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Ribnitz-Damgarten Start in Barth: Angriff nach Stundenplan beim Manöver „Northern Coasts“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Start in Barth: Angriff nach Stundenplan beim Manöver „Northern Coasts“
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11:48 14.08.2019
Mit insgesamt vier Schlulflugzeugen des Typs Pilatus PC-9 werden Frank Jaworek und sein Team nach Barth reisen, um an der Übung „Northern Coasts“ teilzunehmen. Ebenfalls dabei eine Pilatus PC-12. Quelle: privat
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Barth/Kiel

Sie werden vom Flughafen in Barth starten, über die Ostsee fliegen und Marineschiffe, unter anderem die Fregatte Lübeck oder die Korvette Oldenburg, angreifen. Und das rund zwei Wochen lang im September. Im Cockpit wird Frank Jaworek sitzen. Was sich wie der Ernstfall anhört, ist für ihn Routine. Der 53-Jährige ist Chefpilot der Kieler Firma Qinetiq. Die Firma dient als Trainingspartner bei einer groß angelegten, internationalen Militärübung, in der auch die Bundeswehr eingesetzt wird. Frank Jaworek reist mit einem Team von rund zehn Mann nach Barth, um das NATO-Manöver „Northern Coasts“ zu unterstützen.

An dem Einsatz nehmen bis zu 40 Militärschiffe, ein Dutzend Luftfahrzeuge, mehrere Hubschrauber und 3000 Soldaten aus 17 Nationen teil. Die Übung findet bereits seit zwölf Jahren statt, die Leitung rotiert zwischen Deutschland, Schweden, Dänemark und Finnland. In diesem Jahr ist Deutschland für die gesamte Vorbereitung zuständig. Die Sicherheit der Ostseeregion steht bei dem Manöver ganz oben an. Der Fokus liegt in diesem Jahr auf der Sicherung der Seewege in der westlichen Ostsee, vorrangig dem Großen Belt. Die Herausforderung seien die flachen Gewässer, da dadurch die Manövrierfähigkeit der großen Militärschiffe extrem eingeschränkt sei.

Ehemalige Bundeswehrsoldaten

Bevor Frank Jaworek bei Qinetiq anfing, arbeitete er bei der Bundeswehr und flog unter anderem einen Tornado. Quelle: privat

Alle Qinetiq-Mitarbeiter sind ehemalige Bundeswehrsoldaten. Frank Jaworek war bis 2007 als Jetpilot bei der Marine, bis er zu Qinetiq wechselte. Die Arbeit ähnele sich sehr, nur dass man keine Uniform mehr trage. „Als Marineflieger ist man auf ein Gebiet spezialisiert. Unsere jetzigen Aufgaben sind vielfältiger, wir sind breiter aufgestellt“, sagt Frank Jaworek. Neben Einsätzen in Deutschland würde es häufig auch ins europäische Ausland gehen.

Ein Arbeitstag hat gut und gerne zwölf Stunden, von denen das Team zwei Mal drei Stunden in der Luft unterwegs ist. „Die restliche Zeit ist Vor- und Nachbereitung und natürlich zwischendurch Pausen“, sagt Frank Jaworek. Während in der Vergangenheit bei solchen Manövern die Flughäfen im Ausland genutzt worden seien, habe man in den vergangenen drei Jahren wieder verstärkt deutsche Flughäfen mit einbezogen. „Das liegt daran, dass sich die kleinen Flughäfen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert und weiter entwickelt haben. Vorher hätten wir von dort nicht operieren können, unter anderem aus Sicherheitsgründen.“

Von Kopenhagen startet das Manöver

Blick aus dem Flugzeug: Dieses Bild entstand beim Marine-Manöver „Northern Coasts“ im Jahr 2015. Zu sehen ist der Einsatzgruppenversorger Bonn. Quelle: Picasa

„Northern Coasts“ ist laut Bundeswehr das größte jährlich stattfindende Manöver in der Ostsee. Nachdem am 3. September alle Schiffe in Kopenhagen einlaufen und die Besatzungen dort auf dem neuesten Stand gebracht werden, laufen die Schiffe am 6. September in gemischten Taskforce-Gruppen wieder aus. „Die folgende Phase dient dazu, dass sich die Soldaten aneinander gewöhnen und die internationale Zusammenarbeit gestärkt wird“, erklärt Bastian Fischborn, Pressesprecher der Einsatzflottile 1 in Kiel. Denn die Besatzungen auf den Schiffen sei komplett durchmischt. Im Anschluss würden verschiedene Szenarien durchgespielt. Das reiche von „Mann über Bord“, über das Tanken während der Fahrt oder die Bekämpfung heranfliegender Flugzeuge.

Und genau hier kommt das Qinetiq-Team ins Spiel, das vom Barther Flughafen aus operiert. „Sie übernehmen die typische Zieldarstellung“, erklärt Bastian Fischborn. Die Schiffe würden aus der Luft bedroht und schlagen zurück. „Für uns sind sie die Rollenspieler, um der Besatzung auf See ein realistisches Szenario zu liefern“, sagt der Pressesprecher. Gezielt werde auf Luftsäcke, die die Maschinen hinter sich herziehen. „Wir müssen die Übungen realistisch machen. Deshalb müssen die Waffen auch eingesetzt werden“, erklärt Bastian Fischborn. Es werde also auch scharf geschossen.

Keine Gefahr für die Besatzung

Doch Frank Jaworek bleibt gelassen: „Unsere Schleppziele sind 1,2 bis 2,9 Kilometer vom Flugzeug weg“, sagt der Pilot. „Eine Gefahr besteht für uns nicht.“ Der Flughafen in Barth sei als Ausgangspunkt für solche Manöver wie „Northern Coasts“ optimal. Prinzipiell eigne sich zwar jeder Flughafen, der mindestens 1000 Meter Betonpiste hat, aber es gebe schon noch weitere Punkte, die beachtet werden müssten. „Wir brauchen Sicherheit am Platz. Nicht jeder kleine Flughafen ist eingezäunt“, meint der Pilot. Ist der zivile Luftverkehr zu hoch, gebe es ebenfalls Probleme. „In Hamburg könnten wir das beispielsweise nicht machen. Wir brauchen schon eine gewisse Priorisierung, beispielsweise wenn wir die Maschinen mittags tanken müssen.“

Nach der Übungsphase, die nach einem festgelegten Stundenplan abläuft, geht „Northern Coasts“ vom 13. bis zum 18. September in die letzten Phase, die sogenannte Operationsphase. Alle teilnehmenden Schiffe, Boote und Einheiten werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Während die eine dafür zuständig ist, dafür zu sorgen, dass die Seewege genutzt werden können, muss die andere Gruppe alles tun, um dies zu verhindern. „In dieser Phase gibt es keinen Stundenplan mehr“, sagt Bastian Fischborn. Allerdings gebe es eine UN-Resolution sowie einen Beschluss des NATO-Rates, nach dem alle Besatzungen handeln müssten.

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Von Anika Wenning

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