Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ribnitz-Damgarten 500 Jahre alte Bücher gehen auf die Reise
Vorpommern Ribnitz-Damgarten 500 Jahre alte Bücher gehen auf die Reise
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:52 30.01.2019
Varvara Disdorn-Liesen (v.r.), Bärbel Papst und Erich Kaufhold schauen sich die sieben Bibeln an, die am Freitag abgeholt und in Leipzig restauriert werden. Quelle: Anika Wenning
Barth

Sieben Bibeln aus der Kirchenbibliothek St. Marien in Barth treten am Freitag eine mehr als 400 Kilometer lange Reise an. Im „Zentrum für Bucherhaltung“ in Leipzig werden die Bücher aus dem 16. Jahrhundert in den kommenden Monaten restauriert. Ein Schritt, der dringend notwendig war, aber ohne Fördermittel und Spenden nicht umgesetzt werden konnte. „Wir haben ein Jahr lang gebraucht, um das Projekt umzusetzen. Man braucht eine lange Vorlaufzeit. Allein die Anträge für Fördermittel zu stellen, ist ein riesiger Aufwand“, berichtet Varvara Disdorn-Liesen, Vorsitzende des Fördervereins Kirchenbibliothek St. Marien. Hinzu komme, dass es in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden sei, Restauratoren zu finden. „Die öffentliche Hand hat zur Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes ein Sonderprogramm auferlegt“, berichtet Varvara Disdorn-Liesen. Dementsprechend seien Restauratoren gefragt und einige seien bis auf Jahre ausgebucht.

Doch viel Zeit blieb nicht. Denn vor allem zwei der sieben fast 500 Jahre alten Bibeln seien in einem sehr schlechten Zustand. So seien die Seiten teilweise herausgerissen, von einigen Seiten fehlen Teile und auch die Einbände seien stark beschädigt. „Man kann nicht mehr in den Büchern blättern, weil sie sonst auseinanderfallen“, erklärt die Vorsitzende des Fördervereins. „Es geht nun darum, den Verfall zu stoppen und das Material zu konservieren. Unser Ziel ist es, dass wir die Bücher wieder ausstellen können und dass ausgewählte Personen auch damit arbeiten können. Momentan ist das leider nicht möglich.“

Spenden und Fördermittel für Restaurierung

Die Kosten für die Restaurierung der sieben Bibeln würden bei rund 15 000 Euro liegen. Vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur gab es 7500 Euro Fördermittel. Die übrige Summe kam durch Spenden der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, der Katharina und Gerhard Hoffmann Stiftung, des Pommerschen Evangelischer Kirchenkreises, des Landesförderinstituts MV, der Sparkasse Vorpommern, der Stadtwerke sowie der Stadt Barth zusammen. Zudem unterstützen zahlreiche Privatleute das Projekt. „Eine ältere Dame hat sich beispielsweise zum Geburtstag statt Geschenke Geld gewünscht und dies gespendet“, freut sich Varvara Disdorn-Liesen. „Darüber freuen wir uns natürlich sehr.“

Die Restaurierung der Bibeln lag dem Förderverein auch deshalb besonders am Herzen, weil die Bücher eng mit der Geschichte Barths verbunden seien. So beherbergt die Kirchenbibliothek eine bedeutende Sammlung von Bibeldrucken aus insgesamt fünf Jahrhunderten. Die Halberstädter Bibel von 1522, die mit den sechs anderen nun in Leipzig restauriert wird, gilt als ganz besonders. Sie erschien nur wenige Wochen von dem Erscheinen von Luthers Septembertestament. „Damals war sie deshalb ein totaler Flop“, erklärt Varvara Disdorn-Liesen. „Keiner wollte sie mehr kaufen, als zwei Monate später Luthers Bibelübersetzung erschien. Der Verlag ist daraufhin auch pleite gegangen.“ Erst 62 Jahre nach ihrem Erscheinen tauchte die Bibel in Barth wieder auf. Ein Eigentumsvermerk weist auf den neuen Besitzer hin. Über Umwege gelangte sie später in den Besitz des Stralsunder Bürgermeisters Christian Ehrenfried Charisius (1722-1773) und später in den Besitz der Barther Kirchenbibliothek. Neben herausgerissenen Seiten muss hier vor allem dringend der Einband erneuert werden. „Der Einband besteht aus säurehaltigem Papier, das auch die übrigen Seiten auf Dauer weiter schädigen würde. Es handelt sich hier nicht mehr um den Originaleinband“, sagt die Vorsitzende des Fördervereins. Den Wert der sieben Bibeln könne man nicht genau beziffern. „Der Versicherungswert liegt pro Exemplar bei rund 25 000 Euro“, meint Varvara Disdorn-Liesen.

Barthel Bücherschatz

Rund 4000 Bücher gehören zum Bestand der Kirchenbibliothek St. Marien in Barth. Die Sammlung umfasst theologische und philosophische Werke, Bibeln, Chroniken und juristische Handschriften. Erstmals erwähnt wurde die Bibliothek 1398.

2013 wurde die Bibliothek nach umfangreichen Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten wieder eröffnet. Der komplette Bücherbestand wurde zuvor gereinigt, eine Entfeuchtungsanlage sorgt seitdem für das richtige Raumklima.

Im vergangenen Jahr besichtigten 220 Besucher die Kirchenbibliothek. Derzeit ist sie allerdings aufgrund der Sanierungsarbeiten in der Kirche für Besucher geschlossen, im Sommer sollen aber wieder Besichtigungstermine für kleine Gruppen bis zu acht Personen angeboten werden.

Anika Wenning

Verein zur Förderung der Arbeit und Qualifizierung setzt auf nachhaltige Projekte

30.01.2019

Von Senioren für Senioren: Alle zwei Monate sind in diesem Jahr erstmals Veranstaltungen im Kulturhaus HdW geplant. Vom Faschingsfest bis zum Adventsnachmittag.

29.01.2019

Unbekannte Täter ergaunern TAN-Nummern eines 36-Jährigen aus dem Raum Barth

29.01.2019