Testzentrum des Amts Darß/Fischland: Streit um Finanzierung
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Ribnitz-Damgarten Streit um Finanzierung des Testzentrums von Amt Darß/Fischland
Vorpommern Ribnitz-Damgarten

Testzentrum des Amts Darß/Fischland: Streit um Finanzierung

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10:52 10.06.2021
Inge Bogun aus Born lässt sich wegen eines bevorstehenden Friseurtermins auf eine Corona-Infektion testen (Symbolbild).
Inge Bogun aus Born lässt sich wegen eines bevorstehenden Friseurtermins auf eine Corona-Infektion testen (Symbolbild). Quelle: Timo Richter
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Born

Ein „Krisenstab“ des Amtes Darß/Fischland hat die Einrichtung eines Testzentrums mit abwechselnden Öffnungszeiten in Ahrenshoop und Wieck beschlossen. Um die Einrichtungen sachgemäß ausstatten zu können, hat Amtsvorsteher Benjamin Heinke, zugleich Bürgermeister in dem Künstlerort Ahrenshoop, für die Grundausstattung der Testzentren 216 500 Euro ausgegeben. Nicht alle amtsangehörigen Kommunen waren mit dieser Entscheidung einverstanden.

Während im Amtsbereich private Testzentren geradezu aus dem Boden sprießen, rechneten der Borner Bürgermeister Gerd Scharmberg sowie dessen zweiter Stellvertreter Mathias Löttge mit dem Amtsvorsteher ab: zu hohe Kosten für eine Aufgabe, zu der das Amt nicht verpflichtet ist, dazu eine fehlende Beteiligung, in diesem Fall Borns.

Frage zu Besetzung des Krisenstabes

In dem im März 2020 gebildeten Krisenstab ist das nicht der Fall. Um so mehr blieben beim Borner Bürgermeister Gerd Scharmberg und dem weiteren Vertreter im Amtsausschuss, Mathias Löttge, Fragen offen. Die drehten sich um die Entscheidungsgrundlage als auch um die Kosten.

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Natürlich hat am Ende eine Mehrheit der Mitglieder des Amtsausschusses die Eilentscheidung des Amtsvorstehers mitgetragen. Aber es blieben Fragen offen.

Kosten für Schnelltest

Beispiel: Wer hat letztendlich die Zustimmung für die Investition in die Erstausstattung des Testzentrums des Amtes Darß/Fischland gegeben. Außer der Erstausstattung mit Gesichtsschilden und Schutzkleidung geht es auch um die Bestellung von 40 000 Schnelltests, die im Wechsel in der Strandhalle in Ahrenshoop und der Darßer Arche in Wieck abgenommen werden sollen.

Unklar blieb während der Zusammenkunft nicht nur die Besetzung des Krisenstabs, unklar blieb am Ende auch die Erstattung der Investition in das Testzentrum mit zwei Abnahmestellen. Hauptamtsleiter Karsten Braun bestätigte auf Nachfrage eine Kostenerstattung der Ausstattungskosten durch die Kassenärztliche Vereinigung. Wo allerdings die Kosten für die vorsorglich bestellen 40 000 Testkits bleiben, sei unklar. Eine automatische Kostenerstattung gibt es nicht, gehört das Testen doch nicht zu den Pflichtaufgaben der Verwaltung. Ausdrücklich widersprach der Borner Bürgermeister der Darstellung Karsten Brauns, dass es zu dem Zeitpunkt eine klare Ansage des Landkreises zur Einrichtung kommunaler Testzentren gegeben habe.

Kritik an Vorleistung

Hintergrund: Grundsätzlich zu Debatte stehen nicht die Kosten für die Ausstattung der Testzentren. Problematisch sehen Gerd Scharmberg und Mathias Löttge die Bestellung der Testsets. Sie halten den Kauf von 40 0000 Einheiten als viel zu hoch – und begründen das mit den Testzahlen in Ahrenshoop und Wieck.

Um die 40 Tests würden in Wieck erfolgen, mit mehr als 100 deutlich mehr während der Öffnungszeit des Testzentrums in der Strandhalle Ahrenshoop. Bei der durchschnittlichen Inanspruchnahme des Angebotes würden die bestellten Corona-Test locker bis ins Jahr 2024 reichen, rechnet der Borner Bürgermeister vor. Solange wolle die Kommune finanziell betrachtet nicht in Vorleistung gehen.

Antworten werden hinterfragt

Die Antworten des Amtsvorstehers sowie des neuen Leiters des Hauptamtes haben die Vertreter Borns im Amtausschuss nicht zufriedengestellt. „Wir werden die Antworten hinterfragen“, sagt Gerd Scharmberg auf Nachfrage. Der sieht beispielsweise den benannten Krisenstab nicht als Gremium an, das über die finanzielle Beteiligung amtsangehöriger Kommunen ohne deren Mitwirkung entscheiden dürfe.

Inzwischen haben auch in den Urlauberorten auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst verschiedene privat betriebene Testzentren eröffnet. Die Testkapazität ist laut dem Amtsvorsteher durch private Anbieter „ganz schön“ aufgestockt worden. Gleichzeitig gebe es beispielsweise in Wieck Probleme, die erforderlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Betrieb des Testzentrums zusammenzubekommen.

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Von Timo Richter