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Ribnitz-Damgarten Warum in Ribnitz-Damgarten gerade im Eiltempo etliche Wohngebiete ausgewiesen werden.
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Warum in Ribnitz-Damgarten gerade im Eiltempo etliche Wohngebiete ausgewiesen werden.
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18:31 27.11.2019
Im neuen Wohngebiet Sandhufe IV in Ribnitz sind alle Grundstücke verkauft. 46 neue Eigenheime entstehen hier. Das Wohngebiet soll erweitert werden. Quelle: Robert Niemeyer
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Ribnitz-Damgarten

Im Sprinttempo weist die Stadt Ribnitz-Damgarten auf den letzten Metern des Jahres eine ungewöhnlich hohe Zahl an Wohngebieten aus. Gleich für fünf Bebauungsplanverfahren gaben die Mitglieder des Bauausschusses der Ribnitz-Damgartener Stadtvertretung am Dienstagabend grünes Licht. Grund für die Eile ist nicht nur die nach wie vor hohe Nachfrage nach Wohnraum, sondern auch, dass mit Ende des Jahres eine rechtliche Vereinfachung verschwindet.

Dabei handelt es sich um den sogenannten Paragrafen 13b des Baugesetzbuches. Der erlaubt es Städten und Gemeinden, in Randbereichen von bereits bestehenden Wohngebieten auf einfache Weise neue Wohngebiete auszuweisen. Bis vor einigen Jahren war hierfür ein kompliziertes, langwieriges Verwaltungs- und Planverfahren notwendig. Dank Paragraf 13b ist hier ein sogenanntes beschleunigtes Verfahren möglich. Seit 2017 steht dieser Paragraf im Baugesetzbuch, allerdings befristet bis zum 31. Dezember dieses Jahres. Dann wird er wieder gestrichen.

Keine Ausgleichsmaßnahmen

Dank dieser rechtlichen Regelung kann die Stadt als Planerin unter anderem auf gewisse Umweltprüfungen verzichten. Außerdem müssen für Eingriffe in die Natur keine sogenannten Ausgleichsmaßnahmen geschaffen werden, etwa für abgeholzte Bäume an anderer Stelle neue gepflanzt werden. Aus Sicht des Naturschutzes ein durchaus kritischer Aspekt. „Wir pflastern hier Wohngebiete hin und es wird kein neuer Baum gepflanzt“, merkte dazu Joachim Paul (Die Linke), als sachkundiger Einwohner Mitglied des Bauausschusses an.

Diese Wohngebiete werden geplant

Das wohl größte Wohngebiet der jüngst vom Bauausschuss beschlossenen ist die Sandhufe V. Bekanntlich wurde das Gebiet Sandhufe IV so gebaut, dass in Richtung Südosten eine Erweiterung möglich ist. Etwa fünf Hektar umfasst die Fläche. Das tatsächlich bebaute Gebiet werde deutlich kleiner, so Guido Keil.

Nördlich der Pütnitzer Straße sollen alte, landwirtschaftlich genutzte Lagerhallen mehreren Eigenheimen weichen.

An der Richtenberger Straßein Damgarten, parallel zur Feldstraße, sollen eine Kleingartenanlage aufgelöst werden und Eigenheime entstehen.

Zwischen den Straßen Schanze und Am Petersdorfer Weg in Ribnitz soll südlich des Grabens ebenfalls ein Wohngebiet ausgewiesen werden.

In Damgarten sollen das ehemalige Firmengelände der Vergölst GmbH an der Saaler Chaussee und eine Wiese in das Wohngebiet „Am Tannenwald“ umgewandelt werden.

„Wir sind an Ausgleichsmaßnahmen interessiert“, sagt Bauamtsleiter Heiko Körner, „wenn sie gefordert werden.“ Werden sie in diesen Fällen jedoch nicht. Gleichzeitig betont Körners Mitarbeiter Guido Keil (Sachgebiet Bauleitplanung), dass in Ribnitz-Damgarten in Sachen Umweltausgleich jedoch stets vorbildlich gehandelt wurde, unter anderem beim Ansparen von Ökopunkten durch Naturschutzprojekte. Diese könnten als Ausgleichsmaßnahmen angerechnet werden.

Gleichzeitig relativiert Keil die Auswirkungen der möglichen Eingriffe in die Natur bei den betroffenen Gebieten.In Pütnitz beispielsweise ist die Fläche nördlich der Pütnitzer Straße bereits mit Lagerhallen bebaut. Östlich der Feldstraße soll in Damgarten – gestützt durch das Kleingartenkonzept der Bernsteinstadt – eine so gut wie kaum noch genutzte Kleingartenanlage des Kleingartenvereins Tannenblick-Freundschaft Einfamilienhäusern weichen. Zudem seien weitere Prüfungen wie beispielsweise eine Artenschutzuntersuchung weiterhin vorgeschrieben. Diese könnten je nach Ergebnis trotzdem Umweltschutzmaßnahmen erfordern.

In den vergangenen Jahren habe die Stadt mit der Anwendung des Paragrafen 13b bereits gute Erfahrungen gemacht. Die Baugebiete „Alte Schmiede“ in Petersdorf, „Achterberg II“ in Klockenhagen sowie „Sandhufe III“ (Ehemalige Viehverkaufsstelle) an der Sanitzer Straße in Ribnitz konnten so unkompliziert geplant werden.

Günstige Grundstücke

Das Wohngebiet "Alte Schmiede" in Petersdorf wird derzeit erschlossen. 26 Baugrundstücke entstehen hier. Quelle: Robert Niemeyer

Zudem würden die Vorteile überwiegen. Nicht nur, dass das Planverfahren schneller abgeschlossen werden kann – bis Ende 2021 müssen die fünf B-Pläne sogar beschlossen sein. Der einfache Weg sei auch der kostengünstige, da weniger Geld für Untersuchungen und eben auch für die Ausgleichsmaßnahmen ausgegeben werden muss. „Das spiegelt sich später im Grundstückspreis wieder“, so Heiko Körner. Die Einsparungen bei der Planung werden also an die späteren Grundstückskäufer weitergegeben.

Die Stadt stehe außerdem unter Druck, die nach wie vor ungebrochene Nachfrage nach Baugrundstücken zu befriedigen. Bereits geplante Baugebiete seien dafür beispielhaft: Die Grundstücke im erst vor wenigen Monaten freigegebenen Wohngebiet Sandhufe IV sind bereits alle verkauft. Die Grundstücke im Wohngebiet „Alte Schmiede“ in Petersdorf sind laut Guido Keil so gut wie alle vergeben.

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Von Robert Niemeyer

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