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Ribnitz-Damgarten Vom Stammtisch auf die Brücke
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Vom Stammtisch auf die Brücke
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00:00 18.10.2013
Laufend und walkend geht es morgen beim 6. Sparkassen Rügenbrückenmarathon über das imposante Bauwerk, das sich an seiner höchsten Stelle bis zu 42 Meter über den Strelasund aufschwingt. Quelle: Christian Rödel
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Stralsund

Der Lauf über die Rügenbrücke hat für Jörg Krabbe eine ganz besondere Bedeutung. „Als es vor sechs Jahren hieß, dass zur Eröffnung der Brücke auch ein Laufspektakel gehört, saß unsere alte Laufgruppe von Lok Stralsund gerade am Stammtisch im ,Café Bernstein‘. Wir waren uns einig: Da machen wir mit“, sagt der 54-Jährige. Er und seine Laufkumpels Otto Kunstein, Rüdiger Wehnert und Hansjoachim Lingrön wollten sich die Chance nicht entgehen lassen, die gewaltige — nur für Autos zugelassene — Brücke wenigstens einmal zu Fuß zu bewältigen.

„Damals wussten wir ja nicht, dass das mal so eine tolle Tradition wird“, sagt Krabbe. Da die Treffen des Quartetts zu jener Zeit aber öfter am Stammtisch als auf der Laufstrecke stattfanden, beschloss man die Sache vorsichtig anzugehen und meldete sich für den Sechs-Kilometer-Lauf an.

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Mit Kameras bewaffnet ging es am 21. Oktober 2007 von Altefähr aus über die Brücke. Der historische Moment sollte, auch für spätere Erzählungen am Stammtisch, bildlich festgehalten und auswertbar sein.

„Für mich war das der Wiedereinstieg ins regelmäßige Lauftraining“, erzählt Jörg Krabbe. Beim nächsten Brückenlauf nahm er sich schon die Zehn-Kilometer-Strecke vor. Inzwischen trainiert er regelmäßig beim SV Hanseklinikum. „Wir sind eine richtig gute Truppe, wo nicht so sehr die Leistung im Mittelpunkt steht, sondern der Freizeitsport und die Geselligkeit.“ Das hilft dem Schiffbauer, der wegen der Werftpleite derzeit in der Transfergesellschaft eine sorgenvolle Zeit durchlebt, auch über solche Tiefpunkte hinweg.

Seine Wettkampfstrecken sind länger geworden. Sogar den Marathon ist er vor zwei Jahren in Hamburg schon gelaufen. Aber: „Beim Brückenlauf würde ich das nicht tun“, sagt der Freizeitsportler und weiß

auch warum: „Der Marathon geht zwar auf Rügen durch ein reizvolles Stück Landschaft, doch hinter Altefähr verschwindet man genau genommen im Busch und da draußen fehlt mir als Läufer einfach auch die Atmosphäre, das Publikum, das einen über die Tiefpunkte trägt.“ Jörg Krabbe weiß, dass er mit seinem Wunsch unter den Langstreckenläufern nicht alleine ist: „Die Teilstrecke durchs Rathaus ist zwar eine nette Idee, aber deutlich zu wenig. Der Lauf sollte unter Einbeziehung einer Schleife über die Rügenbrücke hauptsächlich in Stralsund stattfinden.“

Deshalb wird Jörg Krabbe beim 6. Sparkassen Rügenbrückenmarathon morgen auf der Halbmarathon-Distanz wieder über die Brücke laufen. „Das ist jetzt für diesen Wettkampf meine Strecke geworden“, hat der Freizeitsportler für sich festgelegt. Und er ist stolz darauf, dass er es seit jenem „Kameralauf“ vom Oktober 2007 — außer im letzten Jahr, wo er wegen einer Verletzung nicht starten konnte — immer geschafft hat, an diesem Laufspektakel teilzunehmen.

Die alte Stammtischrunde trifft sich zwar immer noch, aber außer ihm ist morgen keiner mit am Start. Doch auch wenn nicht jeder in den letzten sechs Jahren immer mitgelaufen ist, waren die alten Haudegen meist dabei, etwa als Streckenposten. Jörg Krabbe weiß warum: „Diese Veranstaltung ist eben ein ganz besonderes Ereignis.“

Jörg Mattern

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