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Ribnitz-Damgarten Ribnitz: Die Wächterin der St. Marien-Kirche
Vorpommern Ribnitz-Damgarten

St. Marien-Kirche Ribnitz: Darum besteigt Rosalie Abeler den Kirchturm

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12:06 28.11.2021
Rosalie Abeler ist die Küsterin der St. Marien-Kirche in Ribnitz.
Rosalie Abeler ist die Küsterin der St. Marien-Kirche in Ribnitz. Quelle: Robert Niemeyer
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Ribnitz-Damgarten

Das Knie schmerzt. Immer mehr in letzter Zeit. Ihren Job macht Rosalie Abeler dennoch jeden Tag aufs Neue gern. „Es ist jeden Tag anders. Es ist erfüllend“, sagt die 62-Jährige. Die schönsten Momente erlebt sie ganz oben, wenn im Sommer die Sonne aufgeht, die Luft noch nicht verschwommen flimmert. „Dann kann man bis Wustrow gucken und sieht manchmal sogar die Ostsee.“

Der Ausblick über die Region Ribnitz-Damgarten: Unbezahlbar und der Lohn dafür, dass Rosalie Abeler mindestens einmal pro Woche die engen Holztreppen, die noch engere Steinwendeltreppe und die letzten Meter mithilfe einer Leiter bewältig, um hinauf auf den Kirchturm der St. Marien-Kirche in Ribnitz zu gelangen. Rosalie Abeler: die Küsterin der St. Marien Kirche, die Wächterin des Ribnitz-Damgartener Wahrzeichens.

Lesen Sie auch: Risse im Ribnitzer Wahrzeichen: Kirchturm muss saniert werden

Tatsächlich ist im nächsten Jahr Schluss. Dann geht Rosalie Abeler in Rente. Sechs Jahre lang wird sich die Rüganerin dann um das höchste Gebäude der Bernsteinstadt gekümmert haben. Und sie ist wohl die Einzige, die regelmäßig fast in Höhe der vollen 45 Meter klettert. So hoch ist der Kirchturm nämlich.

Die Aussichtsplattform ist allerdings nur 40 Meter hoch. Doch von dort aus klettert Abeler manchmal in die Dachkonstruktion der Plattform. „Eigentlich habe ich ein bisschen Höhenangst“, gibt sie zu. Doch auch dank des Jobs habe sich diese Angst im Laufe der Zeit etwas gelegt.

214 Stufen: Besser als Cardio-Training

214 Stufen sind es bis zur Aussichtsplattform. Mindestens einmal pro Woche bringt Abeler diese hinter sich, manchmal mehrmals am Tag. „Meine Ärztin sagt, es gibt kein besseres Training fürs Herz.“ Manchmal nimmt die Küsterin den Aufstieg sogar sportlich und die Stufen etwas fixer unter die Füße als sonst. Wenn man dank Job kein extra Cardio-Training mehr braucht.

Rosalie Abeler, Küsterin der St. Marien-Kirche in Ribnitz, im Glockenturm. Quelle: Robert Niemeyer

Das Knie vergisst sie dann einfach. Die Knieprobleme sind auch nicht Ergebnis der Arbeit in der Ribnitzer Kirche, sondern schon älter. Abeler ist ein bisschen rumgekommen in Vorpommern, hat Elektrikerin gelernt und in Lubmin bei Greifswald im Kernkraftwerk in der E-Dokumentation gearbeitet. Mit der Stilllegung des Kraftwerks änderte sich für Abeler einiges.

So können Sie helfen

Anlässlich der OZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ sammelt die OZ-Lokalredaktion Ribnitz-Damgarten für den Erhalt des Kirchturms der Ribnitzer St. Marien-Kirche. Dafür existiert ein Spendenkonto. Regelmäßig veröffentlichen wir in den kommenden Wochen in der OZ die Namen der Spender.

Das Spendenkonto:

Kontoinhaber: Ev. Luth. Kirchengemeinde Ribnitz

IBAN: DE09 5206 0410 0005 3505 57

Bank: Evangelische Bank Kassel

Verwendungszweck: OZ-Aktion „Helfen bringt Freude“

Die Ribnitz-Damgartener Stadtforst unterstützt wie jedes Jahr ebenfalls die OZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“. Am Sonnabend, 11. Dezember, findet der große Weihnachtsbaum-Verkaufstag statt, und zwar von 9 bis 14 Uhr. Ein Euro pro verkauftem Baum wird an die OZ-Aktion gespendet.

1994 zog es sie und ihren Mann nach Kuhlrade bei Marlow. Beide hatten sich während der Lehre kennengelernt. Abelers Mann fand eine Stelle im Kohlekraftwerk in Rostock. „Doch die wollten keine Ehepaare einstellen“, sagt die Küsterin. In Bartelshagen I fand sie irgendwann eine Stelle. In der Kita kümmerte sie sich um das Essen und die Reinigung.

Eher aus Spaß hatte sie vor sechs Jahren angedeutet, sie könne sich ja auf die frei gewordene Küsterstelle in Ribnitz bewerben. Daraus wurde schnell Ernst.

„Auch Zuhören gehört zum Job“

Glühbirnen wechseln, Gottesdienste vorbereiten, Türen reparieren, den Dachboden der Kirche vom Schnee befreien – dort schneit es hinein –, Rosalie Abeler hat einiges an Aufgaben. Manchmal hilft auch ihr Mann mit Tipps und Muskelkraft. Manchmal ist Rosalie Abeler auch mehr als nur die Handwerkerin, wenn Urlauber sie beim Saubermachen in der Glockenetage antreffen und ein paar Infos erfragen oder ein Gemeindemitglied einfach mal ein offenes Ohr braucht. „Auch Zuhören gehört zum Job“, sagt die 62-Jährige.

Geschichte der St. Marien-Kirche

1233 begann der Bau der Marien-Kirche. Der Kirchturm, bis zur Spitze des Kreuzes heute etwa 45 Meter hoch, war ursprünglich doppelt so hoch. Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut, wurde er durch den großen Stadtbrand am 14. März 1759 zerstört und in seiner heutigen Form wieder aufgebaut. Der Wiederaufbau begann allerdings erst 1766.

1765 hatte Johann Joachim Busch, Hofbaumeister des Herzogs Friedrich des Frommen, einen Entwurf für den Wiederaufbau der Kirche vorgelegt. Am 15. Januar 1769 wurde die neu errichtete Kirche eingeweiht. Der Turm wurde jedoch erst ab 1809 gebaut, zehn Jahre später fertiggestellt.

1841/41 errichtete Georg Adolph Demmler die heute bekannte Aussichtsplattform auf dem Kirchturm. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Kirche weitestgehend unbeschadet. In den folgenden Jahren war die Kirche allerdings dem Verfall und Vandalismus preisgegeben. Das Dach war beschädigt. Die schützenden Bäume um das Gebäude wurden entfernt. Die Kirchgemeinde selbst zog 1967 in die Klosterkirche.

Erst 1980 wurde die St. Marien-Kirche in ein Sanierungsprogramm aufgenommen. Im Zuge dieser Arbeiten entstand auch die Winterkirche. 1985 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Anfang dieses Jahres wurde die Winterkirche für etwa 300 000 Euro modernisiert.

Ausstellung: Mehr zur Geschichte der Kirche ist in einer Ausstellung zu erfahren, die in der Winterkirche zu sehen ist.

Abeler hofft, dass das jüngste Projekt der Kirchgemeinde ein Erfolg wird. Sie selbst wird das Ergebnis nicht mehr im aktiven Dienst erleben, aber sicherlich aus dem verdienten Ruhestand heraus gespannt verfolgen, was daraus geworden ist. Sie selbst weiß ganz genau, wie es um den Kirchturm bestellt ist.

Sonne und Vogelkot haben der hölzernen Verschalung der Aussichtsplattform zugesetzt. Die Risse im Turm werden immer größer. Regelmäßig begutachtet sie den Turm, um Gefahrenquellen festzustellen oder zu entschärfen. „Es geht auch um die Sicherheit. Es fällt immer mehr herunter“, sagt Rosalie Abeler. Eine Sanierung sei dringend notwendig. „Es muss bald etwas getan werden.“

Lesen Sie auch: Ribnitz-Damgartener wollen ihr Wahrzeichen retten

Einen Beitrag dazu möchte die OSTSEE-ZEITUNG leisten. Anlässlich der Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ ruft die OZ-Lokalredaktion Ribnitz-Damgarten zu Spenden für die Risssanierung des Kirchturms auf. 450 000 Euro kostet diese. Um die Summe zu beschaffen, wurde der Kirchbauverein St. Marien Ribnitz Mitte Oktober gegründet. Der Förderverein wird mit den Spenden unterstützt.

Von Robert Niemeyer