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Ribnitz-Damgarten Zingster Bürgermeister hört nach 25 Jahren auf
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Zingster Bürgermeister hört nach 25 Jahren auf
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17:33 08.03.2019
Andreas Kuhn
Andreas Kuhn Quelle: Timo Richter
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Zingst

Nach 25 Jahren an der Spitze der Zingster Verwaltung wird Andreas Kuhn (CDU) bei den Kommunalwahlen am 26. Mai nicht zur Wiederwahl antreten. Im OZ-Gespräch äußert sich der 54-Jährige zu Gründen und Zukunftsplänen.

Herr Kuhn, mit ihrem Ausscheiden endet in Zingst eine Ära. Warum wollen Sie sich nicht einer Wiederwahl stellen?

Das ist eine ganz persönliche Entscheidung, die ich mir nicht leicht gemacht habe. Ich habe wirklich lange überlegt, bin zu dem Ergebnis nach Gesprächen zuerst in der Familie gekommen, dann aber auch mit meinen engsten politischen Freunden. Und dann ist da noch die vergleichsweise lange Wahlperiode in Zingst – der neue Bürgermeister wird für immerhin neun Jahre gewählt.

Ihre Familie, das ist doch eigentlich Zingst, oder nicht?

Ja, schon. Die vergangenen 25 Jahre waren eine tolle Zeit voller Vertrauen, das mit entgegengebracht wurde. Einige einst junge Gemeindevertreter habe ich zu gestanden Leuten werden sehen. Ich denke, es ist richtig, nach einem Viertel-Jahrhundert den Staffelstab weiterzugeben. In der CDU gibt es Personen, die anfangen wollen und müssen.

Spielte die verlorene Landratswahl im vergangenen Jahr eine Rolle?

Überhaupt nicht, ich bin nicht der Typ, der sich bockig in eine Ecke verkriecht und schmollt. Das haben die Zingster nicht verdient – und das würden die mir sowieso nicht abnehmen.

Bleiben Sie der Kommunalpolitik erhalten?

Nein, ich mache jetzt nicht auf Gemeindevertreter. Das empfinde ich nicht als gut. Eine Nachfolgerin beziehungsweise ein Nachfolger sollen nicht das Gefühl haben, ich würde ihr oder ihm nicht vertrauen.

Ist das also ein Rückzug aus der Politik insgesamt?

Nein, ich werde wieder für einen Sitz im Kreistag kandidieren. Der Kreis ist für viele Menschen weit weg, aber dort werden wichtige Entscheidungen getroffen, die für die Orte von Relevanz sind, etwa zu Schulentwicklungsplanung oder Abfallbehandlung. Wenn es die Wähler zulassen, würde ich gerne weiter eine Rolle in der CDU-Fraktion im Kreis spielen.

Was wollen Sie künftig beruflich machen?

Es gab in der Vergangenheit gute Gespräche mit der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege Mecklenburg-Vorpommern in Güstrow. Da würde ich ganz gerne als Dozent arbeiten. Ich bin guter Hoffnung, dass meine Bewerbung wohlwollend betrachtet wird. Ich kann den Studierenden praktische Erfahrungen aus der täglichen Kommunalpolitik und Verwaltung vermitteln. Und ich kenne mich auch im Kommunalrecht ganz gut aus.

Und privat?

Da freue ich mich vor allem auf mehr Zeit mit der Familie. Auf jeden Fall möchte ich mehr Zeit mit meinen Enkeln verbringen. Für meine eigenen Kinder hatte ich 25 Jahre zu wenig Zeit, da hat vieles meine Frau schultern müssen. Die sind nun erwachsen und brauchen mich nicht mehr so doll.

Wie hat sich Zingst während Ihrer Zeit als Bürgermeister entwickelt?

Zingst ist in die Top 5 der Ostseebäder aufgestiegen. Wir haben das Alleinstellungsmerkmal der Fotografie. Wir haben die Infrastruktur des Ortes konsequent hochgezogen. So wurde das Klärwerk so weit ausgebaut, dass das Abwasser von bis zu 25 000 Menschen gereinigt werden kann. Wir haben alles fertiggemacht, was ging. Schule und Kindertagesstätte sind saniert. Die Turnhalle ist neu, ebenso die Schulküche – und die Zahl der sanierten Straßen habe ich aufgehört zu zählen.

Wie ist das gelungen?

Wir haben auch Meinungsverschiedenheiten in der Gemeindevertretung. Aber die werden sachlich ohne persönliche Ressentiments bearbeitet. Ich habe da vielleicht eine ausgleichende Wirkung gehabt.

Was ist ihr Wunsch für die Zukunft?

Ich hoffe, dass es auch künftig keine persönlichen Grabenkämpfe geben wird. Das würde Stillstand und somit Rückschritt bedeuten.

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Timo Richter