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Ribnitz-Damgarten Wahlkrimi auf dem Darß bot viele Facetten
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Wahlkrimi auf dem Darß bot viele Facetten
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18:12 27.05.2019
19 Stunden wurden benötigt, um die Stimmen in Born auszuzählen. Bürgermeister Gerd Scharmberg (Mi.) ist wiedergewählt. Quelle: Timo Richter
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Fischland-Darß

Ein Bürgermeister wird erst nach 19 Stunden Auszählung bestätigt, ein anderer gewinnt laut vorläufigem Ergebnis mit gerade einmal zehn Stimmen Vorsprung, ein dritter wird erst gar nicht gewählt – die Kommunalwahlen haben auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst für reichlich Spannung gesorgt.

Ein Wahlkrimi hat sich in Born abgespielt. Mehr als argwöhnisch beäugt erfolgte die Wahl in Born. Und weil im Vorfeld schon einmal Spekulationen für eine mögliche Manipulation der Wahl aufgemacht wurden, haben es die Wahlhelfer in dem Boddendorf ganz genau genommen. Mehrfach wurden die Stimmzettel gerade für die Wahl der Gemeindevertretung und im Besonderen für die des Bürgermeisters gezählt. Am Ende hatte Gerd Scharmberg (Bürger für Born) die Nase vorn. Er erhielt 472 Stimmen, 328 Borner votierten für seinen Herausforderer Klaus-Dieter Holtz (Unsere Heimat Born).

Rekordverdächtig lange Auszählung

19 Stunden nach Schließen des Wahllokals in der Bibliothek im Borner Hof und drei Tassen Kaffee später will sich Wahlhelferin Christa Saatmann erst einmal ausruhen. Vielsagend sind die Blicke der 86-Jährigen zu den Gründen der rekordverdächtig langen Auszählung im Bereich des Amtes Darß/Fischland. Seit 1994 stellt sich die Seniorin zur Verfügung, so etwas habe sie aber noch nie erlebt. Nur einmal dauerte eine Auszählung bis in die frühen Morgenstunden.

Knapp 20 Vertreter aller drei Wählergemeinschaften harren noch am späten Vormittag aus. Die Beobachter sitzen den Wahlhelfern, die da schon längst Unterstützung aus dem Amt Darß/Fischland erhalten haben, förmlich im Nacken. Als dann die Wahlzettel endlich mehrfach gezählt, die Zahl der Stimmen in jede Richtung quergerechnet sind, lässt sich ein Ergebnis an den Stapeln der Stimmzettel erahnen. Eifrig hatten Vertreter von Bürger für Born und Unsere Heimat Born akribisch eine eigene Strichliste geführt.

Zünglein an der Waage

Für die Herausforderer steht das Ergebnis schon vor der Verkündung fest. Die Unterlegenen räumen das Feld. Ein völlig übermüdeter Bürgermeister Gerd Scharmberg macht sich nach Verkündung des Ergebnisses wortlos am Arm seiner Tochter von dannen. Zurück bleibt eine Atmosphäre, in der ein paar Freudentränen gekullert sind, aber auch viel Unversöhnlichkeit zu spüren war. Der Dank aller war den Wahlhelfern gewiss, die ihre Arbeit unermüdlich verrichtet haben.

Verloren haben die Bürger für Born ersten Zahlen zufolge die absolute Mehrheit. Inklusive Bürgermeister kann die Wählergemeinschaft nur noch fünf Sitze in der Gemeindevertretung einnehmen. Zwei Sitze gehen demnach an die Borner Alternative, drei an Unsere Heimat Born. Mit in der Gemeindevertretung und damit „Zünglein an der Waage“ wird aller Voraussicht nach Niklas Ziemann (CDU).

Kopf-an-Kopf-Rennen

Spannend war es auch in Wustrow. Bürgermeister Daniel Schossow (Wählergemeinschaft SLD) konnte gerade einmal mit zehn Stimmen Vorsprung vor seinem Herausforderer Daniel Schimmelpfennig (CDU) die Wiederwahl gewinnen. Weil auch in dem Ostseebad mehrfach nachgezählt wurde, ließ die Konzentration der Wahlhelfer tief in der Nacht nach. Irgendwann schließlich wurden sie erlöst, Mitarbeiter des Amtes haben die Unterlagen als Lose-Blatt-Sammlung ins Amt verfrachtet und die Auszählung dort vollendet. Eine mögliche Sitzverteilung lag am Montagmittag noch nicht vor. Einer ersten Bewertung zufolge würde die Wählergemeinschaft Gemeinsam für Wustrow mit drei Bewerbern in die Gemeindevertretung einziehen. Auch die Einzelbewerber Frank Hartmann und Michael Unger würden jeweils einen Sitz in dem Gremium erhalten. Zwei Sitze könnte demnach die Wählergemeinschaft SLD einnehmen. CDU und Linke erhielten jeweils zwei Sitze in der Gemeindevertretung.

Deutlich mehr Nein-Stimmen als Ja-Stimmen hat der Bürgermeisterkandidat der Wählergemeinschaft Wir für Wieck, Hans-Joachim Budde, erhalten. Die meisten Stimmen für die Wahl der Gemeindevertretung Wieck holte der einstige Bürgermeister Niels Heck. Der Einzelbewerber wird dem vorläufigen Ergebnis zufolge mit den anderen Einzelbewerbern Kay Wollgast und Klaus Schütt sowie vier Vertretern von Wir für Wieck und zwei weiteren der Wählergemeinschaft Bürger für Wieck, darunter der bisherige Bürgermeister Bernhard Evers, in das Gremium einziehen. Ein Sitz würde den Zahlen zufolge an die CDU gehen. Einen Bürgermeister müssen die neuen Gemeindevertreter dann aus ihrer Runde wählen.

Verantwortung für Prerows Zukunft

Künftig werden in Prerow klare Verhältnisse herrschen. Mit 431 Ja-Stimmen gegen 94 Nein-Stimmen wurde René Roloff (Prerows Zukunft) klar als Bürgermeister bestätigt. Weil die einstige Mehrheit der Fraktion des Gewerbevereins dem vorläufigen Ergebnis zufolge in der Gemeindevertretung auf drei Sitze geschrumpft ist, kann Prerows Zukunft sieben Sitze einnehmen. Andreas Meller, ehemaliger Bürgermeister und Wortführer der Fraktion Gewerbeverein, hat einen direkten Sitz in der Gemeindevertretung verpasst. Bürgermeister René Roloff zeigte sich am Montag überrascht, wie klar die Wählergemeinschaft Prerows Zukunft gewonnen habe. „Wir wollten Verantwortung übernehmen, das war unser Ziel. Das haben wir erreicht.“

Mit großem Vorsprung hat in Ahrenshoop Benjamin Heinke (CDU) die Wahl zum Bürgermeister gewonnen. Er bekam mit 385 Stimmen 87,7 Prozent der gültigen Stimmen. Einzelbewerber Lars Harenberg erhielt lediglich 54 Stimmen. Er erhält dem vorläufigen Wahlergebnis zufolge aber einen Sitz in der Gemeindevertretung. Größte Fraktion ist den Zahlen zufolge die CDU mit vier Sitzen gefolgt vom Förderkreis mit zwei Sitzen, die an Katharina Klünder und Roland Fischer gehen. Auch Olaf Fretwurst wird als Einzelbewerber in die Gemeindevertretung des Künstlerortes einziehen.

Bürgermeisterin klar bestätigt

Ganz klar wurde in Dierhagen Christiane Müller als Bürgermeisterin bestätigt. Als Vertreterin der Wählergemeinschaft Bündnis für Dierhagen erhielt sie 265 Ja-Stimmen, das entspricht einer Zustimmung von 84,3 Prozent. Die Wählergemeinschaft wird auch mit Abstand größte Fraktion in der Gemeindevertretung: Sieben der zehn Sitze werden an das Bündnis gehen. Zwei Sitze erhält den vorläufigen Zahlen zufolge die Freie Wählergemeinschaft, einen Sitz errang die CDU.

Am Mittwoch kommen die Mitglieder des Wahlausschusses zusammen, um die Ergebnisse zu bestätigen. Erst dann sind die Zahlen „amtlich“.

Timo Richter

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