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Ribnitz-Damgarten Riesige Sandburgen am Ostseestrand: Darum gibt es sie nicht mehr
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Riesige Sandburgen am Ostseestrand: Darum gibt es sie nicht mehr
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15:53 31.07.2019
Der Bau von Strandburgen war an der Küste von Fischland, Darß und Zingst weit verbreitet. Diese Aufnahme entstand in den 1920er Jahren am Prerower Strand. Quelle: Darß-Museum Prerow
Dierhagen/Wustrow

Wer sich alte Postkarten und Privatfotos aus den 1920er und 1930er Jahren vom Strandleben an Ost- und Nordsee anschaut, gewinnt den Eindruck, dass früher nichts anders gemacht wurde, als aus Sand Strandburgen zu bauen. Sie waren oft riesig. Tonnen von Sand wurden bewegt. Und vor allem: Soweit das Auge reichte, überall Strandburgen. Das Ganze sah der Kraterlandschaft des Mondes nicht unähnlich. Auch noch viele Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als der Tourismus wieder in Schwung kam, waren sie weit verbreitet.

Der Kulturhistoriker Harald Kimpel beschäftigte sich mit diesem Phänomen und ist zu dem Schluss gelangt, dass mit dem Bau von Strandburgen jeglichem Eindruck „anrüchigen Müßiggangs“ entgegengewirkt werden sollte.

Früher wurden oft Tonnen von Sand bewegt, um große Bauwerke am Strand zu bauen. Vor den fertigen Burgen wurde anschließend für ein Foto posiert.

Die urdeutsche Sitte, einen Teil des Urlaubs am Strand mit dem Schippen von Strandburgen zu verbringen, ist bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgekommen. Heute sind diese Bauwerke auf Zeit allerdings ziemlich aus der Mode gekommen. Und wenn dort, wo es erlaubt ist, doch noch diese aus einem Ringwall bestehenden Burgen gebaut werden, dann etliche Nummern kleiner.

„Bauwerke“ dürfen nicht höher als 30 Zentimeter sein

Während an der schleswig-holsteinischen Küste der Burgenbau vielfach aus Gründen des Küstenschutzes generell verboten ist, darf an den Stränden von Fischland, Darß und Zingst gebuddelt werden. Allerdings mit Auflagen. Die sind in den Strand- und Badeordnungen festgelegt. Danach dürfen nur solche Strandburgen gebaut werden, deren Durchmesser im obersten Bereich nicht größer als 3,50 Meter ist. Und sie dürfen nicht höher als 30 Zentimeter sein. Außerdem ist ein Mindestabstand von zwei Metern vom seeseitigen Dünenfuß einzuhalten. Strandburgen dürfen nur aus Strandsand errichtet werden, der in einem Abstand von mehr als zwei Metern vom Dünenfuß abgegraben wurde. Und sie dürfen nicht aus Strandgut oder anderen Stoffen gebaut werden, die nicht Bestandteil des Strandes sind.

Wer dagegen verstößt, dem droht ein Bußgeld. „Musste das Ordnungsamt aber noch nie verhängen“, sagt der Dierhäger Kurdirektor Stephan Fellmann. „Zumal auch kaum noch Strandburgen gebaut werden“, fügt er hinzu. Eher schon Sandburgen, die häufig in Form von Kleckerburgen errichtet werden. „Da gehen die Väter mitunter emsiger zu Werke als ihre Sprösslinge“, fügt der Dierhäger Kurdirektor mit einem Lachen hinzu.

Tunnel und tiefe Sandkuhlen sind verboten

Im benachbarten Wustrow wie auch in den anderen Urlaubsorten an der Küste von Fischland, Darß und Zingst gelten die gleichen Bestimmungen wie in Dierhagen. „Auch an unserem Strand sind Strandburgen sehr selten geworden“, sagt Kurdirektor Dirk Pasche. Warum, darüber könne man nur spekulieren. „Das Freizeitverhalten im Urlaub hat sich stark gewandelt. Ich nehme mal an, dass die Urlauber heute einfach nur relaxen und nicht mehr stundenlang schippen wollen.“ Jürgen Pieplow schreibt in seinem 2006 von der Kurverwaltung herausgegebenen Heft „Badeleben gestern und heute im Ostseebad Wustrow“, dass das Bauen von Strandburgen in dem Fischlanddorf in den Jahren zwischen 1968 und 1972 zu Ende gegangen sei.

Während der Bau von Strandburgen in allen Ostseebädern der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst erlaubt ist, ist das Graben von Tunneln oder das Ausheben von tiefen Sandkuhlen und Löchern generell verboten. „Dieses Verbot hängt mit dem tragischen Unfall 2002 am Strand von Zinnowitz auf Usedom zusammen. Damals waren zwei Brüder in einem selbstgebauten Tunnel verschüttet worden und starben“, erläutert Stephan Fellmann.

Graben reichte vom Dünenfuß bis zum Wasser

Wenn Gäste doch mal eine tiefere Kuhle buddeln, dann werden sie vom Strandläufer freundlich aufgefordert, diese wieder zuzuschütten. Das müsse sein, so Fellmann, denn solche Kuhlen würden sowohl für andere Strandbesucher als auch für Rettungsfahrzeuge und für Fahrzeuge, die zur Strandreinigung unterwegs sind, eine Gefahr darstellen.

Wie emsig mitunter Strandbesucher zu Werke gehen, zeigt das Beispiel von zwei jungen Männern, „die vor ein paar Jahren so eine Art Schützengraben gegraben haben. Der reichte vom Dünenfuß bis zum Wasser“, erinnert sich Fellmann. Der Graben sei etwa einen Meter tief gewesen. „Die beiden wurden aufgefordert, ihn wieder zuzuschütten, das taten sie dann auch ohne groß zu murren.“

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