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Ribnitz-Damgarten Trotz Toplage: So wird auf dem Darß kommunales Land verramscht
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Trotz Toplage: So wird auf dem Darß kommunales Land verramscht
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19:29 07.05.2019
Lukratives Land: Das BMK-Gelände in Born am Darß. Die 10 000 Quadratmeter große Fläche heißt so, weil darauf zu DDR-Zeiten das Schulungs- und Erholungsheim des VEB Bau- und Montagekombinat (BMK) in Frankfurt/Oder untergebracht war. Sie soll nun verkauft und neu bebaut werden. Quelle: Stefan Sauer
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Born

„Neues aus Born“ könnte man in Anlehnung an die norddeutsche Fernsehserie „Neues aus Büttenwarder“ vorwegschicken, wenn eine Geschichte folgt, in der Borns Bürgermeister Gerd Scharmberg (FDP) erneut ein Immobiliengeschäft abwickeln lassen will, das auch dem Landratsamt Vorpommern-Rügen mal wieder nicht ganz koscher vorkommt. Nur, dass die Winkelzüge, die Scharmberg dabei macht, das echte Leben sind und zurzeit von Amtswegen untersucht werden. Anders als in der Fernsehserie dürfte Landrat Stefan Kerth (SPD) beziehungsweise die ihm unterstellte Rechtsaufsichtsbehörde dem Bürgermeister dabei vieles andere als eine ländlich-charmante Schlitzohrigkeit unterstellen. Mit dem Fernsehen gemein hat das Ganze indes die Darbietungsform als Serie.

Schon der steuerfinanzierte Kauf des Borner Restaurant- und Ferienwohnungsensembles „Peterssons Hof“ durch die Gemeinde im Jahr 2015 hatte für Scharmberg ein Disziplinarverfahren zur Folge, das bis heute nicht abgeschlossen ist. Zudem laufe ein weiteres Disziplinarverfahren „wegen einer anderen Sache“ gegen ihn, wie es aus gut informierten Kreisen heißt.

Gemeinde verkauft Land mit Boddenblick weit unter Marktwert

Aber worum geht es nun? Am 19. März haben die Gemeindevertreter in Born über den Verkauf eines lukrativen 10 000 Quadratmeter großen Grundstückes unmittelbar an den geschützten Wiesen am Bodstedter Bodden abgestimmt. Wer hier richtig investiert und einen langen Atem hat, kann ordentlich Geld verdienen. Einheimische bezeichnen das Areal stets kurz als BMK-Gelände, weil darauf zu DDR-Zeiten das Schulungs- und Erholungsheim des VEB Bau- und Montagekombinat (BMK) in Frankfurt/Oder untergebracht war. Mehrere inzwischen ruinöse Finnhüten und eine alte Baracke künden von dieser Zeit. Seither ist dort nicht viel passiert. Das angrenzende Grünland bis zum Wasser ist ein als Biotop geschütztes Sumpfgebiet. Es galt lange Zeit als unbebaubar. Galt, wohlgemerkt.

Während des nicht öffentlichen Teils der entscheidenden Sitzung im März stimmt die Gemeindevertretung mit der Mehrheit der Scharmberg zugewandten Fraktion der Wählergemeinschaft Bürger für Born dafür, das BMK-Gelände an den Borner Immobilienmakler Robert Wellner zu verkaufen – zum Preis von knapp 2,1 Millionen Euro, obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits ein höheres Angebot vorliegt. Auf Anfrage bestätigt der Borner Investor Jonas Holtz, dass er zunächst 250 Euro pro Quadratmeter, also insgesamt 2,5 Millionen Euro geboten und die Summe im Anschluss auf 2,7 Millionen Euro nach oben korrigiert habe. Seinem Konzept zufolge solle der größere Teil der Fläche mit Dauer- statt Ferienwohnungen bebaut werden. „Zum Beispiel für Menschen, die im Tourismus- und Gastronomiebereich arbeiten“, sagt Holtz. Wellners Konzept soll ähnlich aussehen. Er bittet auf Nachfrage aber um Verständnis, noch keine Details nennen zu können.

Kein billiges Pflaster: Erst Ende April hat der Gutachterausschuss des Landkreises den Bodenrichtwert für den Ort von 180 auf 250 Euro pro Quadratmeter erhöht. Quelle: Stefan Sauer

Über dem Bodenrichtwert, also dem Mindesten, was die Fläche bei einem Verkauf einbringen muss, liegen beide Angebote – zumindest zum damaligen Zeitpunkt. Dieser betrug für das Gelände im März, als der Entschluss in der Gemeindevertretung fällt, noch 180 Euro pro Quadratmeter, was für das gesamte Stück einen Mindest-Verkaufspreis von 1,8 Millionen Euro ergeben würde.

Dennoch leitet die Kommunalaufsicht des Landkreises nach dem Beschluss, das Gelände an den Immobilienmann Wellner zu verkaufen sofort ein sogenanntes Beanstandungsverfahren ein. Grund: Hätte die Gemeindevertretung einem Verkauf an Holtz zugestimmt, wäre der Gewinn für die Kommune über eine halbe Million Euro höher ausgefallen. Zudem soll die Rechtsaufsicht OZ-Informationen zufolge moniert haben, dass die Grundlage, auf der die Gemeindevertretung den Verkaufsbeschluss gefasst habe, äußerst dürftig gewesen ist. So hätten dem Gremium weder der Entwurf des Kaufvertrages noch ein aktuelles Wertgutachten für das Land vorgelegen.

Dass das Gelände angesichts seiner Lage und des Entwicklungspotenzials mehr Wert ist als 180 Euro für jeden Quadratmeter hat zwischenzeitlich auch der Gutachterausschuss des Landkreises erkannt, der alle zwei Jahre die Bodenrichtwerte der Gemeinden überprüft. Für die BMK-Fläche in Born hoben die Gutachter den Wert Ende April auf einen Schlag um 70 Euro auf einen Quadratmeterpreis von 250 Euro an. Demnach würde das Land nun auch aus dieser Sicht viel zu billig an den neuen Eigentümer verkauft werden. Die sich bereits länger andeutende Entscheidung des Gutachterausschusses erklärt vielleicht die Eile, mit der Scharmberg nach dem Verkaufsbeschluss vorging. Nur wenige Tage später legt er einen vom Notar ausgefertigten Kaufvertrag vor, obwohl der Beschluss der Gemeindevertretung zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht rechtskräftig gewesen sein soll.

Dem Vernehmen nach soll Scharmberg im Zuge des Beanstandungsverfahrens bisher keine wirklich rein objektiven Gründe dafür genannt haben, warum sein Dorf für das BMK-Gelände deutlich weniger Geld als möglich haben will. Scharmberg betont, dass dazu keine Pflicht bestanden habe. „Die Mehrheit betrachtet die Entwicklung der Bodenpreise mit Sorge und hat besonders aus diesem Grund einen Veräußerungsweg genutzt, der nicht zur Vergabe an den Höchstbietenden zwingt. Diese Entscheidung ist gelebte kommunale Selbstverwaltung und sollte respektiert werden.“

Plötzlich liegt ein Kaufvertrag vor

Weitere konkrete Nachfragen zu dem laufenden Untersuchungsverfahren der Kommunalaufsicht oder den Gründen für den so rasch beim Notar besorgten Kaufvertrag möchte Scharmberg aber nicht beantworten. „Wir befinden uns in einem laufenden Verfahren, das ich nicht öffentlich kommentieren werde.“

Wer den Gründen nachgehen will, warum die Gemeinde sich diesen Mehrwert entgehen lässt und einen Verkauf an Jonas Holtz ablehnt, erfährt nicht viel. Der Landkreis will sich auf Anfrage nicht zu dem Vorgang äußern, da es sich um Dinge handle, die im nicht öffentlichen Teil der Gemeindevertretung vorgefallen seien.

Auf der BMK-Fläche am Bodstedter Bodden sollen Dauer- und Ferienwohnungen entstehen. Der Favorit für die Fläche und Immobilienmakler Robert Wellner will sich zu konkreten Plänen bisher aber nicht äußern. Quelle: Stefan Sauer

Die politische Stimmung in Born ist seit Jahren so tief gespalten wie in wohl keinem anderen Dorf Vorpommerns – ins Lager der Scharmberg-Fans und das seiner Gegner. An dieser Stelle hat sich die Familie Holtz klar positioniert. Klaus-Dieter Holtz tritt bei der Kommunalwahl am 26. Mai gegen Scharmberg als Bürgermeister-Kandidat an. Hat sein Sohn deshalb keinen Zuschlag für das Gelände erhalten, obwohl er den mit Abstand höchsten Preis geboten hat? Nachweisbar ist dieser Vorwurf nicht, aber der Eindruck, der sich im Dorf breit macht.

Hinzu kommt, dass das Bauland, das die Gemeinde in dem Bebauungsplan für das BMK-Gelände ausweist, sich zusätzlich über einen Streifen des angrenzenden Feuchtbiotops direkt am Bodden erstrecken soll. Und zwar genau über einen Teil der Fläche, die der ebenfalls auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst ansässige Immobilienmakler Frank Vorpahl vor Jahren für 150 000 Euro gekauft haben soll, damals offiziell ohne Aussicht, dort jemals irgendwas bauen zu dürfen. Das Baurecht, das nun dort geschaffen werden soll, dürfte den Wert dieser Fläche im Biotop in Verbindung mit dem gestiegenen Bodenrichtwert um mehr als 16-fache in die Höhe schnellen lassen.

Scharmberg reagiert gereizt, wenn man ihm ein enges Verhältnis zu Immobilienhändlern wie Wellner und Vorpahl unterstellt. „In meinem Freundeskreis – weder im weitläufigen, noch im engeren – gibt es eine Person, die den Namen Robert Wellner trägt. Herr Wellner ist Bürger in einem Dorf, in dem ich wohne. Ich weiß, wer seine Eltern und Großeltern sind, mehr nicht.“ Auch Vorpahl sei nicht sein Vertrauter. Der Kaufbeschluss der Gemeindevertretung für das BMK-Gelände muss indes wiederholt werden. Ausgang offen.

Benjamin Fischer

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