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Ribnitz-Damgarten Ribnitz und Damgarten: Zwei Herzen einer Stadt
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Ribnitz und Damgarten: Zwei Herzen einer Stadt
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12:12 23.11.2018
Ribnitz und Damgarten: Seit 1950 sind die beiden Orte vereint, die jedoch keine geographische Verbindung haben. Quelle: Moritz Naumann
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Ribnitz-Damgarten

Verkehrsanbindung, Freizeitangebote und touristische Kultur: Ribnitz und Damgarten sind nicht nur durch die Recknitz geteilt, sondern unterscheiden sich laut Bürgermeister Frank Ilchmann auch in ihren Funktionen. Dennoch fühlen sich einige Damgartener abgehängt. Das liegt zum einen an der historisch strukturellen Entwicklung und einem Generationenkonflikt, der jedoch bald keine Rolle mehr spielen könnte.

Damgarten wurde immer wieder vernachlässigt“, sagt Julius Rurik. Der 79-Jährige Rentner war bis zum Jahr 2000 als Busfahrer zwischen den beiden Orten unterwegs. Was Rurik besonders bewegt: „In Damgarten gehen alle Geschäfte kaputt und der Busverkehr ist zu unregelmäßig.“ Mit diesem Eindruck ist der Rentner nicht allein. Auch Jochim Busch aus Damgarten sieht dort eine schwelende Problematik: „Der Stadtverkehr ist zu löchrig. Zwar gibt es nicht sehr viele Bürger, die das Angebot nutzen, jedoch sollte man sowas auch nicht aus einer ökonomischen Perspektive sehen. Da geht es um gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Busch argumentiert, dass die Busgesellschaft vom Schülerverkehr profitiert und dass Einbußen im Regelverkehr akzeptierbar sein müssten.

Nahverkehr wird nicht rentabel genutzt

Ribnitz-Damgartens Bürgermeister Frank Ilchmann lebt seit 30 Jahren in der Bernsteinstadt. Er arbeitet in Ribnitz und lebt in Damgarten. Für ihn haben beide Orte eine klare Funktion. „Damgarten ist der Bildungs- und Wohnmittelpunkt. Ribnitz, als Tor zum Fischland, ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum.“ Der Nahverkehrsproblematik ist sich Ilchmann bewusst, jedoch bemängelt er die geringe Auslastung der Angebote: „Ich fahre auch mal mit dem Bus und bin immer wieder erstaunt, wie wenig das genutzt wird.“ Dass die Nahverkersbetriebe gutes Geld mit dem Schülerverkehr verdienen, bestreitet er: „Damit werden keine Gewinne gemacht. Das ist nur kostendeckend.“

Dennoch arbeite er an einer Lösung, um die Damgartener besser anzubinden. „Wir sind da dran. Überlegungen gibt es zur Einführung von Kleinbussen, einer Rufbereitschaft und einer Linie, die nicht nur in Ribnitz-Damgarten verkehrt, sondern die ganze Boddenregion mit einschließt.“ Jedoch betont Ilchmann, dass dies ja alles viel Geld koste. Darüber hinaus sei die Stadt im Moment dabei, in Damgarten neues Bauland zu schaffen. Denn der Ort sei laut Ilchmann voll. Sollte es gelingen, mehr Menschen nach Damgarten zu lotsen, können demnach auch Nahverkehrsangebote rentabler angeboten werden. „Das hängt alles zusammen“, sagt der studierte Chirurg.

Auch Andreas Gohs, Vorsitzender im Damgartener Stadtausschuss, sieht die Nahverkehrsproblematik kritisch. „Da befinden wir uns in einem Teufelskreis. Das Angebot wird wenig genutzt und das ist eine Herausforderung für die Betreiber.“ Er appelliert für eine saisonale bzw. veranstaltungsbezogene Lösung. „Es wäre wichtig, den Damgartenern bei größeren Festen und Veranstaltungen die Möglichkeit zu bieten, diese besser zu erreichen.“

Kultur für Damgarten

Doch das die meisten Feste hauptsächlich in Ribnitz stattfinden, findet Jochim Busch nicht gut. „Mit dem Vogelschießen und dem Badewannenrennen haben wir nur zwei Veranstaltungen in Damgarten.“ Der 83-Jährige wünsche sich, dass die Feste der Stadt auch auf das Damgartener Gebiet ausgeweitet werden. Denn auch touristisch ließe sich aus Damgarten mehr rausholen. „Schließlich werden wir als Erholungsort angepriesen“, sagt Busch. Es fehle an einem Hotel mit Café, das sowohl Touristen anlockt als auch einen Treffpunkt für Damgartener in ihrem eigenen Stadtteil herstellt.

Und es seien gerade die historischen Gegensätze um das mecklenburgische Ribnitz und das vorpommersche Damgarten, die laut dem ehemaligen Lehrer eine gute Grundlage bieten, um die „Stadttradition lebendig zu pflegen und als verbindendes Element zu nutzen.“ Als Beispiel nennt er etwa die touristisch- historische Erschließung der Passbrücke mit einem Pfad, der am alten Standort der Pütnitz-Werft starten und mit Gedenktafeln und historischen Informationen Touristen und Einheimische unterhaltend nach Ribnitz oder auch zurückleiten könnte. Dies wäre eine gute Möglichkeit, die etwa 1,5 Kilometer Moorland spielerisch zu verbinden.

Kein Konflikt neuer Generationen

Jochim Busch hat als Heimatsgeschichtsforscher über die letzten 60 Jahre die Entwicklungen in Ribnitz-Damgarten akribisch verfolgt. Auch wenn Busch sich als Damgartener ein paar Verbesserungen für den Lebensstandard der vor allem älteren Generation wünscht, sieht er doch einen generationsübergreifend positiven Trend: „Als ich 1958 herkam hat man noch sehr viele Bürger über die Unterschiede von Mecklenburgern und Vorpommern reden hören.“ Doch wenn Busch sich heute mit Menschen der jüngeren Generation unterhält, sieht er, dass da etwas zusammengewachsen ist. Die Zeiten, in denen sich die Männer der beiden Stadtteile auf der vereisten Recknitz getroffen und geprügelt haben, seien jedenfalls vorbei. „Die Gegensätze der Historie sind nicht mehr vorhanden. Wir sollten nach vorne schauen und das Beste aus unserer zusammengewachsenen Stadt herausholen“, sagt Busch.

Moritz Naumann

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