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Ribnitz-Damgarten Schutzgebiet verändert Menschen und Region auf der Halbinsel
Vorpommern Ribnitz-Damgarten

Schutzgebiet verändert Menschen und Region auf der Halbinsel

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15:41 07.01.2020
Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft erfreut sich weit über die Landesgrenzen hinaus großer Beliebtheit. In diesem Jahr wird er 30 Jahre alt. Quelle: Katrin Bärwald
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Mensch und Natur – das ist häufig eine problematische Beziehung, gerade in Schutzgebieten. 30 Jahre lang hat es gedauert, bis etwa der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft „in vielen Köpfen und Herzen“ der Menschen auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst angekommen ist. Mit dieser Einschätzung steht der Leiter des Nationalparkamtes Vorpommern, Gernot Haffner, nicht alleine da. Touristiker haben sich das Schutzgebiet längst als überaus erfolgreiches Marketinginstrument zunutzegemacht. Auch Studien schreiben dem Nationalpark eine überragende Bedeutung zu, dass Gäste überhaupt in dieser Region Urlaub machen und hier viel Geld ausgeben.

Es war der letzte Tagesordnungspunkt der Sitzung des letzten Ministerrates der damaligen DDR am 12. September 1990: Per Gesetz wurden 14 großflächige Landschaften zwischen Ostsee und Elbsandsteingebirge, darunter fünf Nationalparke, festgeschrieben und geschützt. Einer Mitteilung der Nationalparkverwaltung zufolge wurde dieses „Tafelsilber der Einheit“ in den Einigungsvertrag übernommen. Die Nationalparke sind demnach weit über die Landesgrenzen hinaus zu einem Markenzeichen geworden.

Anfängliche Kritik an Einschränkungen

Das ging nicht ohne Probleme über die Bühne. Kritik entzündete sich anfangs vor allem an Einschränkungen durch den hohen Schutzstatus der Naturflächen. Zwar wurde der Nationalpark schnell als Marketinginstrument genutzt, doch Einschränkungen, etwa durch Betretungsverbote abseits von vorgegebenen Wegen oder Nutzung angrenzender Flächen – daran hatten Bewohner der Halbinsel und Touristiker gerade in der Anfangszeit schwer zu schlucken.

Doch am Ende stehen nicht allein die Marketingstrategen der ersten Stunde nach der Vereinigung auf der Gewinnerseite, ein nahezu kontinuierlicher Anstieg von Gäste- und Übernachtungszahlen spricht für sich.

Naturferne Waldbereiche strukturiert

Profitiert hat auch die Natur. So wurden bauliche Altlasten entfernt. So wurden aus Darßwald zuletzt tausende Betonteile geholt. Die einstigen Plattenwege wichen Schotterpisten (die OZ berichtete). Für Moore, wie auf dem Ostzingst, wurde die Renaturierung begonnen, durch die zu DDR-Zeiten erfolgte Bewirtschaftung begründete naturferne Waldbereiche wurden strukturiert und inzwischen der natürlichen Entwicklung überlassen.

Von Beginn an, so Nationalpark-Chef Gernot Haffner, „wurde für die Besucher eine Infrastruktur unterhalten, die mit Ausstellungen, Wegen, Beobachtungseinrichtungen und Informationstafeln das Erleben dieser einmaligen Landschaften ermöglicht“.

Wandel der Beziehung Mensch – Nationalpark

Der Wandel der Beziehung von Mensch und Nationalpark in den 30 Jahren des Bestehens des Nationalparks steht für Gernot Haffner während des Jubiläumsjahres im Vordergrund. Urlauber und Menschen, die in der Region leben, hätten ihre Sicht auf den Nationalpark gewandelt. „Das Verständnis dafür, dass zum Schutz der Natur Regeln notwendig sind, überwiegt“, ist der Nationalpark-Chef überzeugt. Während eines deutsch-polnischen EU-Projekts wurde untersucht, wie Einwohner den Nationalpark sehen. Dafür hatte die Universität Greifswald eine telefonische Befragung initiiert. Die Ergebnisse werden während des offiziellen Saisonauftakts am 19. März in Prerow vorgestellt.

Gewandelt hat sich in den vergangenen 30 Jahren auch vieles für Menschen, die für den Schutz des Gebietes sorgen. Aufseiten der Nationalparkverwaltung wird seit Jahren die immer dünner werdende Personaldecke beklagt. Dafür gebe es „viele neue Partnerschaften und Unterstützer“, wie Gernot Haffner betont. Die Ranger prägten als beständige Größe das Bild des Nationalparks, „als qualifizierte Ansprechpartner und Hüter der Natur“.

Mehr lesen: Naturschützer wünschen Abkehr vom Massentourismus

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