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Vorpommern Rügen-Weihnachten: Ein Fest der Diebe?
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Rügen-Weihnachten: Ein Fest der Diebe?

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10:13 22.12.2019
Historische Hutmode Quelle: Repro André Farin
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Stralsund/Rügen

Enkeltricks und Internetabzocke sind heute Schlagwörter in der Kriminalstatistik von Vorpommern und Rügen. Gerade jetzt zum Fest der Freude und Familie hat die Polizei wieder mit Kriminaldelikten zu tun. Nicht anders in der Zeit vor 100 Jahren – ohne Telefon- und Internetverbindungen. Die Polizeiberichte und Zeitungsmeldungen zu Weihnachten 1919 geben ein sehr umfangreiches Bild von einem wahren „Fest der Diebe“.

Damals ging es den Tieren wohl zuerst an den Kragen. So beklagten Gäste des Selliner Waldhotels den Diebstahl von zwei Pferden: einer Fuchsstute mit weißen Füßen und einem braunen Wallach. Die beiden gut 1,70 Meter großen Tiere waren neubeschlagen und hatten einen Wert von stolzen 18 000 Mark. Die Stralsunder Polizei warnte ausdrücklich vor einem Ankauf und ließ den Verlust in der Stralsundischen Zeitung veröffentlichen. Zum Fest fehlte auch keine Anzeige wegen des Diebstahls von Federvieh, wie zum Beispiel aus Silenz bei Gingst. Auf dem dortigen Gut wurden sämtliche Hühner und Enten gestohlen. „Die Diebe hatten hier eine Wand eingedrückt und waren so in den Hühnerstall gelangt.“ Der in Silzenz tätige „Wirtschaftsstatthalter“ konnte nur noch den Verlust und die grobe Sachbeschädigung feststellen. Der Braten zum Fest musste nun woanders besorgt werden.

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Strümpfe, Hemden und Korsetts gestohlen

Historische Hutmode Quelle: Repro A. Farin

Die meisten Meldungen aus dem Dezember 1919 beziehen sich auf Sachgüter, die meist über Nacht „ihren Besitzer“ wechselten. Einbrecher versuchten vielerorts ihr Glück und die Auswahl der Waren war äußerst vielseitig. Beispielsweise statteten Diebe dem Sassnitzer Kaufhaus Sander einen nächtlichen Besuch ab. Weihnachtsshopping für Damen und Herren, könnte man denken, wenn man die Aufstellung der erbeuteten Dinge liest: „einen Posten Strümpfe, Damen- und Herrenhemden, 30 Korsetts, 1000 Zigaretten der Marke ,Nema Pascha‘ und 20 Zigarren.“ Von den als Weihnachtsgeschenke geeigneten Gegenständen fehlte vier Tage nach Heiligabend noch jede Spur.

Mitleid zahlte sich nicht aus

Die Liste der andernorts erbeuteten Sachen war lang und liest sich wie ein weihnachtlicher Wunschzettel: Eine Restaurantangestellte verschwand mit ihr anvertrauter frischer Wäsche, einem Mantel und erschwindelten 20 Mark. Ein junges Mädchen bestahl Leute, „von denen es aus Mitleid aufgenommen worden war.“ Zu ihrem Diebesgut gehörten eine Uhr und ein wertvoller Ring. Unbekannte ließen auf dem Stralsunder Güterbahnhof vier Rollen mit braun gesponnenem Doppelleitungsdraht mitgehen. In Barth stahlen zwei Reisende „einen Posten Schweinefleisch“, den sie mit nach Spandau mitnehmen wollten. Auf dem Wieker Kleinbahnhof machten Diebe in einem mit Getreide beladenen Wagen fette Beute und nahmen von dem Korn des Nachbargutes so viel sie tragen konnten mit. Und aus dem Flur eines Gingster Installationsgeschäftes wurde schließlich noch ein Fahrrad gestohlen. Passanten sahen zwar noch den Dieb auf das Rad steigen und abfahren, konnten ihn aber auf dem Markt nicht mehr anhalten.

Eisenbahnwächter stahlen Waren im Wert von 30 000 Mark

Die Polizei bearbeitete damals die Fälle sehr gewissenhaft und berichtete natürlich stolz von ersten Ermittlungserfolgen nach dem Fest. So konnten sie zum Beispiel das Mädchen stellen, das mit dem Schmuck der gutmütigen älteren Leute unterwegs war: „Die Uhr wurde der jetzt festgenommenen Diebin abgenommen.“ Und obwohl sie den Ring schon sehr schnell verkauft hatte, konnte dieser wieder „herbeigeschafft“ werden. Außerdem ließen die Kriminalbeamten ein „Diebeslager“ auffliegen. Denn die zwei bereits verhafteten Eisenbahnwächter aus Sassnitz hatten sich beim Verstecken der Beute nicht viel Mühe gegeben. Diese wurde in den Räumen der Quarantänestation entdeckt. Dabei handelte es sich um „einen Ballen Spitzen, Leder, viele Hüte, Schirme und Kleider… im Gesamtwerte von 30 000 Mark.“

Koch übernachtete in Stralsunder Schaufenster

Den amüsantesten Fang machten die Ermittler aber in einem Geschäft der Stralsunder Wasserstraße. Aufgeregte Bürger fanden am Morgen des zweiten Festtages einen betrunkenen Mann in der Auslage, der sich „mit einem geringen Teil des Schaufenster-Inhalts angefreundet hatte.“ Dieser „nächtliche Einkäufer“ wurde von der Polizei herausgeholt und zur Rede gestellt. Das Verhör verlief zügig und zielführend, denn der auf einem Dampfer beschäftigte Koch konnte den Vorfall erklären. Er hatte eine „Fahrt durch verschiedene Lokale“, die er mit einigen Freunden unternahm, nicht ganz nüchtern überstanden. Auf dem Rückweg zum Hafen sei er schließlich „unter Einwirkung des Alkoholgenusses gestürzt und in das Schaufenster gefallen.“ Die in seinen Händen vorgefundenen Hüte wollte er überhaupt nicht mit nach Hause nehmen, den entstandenen Sachschaden aber umgehend bezahlen. Ergebnis für die Kriminalisten: schnell gelöster Fall, kurzer Polizeibericht.

Von André Farin

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