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Ribnitz-Damgarten Wildschweine pflügen Wohngebiet und Kleingarten um
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Wildschweine pflügen Wohngebiet und Kleingarten um
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18:15 20.03.2019
Mittlerweile grubbern sich die Schwarzkittel an den Wohnblöcken durch den Untergrund. Quelle: Robert Niemeyer
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Barth

In einem Wohngebiet Nordwesten von Barth spielen seit Wochen offenbar Wildschweine wilde Sau. Täglich würden sich nach Angaben von Anwohnern bis zu zehn Schwarzkittel durch eine Kleingartenanlage grubbern. Mittlerweile wühlen sich die Tiere bereits vor den Türen der Wohnblöcke im Vogelsang durch den Untergrund. „Ich stehe jeden Morgen um fünf Uhr auf. Da sind die in vollem Gange“, sagt Anwohnerin Uta Henk. „Selbst wenn das Licht in den Wohnungen angeht, buddeln die einfach weiter.“

Die Menschen würden sich mittlerweile nicht vor die Tür trauen, aus Angst vor den Tieren. Gerade für Schulkinder, die morgens aus dem Haus müssen, könnte es gefährlich werden, wenn sich dann noch Wildschweine in dort aufhalten. Auch den geparkten Autos kommen die Tiere mittlerweile gefährlich nahe.

Teilweise haben die Wildschweine die Wege durch die Kleingartenanlage im Vogelsang komplett umgegraben. Quelle: Robert Niemeyer

Auf der Suche nach Nahrung lassen sich die Wildschweine auch nicht von Zäunen aufhalten. Etliche Zäune in der Kleingartenanlage sind verbogen. Auch die Wege gleichen einer Kraterlandschaft. „Gerade ältere Kleingärtner, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, können hier kaum noch entlanggehen“, sagt Anwohner René Henk. , der fordert, dass etwas unternommen wird.

Tiere kommen aus dem Waldstück

Dabei sieht er die Stadtverwaltung in der Pflicht, die Bürger vor den Tieren zu schützen. „Die Stadt und die Wobau sollten schnell handeln. Wir leben in einer Stadt, und nicht in einem Wald“, meint auch Stadtvertreter Dirk Leistner, der sich vor wenigen Tagen ein Bild von den Schäden gemacht hat.

Die Tiere kommen offenbar aus dem nördlich an die Gartenanlage angrenzenden Waldstück. Laut Tommy Krüger, Jäger aus Kenz-Küstrow, hätten sich die Tiere bis vor einiger Zeit nördlich des Waldes auf Nahrungssuche begeben. Nach Angaben der Anwohner würden die Tiere mittlerweile seit zwei Jahren vor allem in der kalten Jahreszeit südlich des Waldstücks nach Futter suchen. „Aus gesetzlicher Sicht kann ein Jäger hier nicht viel machen“, sagt Tommy Krüger.

Schießen im Wohngebiet?

Schießen im Wohngebiet ist aus guten Gründen nicht erlaubt. „Wild darf nur auf ausgewiesenen Jagdflächen gejagt werden. Die Tiere wissen, dass ihnen hier keine Gefahr droht. Es herrscht kein Jagddruck“, so der Jäger.

„Die Tiere wissen, dass ihnen hier keine Gefahr droht", sagt Tommy Krüger, Jäger aus Kenz. Quelle: Robert Niemeyer

Möglich sei, die Tiere in dem nördlichen Waldstück zu bejagen. Der zuständige Revierförster habe hier jedoch keine Möglichkeiten, da das Waldstück dem Bund gehöre. Der Flächeneigentümer vergibt das Jagdrecht.

Eine andere Möglichkeit wäre, einen Zaun an der südlichen Waldgrenze zu errichten. Doch ob das Abhilfe verspricht, sei ebenfalls fraglich. „Schwarzwild ist schlau“, sagt Tommy Krüger. Gut möglich, dass die Wildschweine dann einen anderen Weg finden. Anwohner berichten, die Tiere auch schon eine Straße westlich des Waldstücks entlanglaufen gesehen zu haben.

Einwohnerversammlung geplant

Die Barther Wohnungsbaugesellschaft Wobau, die Eigentümer der Wohnblöcke im Vogelsang ist, könne nichts unternehmen. „Uns ist das Thema bekannt. Aber ich bin weder Jäger noch weiß ich wie man mit Wildschweinen umgehen kann“, sagte Wobau-Geschäftsführer Reinhard Marx auf Anfrage. Die Jägerschaft müsse die Wildschwein-Population verkleinern. Das Gebiet einzuzäunen sei ebenfalls nicht effektiv. Das würde das Problem nur auf andere Grundstücke verlagern. „Wir als Eigentümer haben keine Chance“, so Marx.

„Natürlich haben wir als öffentliche Hand einen großen Anteil an der Verpflichtung, dort etwas zu unternehmen“, sagt Barths Bürgermeister Friedrich-Carl Hellwig. Das Wie sei jedoch das Problem. Auch wenn es in der Vergangenheit schon Ausnahmen gegeben habe, hält auch Hellwig nichts davon, im Wohngebiet die Tiere abzuschießen. Andere Möglichkeiten währen Vergrämungsmaßnahmen, etwa durch Schall oder Geruchsmittel. Auch der Bau von Zäunen sei möglich. In diesem Punkt sei möglicherweise auch die Wobau gefordert. „Wir wollen für Abhilfe sorgen. Hundertprozentig bekommen wir das Problem aber wohl nicht in den Griff“, so der Barther Bürgermeister. Dafür hätten die Wildschweine in der Vergangenheit zu sehr die Scheu vor dem Menschen verloren. Außerdem wachse die Population stark an.

Die Verwaltung werde laut Hellwig nun Möglichkeiten zusammentragen. Auch die Anwohner sollen mit ins Boot geholt werden. Dafür soll eine Einwohnerversammlung stattfinden. Der genaue Termin wird in der nächsten Woche bekannt gegeben.

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Robert Niemeyer

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