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Ribnitz-Damgarten Vier Wochen kaum Alkohol: Zehnte Klasse gewinnt 300 Euro
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Vier Wochen kaum Alkohol: Zehnte Klasse gewinnt 300 Euro
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17:14 20.03.2019
Vier Wochen kein Alkohol: Die Klasse 10b der Rudolf Harbig Schule präsentiert stolz die Siegerurkunde, die Lakost-Mitarbeiter Christian Krieg (vorne links) zuvor überreicht hatte.
Vier Wochen kein Alkohol: Die Klasse 10b der Rudolf Harbig Schule präsentiert stolz die Siegerurkunde, die Lakost-Mitarbeiter Christian Krieg (vorne links) zuvor überreicht hatte. Quelle: Flemming Goldbecher
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Ribnitz-Damgarten

Mit 14 Jahren kam Leon Fenske das erste Mal mit Alkohol in Berührung. Am Tag seiner Jugendweihe trank er schon „etwas heftiger“, gesteht er. Seine Eltern zeigten sich einverstanden damit. Bis heute blieb diese Rauscherfahrung aber die Ausnahme. Der 16-Jährige Schüler der Rudolf Harbig Schule in Ribnitz-Damgarten trinkt nur zum Genuss. Und wenn, dann „eher etwas Fruchtiges“. Bier und harte Sachen meide er. „Wenn ich trinke, dann ist es Mittel zum Zweck“, sagt er. „Mit etwas Alkohol werde ich lockerer, lustiger und kann den Abend besser genießen.“

Leon Fenske, 16, Klassensprecher der 10 b der Rudolf Harbig Schule in Ribnitz-Damgarten. Quelle: Flemming Goldbecher

Fenske ist Klassensprecher der 10b. Er und seine Klassenkameraden können sich gewissermaßen zur Elite zählen, denn sie haben geschafft, woran viele Gleichaltrige gescheitert sind: Vier Wochen lang blieben sie dem Alkohol fern – mit wenigen Ausnahmen. Nichts Ungewöhnliches in dem Alter, möchte man meinen. Doch laut Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen Mecklenburg-Vorpommern (Lakost) ist der Alkoholkonsum von Jugendlichen weit verbreitet und müsse deshalb im internationalen Vergleich als hoch eingestuft werden.

Verzicht auf riskanten Alkoholkonsum

Aus diesem Grund entschied sich die Klasse 10b am bundesweiten Programm „Klar bleiben“ teilzunehmen. Das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT) hatte es zusammen mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ins Leben gerufen. Insgesamt verpflichteten sich 110 Schulen dazu, für die Dauer des Programms auf riskanten Alkoholkonsum zu verzichten. Riskant, das heißt laut Lakost, wenn zu viel und zu schnell getrunken wird, aufgrund von Gruppendruck, zur Gefühlsbewältigung oder in Verbindung mit verantwortungsvollen Situationen, wie zum Beispiel im Straßenverkehr.

21 Schulen aus MV beteiligten sich an dem Programm. Fenske und seine Mitschüler unterzeichneten zu Beginn einen Klassenvertrag, durch den sie sich zur ehrlichen Berichterstattung über ihren Alkoholkonsum verpflichteten. Neun Klassen aus dem Bundesland gewannen Geldpreise für ihre Teilnahme. Die 10b aus Ribnitz gehörte dazu.„Es gab nur zwei Schüler, die nicht klar geblieben sind“, sagt Frauke von Loga, Chemielehrerin an der Schule und Leiterin des Projekts.

90 Prozent mussten „trocken“ bleiben

Diese Ausrutscher bewegten sich jedoch noch im Rahmen der Vorgaben: Mindestens 90 Prozent der Schüler einer Klasse mussten „trocken“ bleiben, damit sie in den Topf für die Preisverlosung kam. „Ich denke, das ist den Schülern nicht schwer gefallen“, so von Loga. „Schließlich haben sie sich bewusst für die Teilnahme am Programm entschieden.“ Bei einer anderen zehnten Klasse seien hingegen nicht genügend Schüler bereit gewesen, dem Alkohol zu entsagen. 95 Prozent der Klasse waren zur Teilnahme erforderlich.

Marie Möller, 16, Schülerin der Klasse 10 b der Rudolf Harbig Schule in Ribnitz-Damgarten. Quelle: Flemming Goldbecher

Einmal wöchentlich musste von Loga der Lakost eine Rückmeldung geben. Die Ehrlichkeit der Schüler spielte dabei die entscheidende Rolle. Auf diese habe die Lehrerin voll und ganz vertraut. „Die Klasse hat das Programm sehr ernst genommen.“ Schülerin Marie Möller sieht das ähnlich. Sie habe in den vergangenen vier Wochen einiges über Alkohol gelernt, meint sie. Besonders die Videos, die die Lakost für den Unterricht bereitstellte, hätten ihr die Negativfolgen der Sucht vor Augen geführt.

Bier vor dem Unterricht

„Es war sehr lehrreich zu sehen, welche Folgen Alkohol auf den Körper haben kann“, so Möller. Die 16-Jährige trinkt zwar selbst ab und an einen Schluck, zum Beispiel auf Dorffesten, ist aber überzeugt: „Das Thema muss angesprochen werden.“ Denn wie es nicht laufen sollte, bekommt sie regelmäßig von einigen ihrer Mitschüler vor Augen geführt. „Hin und wieder trinken die auch schon morgens vor der Schule ein Bier“, verrät Möller. Die 300 Euro Preisgeld habe sich die Klasse dennoch ehrlich verdient.

Flemming Goldbecher