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Ribnitz-Damgarten Wettfahrt auf dem Saaler Bodden
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Wettfahrt auf dem Saaler Bodden
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14:00 28.06.2018
Wettfahrt unter Freunden: Mit Zeesbooten geht es am Samastag wieder über den Saaler Bodden.
Wettfahrt unter Freunden: Mit Zeesbooten geht es am Samastag wieder über den Saaler Bodden. Quelle: Söllner Frank
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Wustrow

Die Vorfreude auf anspruchsvolles Segeln vom Feinsten auf dem Saaler Bodden steigt bei Olle Uwe Kabelitz von Tag zu Tag. Mit mehr als 30 Zeesbooten, die auf Regatta-Kurs gehen, rechnet der Hafenmeister des Fischländischen Segelclubs Godewind in Wustrow auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst am Samstag.

Am Samstag gehen mehr als 30 Zeesboote an den Start. Sie zu beherrschen setzt viel Erfahrung voraus. Trotz aller Konkurrenz: Es ist auch ein Treffen mit Freunden.

Sportlicher Wettkampf unter Freunden

„Am meisten freue ich mich auf das Wiedersehen mit den gestandenen Skippern. Ich bin schließlich mit vielen Kapitänen alt geworden“, sagt der 78-jährige, gelernte Bootsbauer. Er wird den Besatzungen der schwimmenden Oldtimer unter anderem Liegeplätze zuweisen und den Hunderten von Schaulustigen an Land Rede und Antwort stehen.

„Segeln und Regatta sind zwei unterschiedliche Welten“, betont Rennleiter Oliver Kuschke (53). Die Yacht „Low Pressure“ des gelernten Segelmachers dient als Startboot. „Auf dem Dreieckskurs wird um jeden Meter und jede Sekunde gekämpft“, betont der Hüne, der als junger Mann selbst aktiv gesegelt ist.

„Die Abstände bewegen sich oft im Sekundenbereich. Da unterscheiden wir uns nicht von den Profis“, bestätigt der gebürtige Rostocker Dr. Achim Tamm (69). „Es wird auch mal laut an Bord. Doch der Teamgeist geht nicht verloren“, versichert der Besitzer des 1927 gebauten Zeesbootes „Krischan“. In Gefahr gerät trotz aller sportlichen Rivalität auch nicht die Freundschaft zu den Wustrower Segelkameraden Peter Eymael (79) und Andreas Schönthier (65).

„Wir reizen die Grenzen aus.“

Die einstigen Kapitäne auf großen Frachtern und Fähren bzw. Schiffen der Hochseefischerei schicken jeweils zwei ihrer bis zu elf Tonnen schweren, akribisch gepflegten Holzkähne ins Rennen.

„Man benötigt ein gutes Händchen für den Wind. Drei bis vier Windstärken sind ideal. Wir reizen die Grenzen aus, ohne aber unkalkulierbare Risiken einzugehen“, sagt Eymael. Er nimmt seit mehr als 50 Jahren an Wettfahrten mit den locker sieben Knoten (etwa 13 km/h) schnellen Booten teil.

„Ein Zeesboot hat wenig Tiefgang und reagiert sofort. Es segelt sich wie ein Finn Dinghy“, erläutert Dr. Tamm, der seit dem sechsten Lebensjahr Erfahrungen in den verschiedensten Bootsklassen gesammelt hat.

Erfahrung ist der Schlüssel des Erfolgs

„Auf einem Zeesboot kann man das Segeln gut erlernen. Um mit diesen Holzkähnen schnell zu sein, braucht es aber eine Menge Erfahrung“, sagt Schönthier. Neben der Güte des Bootes, hier spielt die Form des Rumpfes eine große Rolle, brauche es eine eingespielte Mannschaft und auch ein wenig Dusel. „Segeln ist unser Leben“, versichert der Fischer. Er erlernte das Wassersport-Abc in Sassnitz und beschäftigt sich seit Mitte der 1970er Jahre intensiv auch mit Zeesbooten.

Zeesboote - Segler mit Geschichte

Die ersten dieser Arbeitsboote stammten aus dem 15. Jahrhundert. Jeder Fischer hatte sein ganz eigenes Gefährt. Es war auf die Fanggründe und die Bedürfnisse der Besitzer zugeschnitten. „Die meisten der Holzkähne wurden zwischen 1910 und 1930 gebaut. Um 1900 gab es etwa 1000“, erläutert Schönthier. Die alten Segler waren bis in die 1960er Jahre vor der Halbinsel, vor der Insel Rügen bis hin zum Oderhaff und den dänischen Inseln unterwegs.

Als jedoch die Stellnetzfischer erfolgreich synthetische Netze einsetzten, lohnte die Zeesenfischerei nicht mehr. Die einst stolze Flotte schrumpfte. „Bis 1987 habe ich noch aktiv im Großen Jasmunder Bodden mit dem Zeesboot gefischt und besitze auch aktuell eine Genehmigung für diese traditionelle Methode der Schleppnetzfischerei unter Segeln“, so Schönthier. Im September demonstrieren er auf seiner „Sannert“, der Barther Nils Rammin auf der „Vorwärts“, der Pruchtener Horst Grählert auf der „Paula“ und der Bodstedter Martin Rurik auf der „Bernstein“ beim Schaufischen auf den Saaler Bodden das alte Handwerk.

Dass es heutzutage überhaupt noch Zeesboote gibt, liege daran, dass es „Verrückte“ wie sie gab, ist sich das Skipper-Trio einig. Zu DDR-Zeiten sei man beispielsweise regelmäßig im Frühjahr mit 20 bis 30 Männern zum Bäumefällen ausgerückt, um geeignetes Holz für die Masten zu besorgen. „Lärchen und speziell gewachsene Fichten haben wir bevorzugt“, erinnert sich Dr. Tamm.

Wer die wenigsten Fehler macht, gewinnt

Die drei gestandenen Seemänner haben sich auf die Regatta akribisch vorbereitet. Eymael und Schönthier werden bei ihren Oldtimern noch die Segel wechseln. Denn „Butt“ und „Bill“ bzw. „Sannert“ und „Blondine“ starten normalerweise mehrmals am Tag von Wustrow und Althagen aus zu Törns mit Urlaubern auf den Saaler Bodden. Dr. Tamm inspiziert noch einmal die Ordnung im Ruderkasten und teilt die Mannschaft ein. Klar ist, wer die wenigsten Fehler macht, gewinnt.

Schülermann Philip