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Ribnitz-Damgarten Seltener als die blaue Mauritius: Das Damgarten-Provisorium
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Seltener als die blaue Mauritius: Das Damgarten-Provisorium
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05:00 10.07.2019
Eine Abbildung des Damgarten-Briefs mit der 5-Groschen-Brustschild-Marke im Vorankündigungskatalog des Auktionshauses Heinrich Köhler. Quelle: Robert Niemeyer
Ribnitz-Damgarten

Es mag ein Irrtum von Amtswegen gewesen sein. Denn eigentlich waren damals, im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, bereits Briefmarken mit den auch heute noch bekannten gezähnten Rändern vorgesehen, um Briefe zu frankieren. Doch ein Postmeister im damals preußischen Damgarten hatte offenbar eine Schwäche für die damals eigentlich bereits ausrangierten ungezähnten Marken und versah einen Brief mit eben einer solchen. Dieser Wertbrief über 300 Mark machte sich auf den Weg nach Berlin. Dass der Brief bzw. die abgestempelte Briefmarke darauf heute mehr als 100000 Euro wert ist, hatte der Damgartener Postmeister wahrscheinlich nicht geahnt.

Briefmarkensammler Carsten Clauser aus Ribnitz entdeckte den Damgarten-Brief in einem Vorankündigungskatalog des Auktionshauses Heinrich Köhler. Quelle: Robert Niemeyer

„Das ist eine philatelistische Sensation“, sagt Carsten Clauser. Der Ribnitz-Damgartener ist Briefmarkensammler und hat das seltene Stück im Vorankündigungskatalog des Auktionshauses Heinrich Köhler aus Wiesbaden entdeckt. Bei dem sogenannten Damgarten-Brief – auch Damgarten-Provisorium genannt – handelt es sich um eine sogenannte ungezähnte Brustschildmarke. Diese Marken wurden wenige Monate des Jahres 1872 und im Jahr 1875 verwendet.

5-Groschen-Brustschild

Faksimile der „Blauen Mauritius“ des Reichspostmuseums in Berlin. Quelle: Patrick Sinkel

Auf dem besagten Damgarten-Brief klebt eine 5-Groschen-Marke, ockerbraun. Laut Experten sind nur drei Briefe mit diesen ungezähnten Brustschildmarken bekannt. Und nur ein Brief enthält eine 5-Groschen-Marke, das Damgarten-Provisorium. „Das ist das Seltenste, was die Philatelie nach 1872 hervorgebracht hat, seltener als die Blaue Mauritius“, sagt Carsten Clauser. Die berühmte Blaue Mauritius, eine Briefmarke aus der ehemaligen britischen Kolonie Mauritius, ist auch außerhalb der Fachwelt der Inbegriff für seltene Briefmarken. Von ihr gibt es weltweit jedoch noch zwölf Exemplare.

Von der Damgartener Briefmarke nur eins. „Ein Einzelstück, weltweit“, schwärmt Carsten Clauser. Ein Highlight der Brustschild- und Deutschland-Philatelie.

Und dieses Highlight kommt unter den Hammer. Wann, ist noch nicht definitiv klar. „Voraussichtlich wird der Brief anlässlich der Briefmarkenweltausstellung Ibra 2021 in Essen versteigert“, teilte Michael Hilbertz, Chefphilatelist beim Auktionshaus Heinrich Köhler mit.

Der 2018 verstorbene Tengelmann-Gründer Erivan Haub. Quelle: Sven Simon

Das Auktionshaus ist spezialisiert auf Versteigerungen der Nachlässe von Großunternehmern. Und aus einem dieser Nachlässe stammt der Damgarten-Brief. Und zwar war kein geringerer als Erivan Haub der letzte Besitzer des Damgarten Provisoriums. 1932 in Wiesbaden geboren und im März 2018 in den USA verstorben war Haub Mitgründer der Unternehmensgruppe Tengelmann und zeitlebens einer der reichsten Deutschen. Von 1969 bis 2000 leitete er die Tengelmann-Gruppe. 2014 wurde sein Vermögen in der Forbes-Liste mit etwa 5,2 Milliarden US-Dollar angegeben.

Mehr als 8000 Briefmarken des Unternehmers werden in den nächsten Jahren in 30 Auktionen an verschiedenen Orten weltweit versteigert. Bei der ersten Auktion Anfang Juni wechselte beispielsweise die „Baden-Fehldruck 9 Kreuzer“ für 1,26 Millionen Euro den Besitzer. Die damit teuerste deutsche Briefmarke ist deswegen eine Seltenheit und gar eine Berühmtheit, weil sie versehentlich auf grünem statt auf rosafarbenen Papier gedruckt wurde.

Ein teures Hobby

2010 hatte Haub selbst den Damgarten-Brief ersteigert, und zwar für mehr als 120000 Euro. Zuvor befand sich die Briefmarke im Besitz mehrerer bekannter Sammler wie Fritz Kirchner, Rolf Rohlfs oder Karl Ströher, Sohn des Gründers des Wella-Konzerns Franz Ströher.

„Leider ist das nicht meine Preisklasse“, sagt Tischlermeister Carsten Clauser. Aber es zeige, wie viel Geld Menschen bereit sind, in dieses besondere Hobby zu stecken. Clauser selbst hat das Interesse für Briefmarken von seinem Vater geerbt und das Hobby fortgeführt. Der 51-Jährige hat sich auf Briefmarken aus Mecklenburg spezialisiert. Es ist unter Briefmarkensammlern üblich, sich auf bestimmte Gebiete zu beschränken und die Raritäten aus dieser Region aufzuspüren. Erivan Haub beispielsweise sammelte Marken aus Altdeutschland, den USA, den Alpenländern sowie sogenannte Zeppelin-Marken, also Briefmarken mit Zeppelin-Motiven.

„Es ist ein sehr teures Hobby“, sagt Clauser, der seine Sammlerstücke in der ganzen Welt ankauft. „Zum einen sind die Briefmarken eine Wertanlage. Aber das ist auch Kultur- und Heimatgeschichte. So lernt man seine Heimat kennen“, sagt der Ribnitzer.

Freund der Abgabenfreiheit

Die Philatelie oder Briefmarkenkunde beschäftigt sich mit dem systematischen Sammeln von Postwertzeichen sowie von Belegen für ihre Verwendung auf Postsendungen jeglicher Art und der Erforschung postgeschichtlicher Dokumente. Der Begriff Philatelie wurde von Georges Herpin in der fünften Ausgabe der Pariser Briefmarkensammlerzeitschrift Le Collectionneur de timbres-postes vom 15. November 1864 als Zusammensetzung aus den griechischen Wörtern philos für „Freund“ und atelēs für „lasten- bzw. steuerfrei“ oder des Substantivs atéleia für „Abgabenfreiheit“ geprägt. Diese Abgabenfreiheit bezieht sich auf die Frankierung bzw. Freimachung des Briefes durch den entsprechenden Poststempel.

Zu den größten Briefmarkensammlungen zählt unter anderem die Sammlung des Reichspostmuseums in Berlin. Das Museum für Kommunikation in Bern ist in Besitz einer der größten öffentlich zugänglichen Briefmarkensammlungen der Welt. Auch in den Gebäuden der Vereinten Nationen in Genf ist eine umfangreiche Briefmarkensammlung ausgestellt. Die Sammlung des britischen Königshauses gilt als die größte Briefmarkensammlung weltweit. Die Sammlung besteht aus mehr als 400 Briefmarkenalben, die die größten Raritäten der Philatelie in sich vereinigen. Zu der berühmtesten Sammlung einer Privatperson zählt sicherlich die Sammlung des Grafen Philipp la Renotière von Ferrary.

Robert Niemeyer

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