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Ribnitz-Damgarten Turbulentes Jahr: Barther Stadtforst verliert wichtigen Kunden
Vorpommern Ribnitz-Damgarten

Turbulentes Jahr: Barther Stadtforst verliert wichtigen Kunden

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15:00 20.01.2020
Der Käfer hat ganze Arbeit geleistet. Diese Fichte muss gefällt werden. Der Barther Stadtförster Ralf Moritz zeigt die beschädigten Stellen. Quelle: Anika Wenning
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Barth

„Es war ein turbulentes Jahr“, zieht der Barther Stadtförster, Ralf Moritz, eine durchwachsene Bilanz für 2019. Vor allem Trockenheit und Käfer haben dem Wald weiter zugesetzt. „Aber wir sind noch besser weggekommen als andere Teile Deutschlands“, sagt der Fachmann.

Viel dramatischer sehe es unter anderem in Süddeutschland oder im Sauerland aus. Doch auch im Stadtwald fielen zahlreiche Bäume dem Buchdrucker und dem Kupferstecher zum Opfer. „Das Klima ist ideal für die Käfer“, erklärt der Stadtförster, der mit seinem Kollegen auch noch Restschäden aus dem Jahr 2018 beseitigen musste. Ostern 2018 brachen durch die Schneelast viele Bäume zusammen.

Holzpreis bösartig eingebrochen

1400 Hektar Fläche hat der Barther Stadtwald. 5,37 Festmeter Holz pro Hektar wurden im vergangenen Jahr geschlagen. „Dabei mussten wir hauptsächlich die Schadflächen beseitigen“, erklärt Ralf Moritz. Das Problem: Das beschädigte Holz lässt sich nur schwer weiterverkaufen. „Somit war 2019 auch für den Holzverkauf ein turbulentes Jahr“, berichtet der Förster. „Der Preis ist bösartig zusammengebrochen. Er ist noch nicht ganz auf dem Stand von 1998/99 – aber fast.“

Der Förster ist aber zuversichtlich, dass die Talsohle erreicht ist und es nun wieder aufwärtsgeht. Abnehmer kommen größtenteils aus der Region. Dazu zählen unter anderem Müritz Holz aus Obermützkow und Holz Egger aus Wismar. Ende der vergangenen Woche kam allerdings eine neue Hiobsbotschaft. Ein weiterer Holzabnehmer habe angekündigt, 2020 nur noch Holz aus Westdeutschland einzukaufen. Damit breche 2020 ein wichtiger Kunde weg.

Pflanzenankauf: Die Preise steigen

Insgesamt 1,3 Hektar Wald wurden im vergangenen Jahr aufgeforstet. Häufig werden hier Lerchen gepflanzt, aber auch Eichen und Wildbirnen. „Man muss dabei vor allem auf dem Standort gucken“, sagt Ralf Moritz. Allerdings habe man nicht immer die Wahl, welche neuen Bäume man anpflanzen möchte. Denn auch der Pflanzenankauf sei immer problematischer. „Auch die Baumschulen haben große Schwierigkeiten“, berichtet Ralf Moritz. „Allein im Verlauf des Herbstes sind die Preise um 15 Prozent gestiegen.“ Neben dem Mindestlohn seien auch die gestiegenen Kosten, unter anderem für die Bewässerung, ein Grund für die Preissteigerung.

Hier wurden im Dezember 2019 Eichen und Wildbirnen gepflanzt.  Quelle: Anika Wenning

Doch für Zuwachs sorgen auch nicht nur die Aufforstungen. Auch der Wald selbst regeneriere sich. „Diese Fichten sind aus eigener Kraft entstanden“, erklärt Ralf Moritz und zeigt auf eine Fläche mit Bäumen, die ein bis drei Jahre alt sind. Während rundherum der Käfer zahlreiche Fichten zerstört hat, würden hier neue Bäume wachsen. „Hier werden wir dann auch nicht aufforsten, sondern den Wald selbst arbeiten lassen“, sagt der Stadtförster.

Rettungswege werden zugeparkt

Die Zahl der Waldbesucher sei in den vergangenen Jahren konstant geblieben. Pro Jahr würden zwischen 15 000 und 20 000 Spaziergänger, Radfahrer, Pilzsammler oder Wanderer kommen. „Ich bin ja nahezu täglich im Wald unterwegs. Einige Spaziergänger sieht man jeden Tag“, berichtet Ralf Moritz.

Doch nicht über jeden Waldbesucher kann sich der Förster freuen. Vor allem in der Pilzzeit würden Rettungswege zugeparkt und die Sammler seien Tag und Nacht unterwegs. „Wenn wir die Tiere Tag und Nacht im Wald besuchen, müssen wir uns nicht wundern, dass sie uns auch besuchen“, sagt der Förster mit Blick auf Wildschweine, die immer wieder in Wohngebieten gesichtet werden. Doch nicht nur Pilzsammler seien nachts unterwegs, auch Jogger und Spaziergänger mit ihren Hunden.

Die Fichten sind zwischen einem und drei Jahre alt. Quelle: Anika Wenning

Ein weiteres Problem, das immer mehr zunehme, seien unangemeldete Partys im Wald, vor allem in den Bunkeranlagen. Und auch beim Thema Geocaching hat der Förster wenig Verständnis. So sei ein sogenannter Cache direkt am Seeadlerhorst angebracht worden. Für das Tier bedeute dies Stress pur.

Große Sorge bereitet dem Förster auch die steigende Waldbrandgefahr. „Ein Großfeuer wie in Ludwigslust kriegen wir hier nicht gehandelt“, sagt Ralf Moritz. Derzeit sei er mit den freiwilligen Feuerwehren im Gespräch, um Lösungen zu finden. „Ich persönlich hätte den Bau einer Brunnenanlage bevorzugt, aber das ist nicht möglich. Das Grundwasser liegt hier sehr tief. Wir müssen uns aber in diesem Jahr auf jeden Fall intensiv mit dem Thema beschäftigen und eine Lösung finden.“

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Von Anika Wenning

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