglich, dass sich jedoch nicht jeder Jugendliche mit dem AJZ anfreunden kann. Ob und welche Möglichkeiten es gibt, soll nun geprüft werden. Tino Leipold, Lehrer am Damgartener Gymnasium, und Christina Bonke, Leiterin der Bernsteinschule, nahmen die Anregungen der jungen Menschen an. In ihrer Funktion als Stadtvertreter wollen sie diese an die Stadtverwaltung weiterleiten. Der angeschobene Dialog soll auf jeden Fall fortgesetzt werden.

Mehr zum Thema: 

Kommentar zur Situation der Jugendlichen: Man muss es nur wollen

  Jugendliche verwüsten Sparkassen-Filiale.

Nach Verwüstung: Sparkasse zieht Konsequenzen.

Robert Niemeyer

Vor eine Ribnitzer Schule sollen unbekannte mehrfach „Heil Hitler“ gerufen haben. Eine Lehrerin informierte die Polizei. Die hofft jetzt auf Zeugenhinweise.

18.04.2019

Feuer-Meile, Zoo-Olympiade und Vineta-Spektakel – wir haben 24 Tipps für die Feiertage mit den besten Veranstaltungen zwischen Grevesmühlen und Usedom.

19.04.2019

Die Wohnungsbaugesellschaft Barth plant fünf von zehn Blöcken im Vogelsang abzureißen. Doch gekündigt werde niemandem.

18.04.2019