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Ribnitz-Damgarten Vom Seepferdchen bis zum Heidekraut: Vorpommerns schönste Wappen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten

Vom Seepferdchen bis zum Heidekraut: Vorpommerns schönste Wappen

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10:46 19.01.2020
Die Wappen-Expertin der historischen Kommission für Mecklenburg, Antje Koolmann, mit einige Wappen aus dem Westteil des Landes. Quelle: Archiv
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Greifswald

Er ist der Herr über Tinkturen, Fabeltiere und Heroldsbilder. Michael Zapfe ist nicht nur studierter Mathematiker und Künstler, sondern auch Marketingexperte und Wappenkundler, ein sogenannter Heraldiker. In den vergangenen 25 Jahren hat der 56-Jährige zahlreiche Wappen für Gemeinden in Vorpommern gestaltet und bearbeitet, darunter zum Beispiel Prohn, Kröslin, Zempin, Wusterhusen oder Hiddensee.

Der OSTSEE-ZEITUNG erzählte er, was ein gelungenes Wappen ausmacht, wieso eine Ähre im Wappen eine schlechte Idee ist und warum es beim Landeswappen noch Verbesserungsbedarf gibt.

Michael Zapfe ist Marketingexperte und Wappenkundler. Er betreibt mit Partnern eine Werbeagentur in Erfurt. Quelle: Privat

Welches Wappen in Vorpommern gefällt Ihnen besonders gut?

Das Wappen von Hiddensee. Das ist einfach und hat eine schöne Symbolik. Das Seepferdchen ist nicht nur ein Meeresbewohner der Ostsee, sondern hat auch etwa den Umriss der Insel Hiddensee. Dazu habe ich eine stilisierte Hausmarke gestellt, wie sie auf der Insel als Familienzeichen genutzt werden.

Was macht ein schönes Wappen aus?

Es muss ausgewogen gestaltet sein, das bedeutet, dass sich die Motive gut den Flächen anpassen, auf denen sie stehen, und am besten noch eine gewisse Symmetrie entwickeln, wie etwa beim Wappen von Loddin. Symmetrie empfindet der Betrachter nämlich als harmonisch. Das Wappen muss auch verkleinert gut erkennbar sein, es darf also nicht zu viele Symbole im Schild haben, sonst wird es unübersichtlich. Es geht nicht um die Addition möglichst vieler Elemente, sondern um eine gute Auswahl. Das muss man häufiger erklären, wenn die Gemeinden einen ganzen Zettel mit Motiven haben, die sich im Wappen wiederfinden sollen. Das Wappen sollte heutzutage on- wie offline gut reproduzierbar sein, also auch über eine entsprechende Strichstärke verfügen, keine komplizierten Details haben, sondern zeitgemäß abstrahiert sein. Grundsätzlich gelten für die Gestaltung von Wappen ja heraldische Regeln.

Regeln? Man kann nicht frei gestalten?

Nein, es ist festgelegt, welche Form das Wappenschild haben muss, welche Symbole verwendet werden sollten und welche Farben erlaubt sind. Das sind nämlich nur Schwarz, Rot, Blau und Grün, dazu die Metalle Silber und Gold, diese werden meist durch Weiß und Gelb ersetzt. Und es wird kompliziert: Metalle dürfen nicht an Metalle grenzen, Farben nicht an Farben, um den Kontrast zu sichern. Deshalb sind die Wappen des Landes Mecklenburg-Vorpommern aber auch des Landkreises Vorpommern-Rügen heraldisch nicht ganz korrekt. Gold und Silber sollten nicht nebeneinander stehen, Farben nicht auf Farben platziert sein.

Eine Auswahl von Wappen der Region

Erinnern Sie sich noch an ihren ersten Wappenauftrag in Mecklenburg-Vorpommern?

Oh ja. Das war so 1995 in Boltenhagen. Ich hatte meine Entwürfe vorgestellt und musste entsetzt feststellen, dass sofort eine Riesenauseinandersetzung in Gang kam und sich die Parteien erbittert gestritten haben, ohne Ergebnis. Das Thema Wappen kann sehr emotional besetzt sein, das habe ich oft erlebt. Danach wurde das Thema erstmal ad acta gelegt. Viel später haben wir noch mal einen neuen Anlauf mit einem komplett anderen Entwurf gestartet. Der wurde 2014 genehmigt.

Was findet man denn alles an Symbolen in den Vorpommerschen Wappen?

In vorpommerschen Wappen findet man häufig Motive, die die natürliche oder landschaftliche Besonderheiten widerspiegeln, so zum Beispiel das Heidekraut im Wappen von Trassenheide, Lindenblätter für die Lindenallee in Breege oder Schafe für die Gemeinde Gager. Eine gewellte Linie kann Wasser bedeuten, eine gezüngelte Linie auf einen Brand hinweisen. Oft kommt auch noch ein wirtschaftlicher Aspekt dazu, wenn Fischfang ein großes Thema in der Geschichte der Gemeinde ist, zum Beispiel. Die klassische Ähre ist da sehr beliebt, weil so viele Orte durch Landwirtschaft geprägt sind, aber eher schwierig. Ziel ist ja, dass sich die Wappen hinreichend unterscheiden. In so einem Fall habe ich versucht, mit den Gemeinden Alternativen zu entwickeln, wie Rapsblüten oder Rüben zum Beispiel. Wenn Architektur oder bestimmte Figuren untrennbar mit dem Ort verbunden sind, kann man das auch aufgreifen. Für das Wappen von Rambin habe ich zum Beispiel den Heiligen Georg gezeichnet. Eine solche Gestalt entsprechend zu vereinfachen, ist eine ziemliche Herausforderung.

Das Wappen der Stadt Usedom sticht aus der Reihe der Wappen hervor. Was hat es damit auf sich?

Das ist ein historisches Wappen, das ich im Auftrag der Stadt lediglich neu gezeichnet habe. Das Wappen gehört formal eher zu den Adelswappen, zu denen mehr gehört als nur ein Wappenschild. Das zeigt sich bereits bei dem auf das Wappen aufgesetzten Helm als Helmzier. Die sogenannte Helmdecke des Wappens weist darauf hin, dass die Stadt Usedom eine der Hauptresidenzen der Herzöge von Pommern war. Der Spangenhelm mit den Pfauenfedern soll an den Stadtgründer und Stadtherrn Bogislaw IV. Herzog von Pommern erinnern, der dem Ort 1298 Lübisches Stadtrecht verlieh. Ein Kommunalwappen würde wohl in dieser Form heute nicht mehr genehmigt werden, da man sich bei amtlichen Wappen auf das Wappenschild beschränkt.

Kann sich ein Wappen auch verändern?

Zu jedem Wappen gibt es eine sogenannte Blasonierung, dahinter verbirgt sich die heraldisch exakte Beschreibung des Wappens. Es gilt, das Wappen so genau wie möglich zu beschreiben, begonnen mit der Schildaufteilung, über die verwendeten Bilder bis zur Zuordnung der Farben, um das Wappen entsprechend der Beschreibung bildlich umsetzen zu können. Wie ein Wappentier dann interpretiert wird, ist allerdings Sache des Gestalters. So können sich im Laufe der Zeit und Mode Figuren in ihrer Form durchaus verändern. Man denke nur an den Bundesadler, der einiges an Gewicht gewonnen hat.

Wie modern darf ein Wappen sein? Könnte man zum Beispiel auch eine Industrieanlage abbilden?

Ganze Maschinen oder Industriegebäude darzustellen, macht keinen Sinn. Der Heraldiker sucht in solchen Fällen eher nach entsprechenden Symbolen aus der Wappenbilderordnung. Ein schönes Beispiel ist das Wappen von Trollenhagen bei Neubrandenburg. Hier wird der Flughafen durch einen Adler dargestellt, ein Zahnrad steht für die Gewerbeansiedlungen. Zahnräder oder ähnliche technische Symbole findet man häufig in Kommunalwappen bei Gemeinden, für die die Industrie eine große wirtschaftliche Rolle gespielt hat.

Wie lange gibt es schon Wappen?

Die Wappen haben ihren Ursprung im Mittelalter. In den oft unübersichtlichen kriegerischen Auseinandersetzungen musste man ja wissen, wer zum eigenen Team gehört. Daher trugen die Kämpfer neben farblicher Kleidung als Schutzwaffe auch den Schild, in entsprechender Gestaltung. Erkennbarkeit war dabei anfangs entscheidend. Das Stammwappen der Hohenzollern zeigt beispielsweise einen einfach von Silber und Schwarz gevierteilten Schild, bekannt als die Zollernvierung. Adelsfamilien kennzeichneten sich früh durch Wappen, die erblich waren. Dann wurden Wappen auch als Hoheitszeichen von Städten eingeführt. Gemeinden allerdings haben erst seit der Deutschen Gemeindeordnung 1935 die Möglichkeit, ein Wappen als Hoheitszeichen zu führen.

Was kann eine Gemeinde denn heutzutage mit einem Wappen machen?

Neben Flagge und Siegel ist das Wappen in erster Linie ein amtliches Hoheitszeichen und wird zur Repräsentation der Gemeindehoheit von den entsprechenden Behörden genutzt. Darüber hinaus kann ein Wappen Symbol einer selbstbewussten und souveränen Gemeinde sein. Es kann als Bestandteil eines Corporate Designs, also wie eine Marke von Unternehmen, zur Differenzierung von anderen Gemeinden, zur Werbung von Investoren, neuen Einwohner oder Gäste dienen. Intern kann sich ein gelungenes Wappen zum Identifikationssymbol für die Bürger entwickeln. Auf der Insel Hiddensee hat man das zum Beispiel so umgesetzt. Dort ist das Wappen auf Souvenirs, Karten oder Schildern, aber auch auf amtlichem Briefpapier und Visitenkarten zu finden. Die Gemeinde Trinwillershagen hat der Geschichte der Wappenerstellung sogar eine eigene Internetseite gewidmet.

Sie haben deutschlandweit schon rund 150 Wappen gestaltet. Ist noch Arbeit für Sie übrig?

Nach der Wende haben sich viele Gemeinden relativ schnell ihr Wappen gestalten lassen. Dabei sind auch einige entstanden, die man heute grafisch überarbeiten oder neugestalten müsste. Viele professionelle Wappengestalter gibt es ja nicht. Ich werde aus den verschiedensten Bundesländern angefragt, die Arbeit geht nicht so schnell aus. Es fusionieren aktuell ja viele Gemeinden oder Landkreise. Ein großer Heraldiker-Traum von mir wäre es, das Landeswappen von Mecklenburg-Vorpommern noch einmal heraldisch richtig zu zeichnen. Bei der Erstellung wurde viel historisches Verständnis gezeigt, aber nur wenig heraldisches. Auch die Wappen der von mir oft besuchten Ostseebäder Prerow und Ahrenshoop würde ich gern noch gestalten.

Informationen zum Hoheitszeichen des Landes

Von Anne Ziebarth

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