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Ribnitz-Damgarten Als die russischen Flieger Pütnitz verließen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Als die russischen Flieger Pütnitz verließen
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05:00 11.04.2019
Startklar für den Abflug in die Heimat. Am 11. April 1994 verließen die letzten russischen Gardeflieger den Flugplatz Damgarten. Quelle: Peter Seemann/OZ-Archiv
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Ribnitz-Damgarten/Pütnitz

Heute vor genau 25 Jahren hoben von der Betonpiste des Flugplatzes Damgarten 46 Maschinen des Typs MiG-29 in Richtung Heimat ab. Es war das Ende einer Ära, denn damit hatten die letzten russischen Kampfflugzeuge Deutschland verlassen. Die OSTSEE-ZEITUNG schrieb einen Tag später: „Regimentskommandeur Oberst Strukow steigt in eine MiG-29, ein kurzes Winken, schon rollt die Maschine langsam auf das Flugfeld, dann ein ohrenbetäubender Lärm, das Kampfflugzeug steigt auf in Richtung Westen, dreht über Ribnitz-Damgarten ab nach Osten und entschwindet in den Wolken...Damit begann der Abzug der letzten russischen Fliegereinheit aus Deutschland. Im Zehnminutentakt folgten der Kommandeursmaschine dann jeweils zwei Kampfmaschinen. Insgesamt waren es an diesem Vormittag 46 Flugzeuge..., die zum letzten Mal von der Betonpiste des Pütnitzer Flugplatzes abhoben. Am Rande der Rollbahn standen Soldaten, Offiziere und Familienangehörige, um den Piloten zuzuwinken.“

Ungewisse Zukunft in der Heimat

Neben den Maschinen des 773. Jagdfliegerregiments Damgarten traten an diesem Tag auch MiG-29-Maschinen vom 33. Jagdfliegerregiment aus Wittstock die Reise in die russische Heimat an, sie waren wenige Tage zuvor nach Damgarten verlegt worden. „Mit dem Abzug dieser letzten Kampfflugzeuge aus Deutschland haben wir unsere Verpflichtungen aus den Abzugsverträgen erfüllt“, so zitierte damals die OZ Oberstleutnant Wladimir Beljakow, Presseoffizier der russischen Luftstreitkräfte.

Die Angehörigen der Damgartener Garnison blickten wie alle Angehörigen der russischen Streitkräfte, die bis 1994 aus Deutschland abgezogen wurden, in eine sehr ungewisse Zukunft. Denn nach dem Zerfall der Sowjetunion hatte ihre Heimat mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Niemand wusste, was ihn zu Hause erwartete. Die Angst vieler Offiziere und Soldaten sei mit Händen zu greifen gewesen, erinnert sich der Ribnitz-Damgartener Ex-Bürgermeister Jürgen Borbe.

Zwei MiG-29 beim Start. Quelle: Peter Seemann/OZ-Archiv

In Ribnitz-Damgarten machte sich hingegen Erleichterung breit. Denn mit dem Abzug der russischen Flieger war es endlich vorbei mit dem Fluglärm. Den mussten die Ribnitz-Damgartener und die Bewohner umliegender Ortschaften 42 Jahre lang ertragen. Geübt wurde Tag und Nacht, Rücksicht auf die Bevölkerung wurde nicht genommen. Besonders gefürchtet waren die Tiefflüge über der Stadt. Beschwerden einzelner Bürger, die auf dem Tisch von Karl-Heinz Hoffmann, Minister für Nationale Verteidigung der DDR, landeten, wurden abgeschmettert. Die Belastungen durch den Fluglärm waren so groß, dass sich immer wieder auch die SED-Kreisleitung Ribnitz-Damgarten mit dem Thema befassen musste. Anrufe beim Kommandeur der Damgartener Garnison nutzten allerdings nichts.

Am 11. April 1994 verließen die letzten russischen Kampfflugzeuge den Flugplatz Damgarten.

Offener Protest gegen den Fluglärm war erst nach der politischen Wende im Herbst 1989 möglich. Die erste Demonstration fand am 11. Juni 1990 statt. Etwa 2500 Einwohnerinnen und Einwohner nahmen daran teil. Der Demonstrationszug formierte sich vor der Kirche Damgarten und endete vor dem Tor des Flugplatzes. Dort ergriff unter anderem Wolfgang Pohlmann das Wort. Er bezeichnete diesen Tag als historisches Ereignis in der Stadtgeschichte. Während bei den Ribnitz-Damgartenern Aufbruchstimmung und die Hoffnung aufkam, den Fluglärm aus der Stadt verbannen zu können, herrschte bei den sowjetischen Offizieren und Soldaten große Verunsicherung.

Anatoli Schurawljow, mit dem der Autor dieses Beitrages 2014 sprechen konnte, war von 1985 bis 1990 auf dem Flugplatz als Sekretär der Jugendorganisation Komsomol im Rang eines Fähnrichs tätig und erinnert sich: „Die Bilder vom Mauerfall haben wir im Fernsehen der DDR gesehen. Wie gebannt haben wir die Ereignisse verfolgt. Anfangs konnten wir nicht begreifen, was da eigentlich vor sich ging. Was sollte nun werden?“

Da man nicht wusste, ob nach den ersten Wochen und Monaten des Mauerfalls alles friedlich bleiben würde, habe man auf dem Flugplatz sofort die Wachen verstärkt und den Frauen verboten, das Gelände zu verlassen und nach Ribnitz-Damgarten zu fahren. „Aber zum Glück blieb alles friedlich. Nachdem Michail Gorbatschow klar gemacht hatte, dass sich die Sowjetunion nicht gegen eine Wiedervereinigung stellen werde, entspannte sich die Lage deutlich“, so Schurawljow.

Ehemaliger Flugplatz soll touristisch genutzt werden

2008 erwarb die Stadt Ribnitz-Damgarten von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) das Areal für insgesamt 4,7 Millionen Euro. Auf 50 Hektar des einstigen Flugplatzes entstand später ein Solarpark, dadurch flossen 3,2 Millionen Euro in die Stadtkasse. Nachdem 2016 das Raumordnungsverfahren positiv für die Stadt zum Abschluss gebracht werden konnte, war der Weg für eine touristische Entwicklung von Pütnitz frei. Auf einer Teilfläche von 232 Hektar soll dort der Landschaftspark am Bodden entstehen. Die maximale Betten-Kapazität wurde auf 2800 festgelegt. Vorgesehen sind weiterhin 120 Bootsliegeplätze und Golfplätze. Außerdem Hotels, Ferienappartements, Ferienhäuser, Sport-, Freizeit- und Erholungseinrichtungen sowie Gastronomie-, Laden- und Dienstleistungsangebote. Die Ergebnisse des Raumordnungsverfahrens wurden jetzt in den Flächennutzungsplan von Ribnitz-Damgarten eingearbeitet. Damit würden die planungsrechtlichen Grundlagen geschaffen, um mit Interessenten weiter konkret verhandeln und Bebauungspläne aufstellen zu können, sagte Bauamtsleiter Heiko Körner.

Wichtige Jagdfliegerbasis

Die Halbinsel Pütnitz war bereits seit Mitte der 1930er Jahre Militärstandort. Die Wehrmacht hatte hier einen kombinierten Land- und Seeflugplatz für die Ausbildung von Piloten bauen lassen. Am 2. Mai 1945 wurde der Flugplatz kampflos von sowjetischen Einheiten eingenommen. Von 1948 bis Ende 1951 wurden hier in der Bodden-Werft Fischkutter gebaut.

1952 übernahm die Rote Armee Pütnitz, es erfolgte die Umbenennung in Flugplatz Damgarten. Vier Jahrzehnte lang war er Standort des Stabes der 16. Jagdfliegerdivision und des 773. Jagdfliegerregiments und gehörte zu den wichtigsten Militärbasen der Roten Armee auf dem Boden der DDR.

Edwin Sternkiker

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