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Ribnitz-Damgarten Schifferkirche in Ahrenshoop schockgefrostet
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Schifferkirche in Ahrenshoop schockgefrostet
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15:08 29.08.2019
Mit Hochdruck-Trockeneisnebel wird die Fassade der Schifferkirche in Ahrenshoop gereinigt. Quelle: Timo Richter
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Ahrenshoop

Es dröhnt an der Schifferkirche in Ahrenshoop, Männer in Schutzanzügen und Atemschutzmasken machen dem Heiligen Geist Konkurrenz. Die Holzfassade des urgemütlichen Gotteshauses zu Füßen des Schifferbergs wird saniert. Das erfolgt – erstmals angewandt auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst – mit Hochdruck-Trockeneisnebel. Die Kirche wird schockgefrostet.

Die Fassade der Schifferkirche wird auf diese Art und Weise materialschonend gereinigt. Denn beplankt ist die Außenhaut der Kirche mit Kiefernholz, einem Weichholz. Das hat Pfarrer Reinhard Witte in der Vergangenheit wenig Freude bereitet. So dunkelte das Holz an bestimmten Stellen viel schneller als gedacht. Hauptproblem aber war der geplante Schutzanstrich.

Ökologisch wertvoll

Der erfolgte natürlich mit einem ökologisch wertvollen Anstrich. Doch führte das zu unerwarteten Reaktionen. Der Anstrich reagierte laut Reinhard Witte mit Farbpartikeln, die sich schon im Holz befanden. Am Ende erschien der Bereich des Probeanstrichs, immerhin gut ein Drittel der sichtbaren Seitenfassade, in einem Blauton. Der Pfarrer sah den Farbton vergleichbar mit dem einer bekannten Schokoladenmarke.

Heinz Freese und Ajrus Ljatifi sorgen nun dafür, dass die Kirche wieder so erscheint, wie es sich Architekt Hardt-Waltherr Hämer gedacht hatte: nämlich in patinierter Holzoptik. Dunkel gewordene Bereiche und natürlich die verfärbte Fassade sind mittlerweile passé. Mit dem Trockeneisnebel werden die einzelnen Abschnitte schockgefrostet, Schmutz und Farbpartikel werden in diesem Arbeitsgang durch den hohen Druck einfach herausgesprengt.

Mit Hochdruck-Trockeneisnebel wird das Holz porentief gereinigt. Quelle: Timo Richter

Pfarrer Reinhard Witte verweist auf die materialschonende Behandlung. Schleifen oder Sandstrahlen hätten der Weichholzfassade der Schifferkirche zu sehr zugesetzt. In der Tat erscheint das Gotteshäuschen nach der Behandlung ganz anders, frisches Holz in feiner Maserung ist zu sehen. Farb- und Schmutzpartikel sind nicht zu erkennen, lediglich mikroskopisch kleine Vertiefungen.

Die Frage ist nun, wie die Fassade geschützt werden soll. Laut Reinhard Witte gibt es derzeit zwei Ideen: ein farbloser Holzschutz oder ein Holzschutz mit Farbpartikeln, der die einst gewünschte Patina darstellt.

Keine Beschädigung

Und noch einen Vorteil sieht Reinhard Witte bei dieser Art der Fassadenreinigung. Im Vergleich mit herkömmlicher Sandbestrahlung werde das Holz nicht angegriffen, zugleich gebe es kaum Rückstände, anderes als Sand und Wasser bei alternativen Behandlungsverfahren.

Mit einem Druck von neun Bar wird die Luft – darin sind die Eis-Pellets gelöst – auf das Holz gestrahlt. Das zischt ordentlich und knallt ebenso, wenn die Partikel aufs Holz treffen und dort Schmutz und Farbe wegsprengen. Die Arbeiter tragen einen Ganzkörper-Schutzanzug sowie Atem- und Augenschutzmasken.

Erstes Projekt

Die Sanierung der Fassade ist nur ein Teil der aktuellen Arbeiten. Die Außenhaut wird versiegelt werden, das Fundament der Kirche erhält einen Schwarzanstrich, eine sogenannte Schattenfuge. Außerdem werden der Dachfirst neu gemacht und die mittlerweile spröde gewordenen Dichtungen des Lichtbandes ersetzt. Insgesamt kostet das Unterfangen rund 38 000 Euro, ein Teil kommt vom Förderverein.

Orgelausbau in Ahrenshooper Schifferkirche Quelle: Timo Richter

Die Kirche wurde 1950 begonnen zu bauen, ein Jahr darauf wurde das Gotteshaus geweiht. Architekt der Holzkonstruktion war Hardt-Waltherr Hämer, es war dessen erstes Bauprojekt. Im Jahr 2005 erfolgte nicht nur eine Komplettsanierung der Schifferkirche, mit dem Ansetzen eines weiteren Jochs wurde die Kirche verlängert. Dadurch wurde Platz geschaffen für eine neue Orgel sowie eine Sakristei.

Mehr lesen: Orgelbaumeister findet beim Abbau einen tiefen Ton

Im Jahr 2013 wurde die alte Schuke-Orgel ausgebaut. Das Instrument wurde seinerzeit in die Uckermark transportiert. Noch im selben Jahr wurde eine Orgel des Erbauers Kristian Wegscheider in die Schifferkirche eingebaut. Der Orgelbauer stammt aus Ahrenshoop. Das neue Instrument wurde bereits am 6. Januar 2013 geweiht.

Über den Autor

Von Timo Richter

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