Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ribnitz-Damgarten Sammler präsentieren Postkarten für Entdecker
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Sammler präsentieren Postkarten für Entdecker
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:14 25.02.2018
Eine Rarität: Diese Postkarte dokumentiert die Eröffnungsfeier der Darßbahn  am 30. November 1910.
Eine Rarität: Diese Postkarte dokumentiert die Eröffnungsfeier der Darßbahn  am 30. November 1910. Quelle: Susanne Retzlaf
Anzeige
Ahrenshoop

Der Erfolgsgeschichte der Ahrenshooper Postkartenbörse ist am Wochenende ein weiteres Kapitel hinzugefügt worden. Einst mit vier Anbietern gestartet, waren es bei der 16. Ausgabe schon zwölf. Die und zahlreiche Neugierige waren der Einladung der Kurverwaltung gefolgt, hatten in Kisten, Kartons und Koffern tausende Postkarten aus der Region Fischland-Darß-Zingst mitgebracht, schätzte Sabine Konzarek vom Organisationsteam ein. „Das Interesse ebbt nicht ab“, freute sie sich über den Erfolg der Börse. „Hier werden so viele Geschichten vom Wiedersehen geschrieben.“Antje Hückstädt, Leiterin des Darß-Museums in Prerow, blätterte in einem der Alben von Manfred Konzarek. Sie suchte Postkarten für die nächste Ausstellung unter dem Titel „Windmühlen am Meer“ – und freute sich, schnell fündig geworden zu sein. Konzarek hat in Niehagen ja auch ein „kleines Postkartenprivatmuseum“. Sein ältestes Exemplar von 1896 zeigt das alte Ahrenshooper Kurhaus.

Alte Schätze

Alte Postkarten sind oft auf der Bildseite vom Absender beschriftet, denn bis 1905 durfte hinten nur die Adresse des Empfängers stehen, erklärte der Experte ein „Weltgesetz“ als Angelika Möhr an den Tisch trat. Seit zwei Jahrzehnten lebt sie in Zingst, am Sonnabend besuchte sie zum ersten Mal die Ahrenshooper Postkartenbörse in der Strandhalle und brachte ein altes Schätzchen mit. Der noch freie Blick auf Grenzweg und Grimmelei, einst von Fritz Wegscheider auf Platte gebannt, ist das Motiv ihrer Postkarte von etwa 1920. Geschrieben, frankiert und an ihre Mutter nach Bremen verschickt wurde die Karte jedoch 1976 und zwar von Weimar aus: „Da hatte sie schon zwei Weltkriege überstanden.“ Nun wollte Angelika Möhr die Karte sozusagen nach Hause bringen.

Interessante Geschichten

„So eine Geschichte macht das Stück schon interessant“, verwies Konzarek sie an den Nachbartisch. Dort saß Eva Helms, der das abgebildete Gebäude gehört. Auch sie sammelt seit Jahren Postkarten aus Ahrenshoop, Alt- und Niehagen. Ihre Eltern hatten sie schon früh angehalten, Kunstkarten zu sammeln und so zog es sie zum Nachbartisch, um einige Blicke in die Alben von Bürgermeister Hans Götze zu werfen. Der Maler hat eine umfangreiche Künstlerkarten-Sammlung von Kolonialzeit bis Gegenwart zusammengetragen, die er während der Börse um zwei Exemplare ergänzen konnte.„Gasthöfe gehen immer“, tauschten Experten am Tisch gegenüber Vermarktungserfahrungen aus. Das konnte Jennifer, mit sechs Jahren jüngste Börsen-Besucherin, nur bestätigen. Sie hat ihre Lieblings-Eisdiele in Dierhagen auf einer Postkarte erkannt.

Historische Ereignisse

Und auch Ludwig und Ingrid Buhrow waren fündig geworden. Motive mit alten Reisebussen hatten sie gesucht, der Ribnitz-Damgartener fährt selbst Oldtimerbusse. Auf welche Postkarten haben es Sammler abgesehen? Für Jörg Pagel aus Prerow sind es „alle, die anders sind, die Motive zeigen, die es nicht mehr gibt oder historische Ereignisse“. Seine Karte von der Eröffnung der Darßbahn in Prerow 1910 oder von der Sturmflut 1913 zerstörten Klörbrücke, fotografiert von Alfred Wiese, gehörten zu den Raritäten, die im dreistelligen Euro-Bereich gehandelt würden.

Susanne Retzlaff