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Ribnitz-Damgarten Teilabriss von Brandruine in Wustrow hat begonnen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Teilabriss von Brandruine in Wustrow hat begonnen
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18:00 14.08.2019
Nach dem verheerenden Brand in der Nacht zum 15. Juni hat der Teilabriss des Traditionshotels begonnen. Quelle: Timo Richter
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Wustrow

Sie tragen blaue Overalls, sie tragen Atemschutzmasken und Schutzbrillen. Sie räumen die Trümmer weg, die das verheerende Feuer in der Nacht zum 15. Juni vom Hauptgebäude des Ostseehotels Wustrow gelassen hat. Von einem Arbeitskäfig aus zieht eine Handvoll Männer verkohltes Holz, Dämmmaterial und Steine aus der Ruine. Eigentümer Hendrik Schinkmann sieht sein Hotel langsam verschwinden – und ist dennoch positiv gestimmt.

Ganz abgerissen wird das Hauptgebäude des Traditionshotels nicht. Erdgeschoss und Keller bleiben stehen. „Das verdanke ich der Feuerwehr und den Betondecken“, sagt Hendrik Schinkmann. Dadurch gewinnt der 38-Jährige Zeit – etwa ein Jahr. Schon in diesem Jahr, so die Hoffnungen des Hoteliers, soll das Richtfest gefeiert werden. Eine Teilöffnung der Hotelanlage soll im kommenden Jahr erfolgen.

Bestandsschutz

Weil die Grundmauern des Hauptgebäudes stehen bleiben können, genießt das Gebäude Bestandsschutz. Nach einem Komplettabriss müsste ein Neubau deutlich weiter weg vom nahe verlaufenden Deich errichtet werden. Der Abriss der oberen Etagen des Komplexes erfolgt darum überaus sorgsam, schließlich soll die Statik des verbleibenden Baukörpers nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

Ein Mobilkran hievt das Arbeitsteam auf ihrer Plattform in die richtige Position, dann ist Handarbeit angesagt. Balken für Balken verschwindet von der Brandruine. Atemschutz ist wegen der feinen Rußpartikel und den Fasern des mineralischen Dämmmaterials erforderlich, heißt es seitens des Bauleiters. Erfolgen müssen die Arbeiten von der schwebenden Plattform aus, weil der Bereich des einstigen Hauptgebäudes nicht begehbar ist.

Symmetrie

Während das Haus nach und nach im Wesentlichen von der Bildfläche verschwindet, entsteht schon der Nachfolger – zumindest auf dem Papier. Der wird wieder ein Rohrdach erhalten, insgesamt werde das Gebäude moderner erscheinen. Zimmer- und Bettenzahl bleiben laut Hendrik Schinkmann gleich. Wohl aber werde es eine neue Aufteilung der Zimmer geben, außerdem wird ein zweites Treppenhaus gebaut. Die Proportionen des neuen Gebäudes würden auf jeden Fall symmetrischer.

Den Wiederaufbau veranschlagt der Hotelier mit rund zwei Millionen Euro. Das entspricht dem kurz nach der Brandnacht geschätzten Schaden. Nicht eingerechnet sind die Kosten für den Abriss sowie die Löhne und Gehälter der Beschäftigten. Die stehen maximal bis Ende kommenden Jahres in Lohn und Brot, sind aber freigestellt. Vor der Neueröffnung will Hendrik Schinkmann nicht nach neuen Mitarbeitern suchen müssen.

Nach dem verheerenden Brand hatte Hendrik Schinkmann gar keine Zeit, in Resignation zu verfallen. „Wir mussten das Geschäft abwickeln“, sagt er. Zuallererst mussten die Gäste informiert werden. Sämtliche Buchungen bis Ende kommenden Jahres wurden storniert, das stieß weitgehend auf Verständnis. Außerdem mussten Anzahlungen an die Urlauber zurück überwiesen werden – immerhin eine Summe im sechsstelligen Bereich, wie Hendrik Schinkmann sagt. Und dennoch: „Meine Grundstimmung ist positiv.“

Mehr lesen: Hotelier in Wustrow: In anderthalb Jahren werden wir wieder öffnen

Funkverkehr

Nach einer kurzen Verschnaufpause verstecken sich die Arbeiter wieder hinter Atemschutz und Augenschutz, klettern auf ihre Arbeitsplattform und klinken die Sicherungsseile ein. Brech- und Nageleisen stehen dort ebenso wie Hackwerkzeuge bereit, um widerspenstiges Dachgebälk voneinander zu trennen. Der Motor des Mobilkrans dröhnt, als er die Männer zum Einsatzort schweben lässt. Per Funk werden von der Plattform die Wegeanweisungen gegeben. Vom nahen Deich aus werden die Aktivitäten von vorbeiradelnden Urlaubern interessiert verfolgt. Immer wieder unterbrechen die ihre Fahrt, um das Geschehen mitfühlend zu betrachten. Der Bauleiter verrichtet seinen Job dagegen emotionslos, er habe keine Beziehung zu dem Hotel.

Derweil telefoniert sich Hendrik Schinkmann die Finger wund. Er muss Angebote für den Wiederaufbau des Hotelgebäudes einholen. Gar nicht so einfach ist es, überhaupt Firmen für den Auftrag gewinnen zu können, zumal der Hotelier auf regionale Unternehmen setzt, mit denen er in der Vergangenheit schon gut zusammengearbeitet hat. Ausgewählt würden die Firmen am Ende aber von der Versicherung, „da bin ich außen vor“.

Traditionshotel in Wustrow niedergebrannt

Technikdefekt

Mehr als 100 Feuerwehrleute waren beim Brand im Ostseehotel in Wustrow im Einsatz. Quelle: Robert Niemeyer/Carolin Riemer

Aufgrund eines technischen Defekts war das Hotelgebäude im Juni in Brand geraten. Sämtliche Gäste konnten das Gebäude unverletzt verlassen. Etliche Feuerwehren aus der ganzen Region waren im Einsatz. Noch Tage nach dem Brand rückte die Feuerwehr an, um aufflammende Glutnester zu löschen.

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Von Timo Richter

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