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Ribnitz-Damgarten Über 1000 Besucher bei Zingster Klaviertagen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Über 1000 Besucher bei Zingster Klaviertagen
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15:00 22.04.2019
Der Pianist Philipp Krätzer gab in diesem Jahr bei den 18. Internationalen Zingster Klaviertagen seinen Einstand als bemerkenswerter Newcomer in der Tastenszene. Quelle: Uwe Roßner
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Zingst

Qualität setzt sich durch. Selbst gegen das Wetter. Das durfte Lutz Gerlach 2019 wieder erfahren. Dafür ging es ganz klar aus: Die eingeladenen Kollegen zog ihr Publikum in die Säle. „Ich bin sehr zufrieden“, so der Künstlerische Leiter. Vier von acht Veranstaltungen waren ausverkauft, der Rest gut besucht.

Lutz Gerlach ist seinem Erfolgsrezept treu geblieben. Es lautet: Hochkarätige Musiker diverser Genres plus erstklassigem Nachwuchs abgerundet mit einem Schuss augenzwinkernder Unterhaltung ergibt ein erfolgreiches Festivaljahr. Die ersten Kostproben gibt es traditionell zur Eröffnungsgala im Zingster Kurhaus.

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Die polnische Pianistin Aleksandra Mikulaska eröffnete sie ergreifend. Die Chopinspezialistin bot passend zum Karfreitag die Sarabande aus der 6. Partita von Johann Sebastian Bach dar und entfachte mit der As-Dur Polonaise einen Beifallsturm des aufmerksamen Publikums.

Ganz unkonventionell überzeugte die aus dem Jazz kommende Julia Kadel. Die Blue Note-Künstlerin flocht aus den vorher zugerufenen Worten Urlaub und gelber Pullover ihre minimalistisch-expressive Fantasie. Ihre Noten ließ sie beiseite.

Ihr Kollege Rainer Böhm ging dagegen ganz klassisch vor: Aus Cole Porters Standard „Everything I love“ fächerte er gewinnend auf und bot anschließend eine fast fiebrige Kostprobe von seiner aktuellen CD „Hydór“ dar.

Mit Expertenextrakten, kleinen Marotten des Klassikbetriebs und bissig-schönen Pointen bearbeitete Armin Fischer bestens die Lachmuskulatur der versammelten Zuhörerschaft. Selbst die Welttournee auf einem Kreuzfahrtschiff mit nur einem Stück hat da einem sehr, sehr guten Grund. Appetit auf einen aufhorchenden Walkürenritt durch Sternstunden der Musikgeschichte machte Lutz Gerlach und Ulrike Mai auf Tasten, Cajon und mit Klatschen.

Ganz ohne Elektronik und völlig entspannt nahm Philipp Krätzer als Newcomer innerhalb der Zingster Klaviertage für sich ein. Seine Coverversionen von Depeche Mode und U2 fanden Anklang und Zuspruch. Für den fetzigen Kehraus sorgte der Steve „Big Man“ Clayton. Der gebürtige Brite zelebrierte zünftig den Boogie Woogie und demonstrierte mit klaren, von den Zuhörern im Chor wiederholten No und Yes seinen Kommentar zum aktuellen Brexitschauspiel ab.

Uwe Roßner