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Ribnitz-Damgarten Nach Großbrand in Wieck: Ein Zuhause in Schutt und Asche
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Nach Großbrand in Wieck: Ein Zuhause in Schutt und Asche
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16:25 27.03.2019
Eine Scheune, ein Wohnhaus sowie eine Ferienunterkunft sind in der Nacht zu Mittwoch in Wieck komplett abgebrannt. Jürgen Gründling schaut auf sein zerstörtes Zuhause. Quelle: Timo Richter
Wieck

Schwarz glänzt verkohltes Holz im Nieselregen, eine müde gewordene Rauchfahne zieht über die Reste einer Scheune. Es riecht verbrannt, ein Teppich aus Löschschaum schafft es nicht, die vollständige Zerstörung eines Zuhauses zu überdecken. Jürgen Gründling hat in der Nacht zu Mittwoch alles verloren, nicht aber das Leben und nicht die Familie. Ein Feuer hat in der Nacht das Anwesen im Strandweg in Wieck komplett gefressen, ein direkt benachbartes Wohnhaus wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Der Wiecker Wehrführer Kay Wollgast glaubt nicht, dass das Haus wieder bewohnbar gemacht werden kann. Eine Ferienunterkunft in einem alten Zirkuswagen wurde ebenfalls ein Raub der Flammen. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf rund 350 000 Euro.

Nicht verloren hat Jürgen Gründling seine Zuversicht, er glaubt an eine Zukunft auf dem Grundstück. Der 75-Jährige – ein bisschen Sonderling auf liebenswerte Art – will einen „kompletten Neustart“ wagen. Angesichts des gewaltigen Trümmerhaufens scheint das utopisch. Doch der Bernsteinschleifer und Schmuckhersteller gibt sich äußerlich gelassen. Er hat eigenen Worten zufolge schon viel durchgemacht. Zuerst fällt ihm ein Abenteuerurlaub in Indonesien ein. Dort habe er ein minutenlanges Erdbeben jenseits der Marke sieben auf der Richter-Skala überlebt. Er hatte sich einst intensiv mit autogenem Training beschäftigt. Jürgen Gründling bleibt damals wie heute die Ruhe selbst. Aus den Trümmern sieht er schon ein neues Zuhause erwachsen.

In Wieck ist eine Scheune und ein Reetdachhaus abgebrannt.

Hund warnt mit Gebell

Um halb zwei bellt der Hund, eigentlich ungewöhnlich, sagt Jürgen Gründling. Schläfrig schaut er zum Fenster. Den orangefarbenen Himmel habe er eigenen Worten zufolge als Wettererscheinung gedeutet. „Es hat nichts geknackt, nichts geknistert, nichts geflackert.“ Doch der Hund bellt weiter, und ein Blick aus dem Fenster lässt den Senior hellwach werden. „Die ganze Wand stand in Flammen.“ Nichts als raus! Zum Glück, wird Jürgen Gründling wenige Stunden später sagen, ist seine Frau nicht da, Trauerbesuch auswärts.

Er weckt seinen Sohn Heiko, der bis dahin noch in Träumen schwelgt, greift eine Notfallkassette mit persönlichen Dokumenten – „hoffentlich habe ich die richtige erwischt“ – und flieht mit Heiko aus dem Haus. Dann kommt auch schon die Feuerwehr. Schnell steht das auch Wohnhaus in Flammen, das Rohrdach der Scheune brennt lichterloh, ein „irrer Funkenflug“, wie es Feuerwehrleute zu berichten wissen.

Wasserriegel schützen Nachbargebäude

Nach und nach treffen immer mehr Einsatzkräfte ein, an die 100, wie der Wiecker Wehrführer sagt. Um die benachbarten Gebäude zu schützen, werden Wasserriegel hergestellt. Aufgrund der starken Rauchentwicklung müssen die Bewohner eines entfernteren Hauses in Windrichtung wenigstens für ein paar Stunden das Gebäude verlassen. Gefahr für Leib und Leben hat laut Kay Wollgast aber nicht bestanden. Am Vormittag rücken dann die letzten Brandbekämpfer ab, gut acht Stunden nach dem Alarm.

Noch während Jürgen Gründling und Sohn Heiko bei Tageslicht den Schaden in Augenschein nehmen, naht erste Hilfe. Ein Wiecker bietet eine Ferienwohnung für die nächsten Wochen als Unterkunft an. Jürgen Gründling will aber erst einmal in einem Schuppen auf dem Grundstück nächtigen. Der Kapitän verlässt nicht das Schiff. Heiko kann bei seiner Arbeitsstelle übernachten, er arbeitet in einer Pension. „Jetzt zeigt sich, wer deine echten Freunde sind“, sagt Jürgen Gründling.

Für den Brand kommt eine technische Ursache in Frage, teilt die Polizei am Nachmittag mit. Nach gegenwärtigem Erkenntnisstand gehen die Ermittler nicht von einer strafbaren Handlung aus. Die Ermittlungen dauern an.

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