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Ribnitz-Damgarten Vorpommern-Rügens Frau des Jahres: Hinfallen, aufstehen, weitermachen
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Vorpommern-Rügens Frau des Jahres: Hinfallen, aufstehen, weitermachen

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11:00 16.01.2020
Dr. Doris Schmutzer in ihrer Zahnarztpraxis. 1989 zog die 61-Jährige nach Bad Sülze, seit 2000 ist sie Bürgermeisterin. Quelle: Robert Niemeyer
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Bad Sülze

Carpe diem: Mit diesem bekannten Motto werden die Patienten begrüßt, die täglich die Zahnarztpraxis von Dr. Doris Schmutzer in Bad Sülze besuchen. Nutze den Tag! Während in vielerlei Hinsicht dieser Sinnspruch aufgrund inflationären Gebrauchs ein wenig abgegriffen wirken mag, hier passt er wie die Faust aufs Auge. „Ich bin ein Frühaufsteher“, sagt Doris Schmutzer. Um fünf Uhr geht es täglich aus den Federn. Und je mehr Zeit man am Tag hat, desto mehr kann man schaffen. Und zu tun hat Vorpommern-Rügens Frau des Jahres immer etwas. „Ich bin ein kleiner Workaholic“, so die 61-Jährige.

„Die Auszeichnung ist natürlich eine Ehre, obwohl man das Ehrenamt ja macht, weil es Spaß macht und man helfen kann“, sagt Doris Schmutzer. Dennoch, eine solche Ehrung sei auch ein Zeichen der Wertschätzung, des Dankes. „Denn es ist oft auch ein Kampf gegen Windmühlen.“

Nicht gewählt und doch im Amt

Und diese waren in Bad Sülze in den vergangenen Jahren besonders hoch. Seit Ende der 1990er Jahre engagiert sich die gebürtige Rostockerin in der Kommunalpolitik. Stadtoberhaupt wird sie jedoch eher ungeplant. Als im Jahr 2000 der damalige erst ein Jahr zuvor gewählte Bürgermeister sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegt, rückt Doris Schmutzer als seine Stellvertreterin nach, wird amtierende Bürgermeisterin. Bereits ein Jahr später wird erneut gewählt. Das Wahlrecht hatte sich geändert. Erstmals wurden in Mecklenburg-Vorpommern Bürgermeister direkt gewählt. Doris Schmutzer stellt sich zur Wahl, verliert jedoch knapp. Doch die Stadtvertretung verweigert dem Gewinner die Anerkennung. Stasi-Vergangenheit. Schmutzer wird Bürgermeisterin und ist es bis heute.

Darüber, dass sie eigentlich gar nicht die gewählte Bürgermeisterin war, habe sie sich keine Gedanken gemacht. „Ich hatte damit kein Problem. Egal wie die Situation ist, ich versuche, immer mein Bestes zu geben“, so Doris Schmutzer. Die Wähler hat sie jedenfalls schnell überzeugt.

Not macht erfinderisch

Dabei war es kein einfacher Weg. Mit Amtsantritt Schmutzers war die Dahlienstadt ziemlich pleite. Haushaltskonsolidierung, Zwangsverwaltung. „Wir hatten im Prinzip keinen Gestaltungsspielraum“, so Doris Schmutzer. „Aber wir leben hier. Und ich wollte dafür sorgen, dass man hier auch weiterhin gut leben kann.“

Doris Schmutzer (l.) wurde von Landrat Stefan Kerth als Vorpommern-Rügens Frau des Jahres geehrt – hier mit Kerth und Kulturpreisträgerin Gabriele Raskop. Quelle: Christian Rödel

Die schwierige Situation habe anderseits dazu geführt, dass die Bad Sülzer enger zusammengerückt sind, vor allem, um das gesellschaftliche und kulturelle Leben aufrechtzuerhalten. Die Ausrichtung des Dahlienfestes, damals mehr oder weniger auf dem absteigenden Ast, wurde beispielsweise an den Kultur- und Heimatverein „ausgegliedert“. „Die Ehrenamtler der Stadt waren viel stärker gefordert“, erinnert sich Doris Schmutzer. Mittlerweile ist das Dahlienfest wieder ein Publikumsmagnet. Und die Ehrenamtler eine wichtige Säule Bad Sülzes. „Not macht erfinderisch. Wir haben gelernt, mit wenigen Mitteln etwas zu machen.“ Deshalb ist auch für die Bürgermeisterin das Ehrenamt besonders wichtig. Jährlich zeichnet sie deshalb beim Neujahrsempfang der Stadt zwei verdiente Ehrenamtler aus.

Endlich gestalten

Bad Sülze ist meine Heimat geworden“, sagt Doris Schmutzer. 1989 zog sie mit ihrem damaligen Mann und ihrem Sohn aus Sachsen an die Recknitz. Zwei Zahnarztstellen waren frei geworden, weil die Stelleninhaber 1988 in die BRD gereist waren und dort geblieben sind. „Ich habe mich hier immer wohlgefühlt.“

Ihr Hang zum Workaholic, aber auch ihr harmonisches Umfeld – Freunde, Sohn und Schwiegertochter, ihr Lebensgefährte Christian Pauli – gaben dabei stets Halt in schwierigen Situationen. Und ein wesentlicher Charakterzug: „Ich sage immer: Man kann hinfallen, muss aber wieder aufstehen.“

Und möglicherweise die Früchte jahrelanger Arbeit ernten. Denn im Grunde ist der Haushalt der Stadt Bad Sülze erst seit vergangenem Jahr konsolidiert. Mit der Kommunalwahl sei eine gute Stadtvertretung mit zwei guten Fraktionen gewählt worden. Nun sei Gelegenheit, Schritte nach vorn zu machen. Die Kastanienallee wurde bereits saniert. Der Bau einer neuen Grundschule steht in den Startlöchern. Der Kurpark soll saniert werden. „Und wir müssen etwas für die Innenstadt tun“, so Doris Schmutzer.

Und die Voraussetzungen, als Bürgermeisterin noch intensiver zu wirken, hat sie vor kurzem geschaffen. Am 1. Februar übergibt sie ihre Zahnarztpraxis an ihren Nachfolger Samuel Wiesenberg, arbeitet dann angestellt und weniger. „Vielleicht noch ein oder zwei Jahre“, wie sie sagt. „Aber ich wollte, dass Bad Sülze unbedingt weiter einen Zahnarzt hat“, erklärt sie ihre frühzeitige Suche nach einem Nachfolger. „Ich freue mich darauf, mehr Zeit für das Bürgermeisteramt zu haben“, sagt Doris Schmutzer. Denn je mehr Zeit man hat, desto mehr kann man schaffen.

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Von Robert Niemeyer

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