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Rügen 1200 Kilometer auf dem Tandem bis zum Kap
Vorpommern Rügen 1200 Kilometer auf dem Tandem bis zum Kap
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11:25 19.07.2019
Andreas Filert aus Berlin und Roland Töppel aus Cottbus haben mehr als 3500 Euro auf ihrer Tour für den Malteser-Hilfsverein gesammelt. Quelle: Mathias Otto
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Putgarten

 Als Andreas Filert (Berlin) und Roland Töppel (Cottbus) am Kap Arkona eine Verschnaufpause einlegten, hatten sie schon 625 Kilometer zurückgelegt. Die beiden 65-Jährigen sind mit einem Tandem vom Cottbusser Ostsee bis zum Kap Arkona an der Ostsee und wieder zurück geradelt. Ihre Mission auf dieser Tour: Geld für den ambulanten Hospizdienst des Malteser Hilfsdienstes sammeln.

Gut gelaunt radelten sie die letzten Kilometer bis zum nördlichsten Punkt des Bundeslandes. „Das wichtigste Etappenziel ist geschafft. Wir haben die Hälfte der Strecke mit unserer Muskelkraft absolviert“, sagt Andreas Filert. Um wieder zurück in die Heimat zu gelangen, haben sie fast noch einmal die gleiche Kilometerzahl zurückgelegt.

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Zweiter Versuch

„Wir holen die Reise nach, die wir schon damals geplant hatten. Wir waren 19 Jahre alt, haben uns ein Tandem zusammengebastelt und wollten bis zur Ostsee fahren“, so Filert. Ihr Tandem trug sie im Jahr 1972 bis zur Müritz, dann gaben die Männer auf. Die Jugendfreunde haben sich aber in den folgenden Jahrzehnten aber nie aus den Augen verloren und hatten immer mal wieder Kontakt. „Dann, bei einem Besuch in einer Gaststätte, griffen wir die Idee von damals wieder auf. Das war im Frühjahr“, erinnert sich Roland Töppel.

Aus der Idee wurde schnell ein Ziel. Bis zum Kap Arkona sollte die Reise gehen, mit Zwischenstopps in Stralsund, Dranske und Sassnitz. Die Route hat sich Roland Töppel auf der heimischen Landkarte ausgetüftelt. Andreas Filert war für die Hotelbuchungen in den Etappen-Orten zuständig.

Erste Tour endete nach 2,5 Kilometern

Was den beiden Männern für ihre Reise fehlte, war ein funktionstüchtiges Tandem. Sie wollten kein neues Rad kaufen, es sollte ein Modell aus DDR-Zeiten sein. Nach kurzem Stöbern im Internet wurde Roland Töppel fündig. „Das Rad war soweit intakt. Wir haben uns neue Reifen besorgt und das Fahrrad geputzt“, sagt er. Die erste Probefahrt im Frühjahr verlief aber alles andere als zufriedenstellend. Nach zweieinhalb Kilometern brach die Welle an der Tretkurbel. „Also mussten wir sie vor der Reise erneuern.“ Die weiteren 30 bis 50 Kilometer langen Probefahrten rund um Cottbus verliefen aber ohne weitere Komplikationen.

So können Sie die Spendenaktion unterstützen

Die beiden Radler sammeln auf ihrem Weg Spenden für den Ambulanten Hospizdienst der Malteser. Jeder kleine oder große Betrag hilft und ist direkt für den guten Zweck, so können darüber Nachmittage im Lebenscafé Cottbus für trauernde Angehörige ermöglicht werden, Fortbildungen für Helfer oder bei eine Gesamtsumme von 10.000 Euro ein neuer Dienstwagen, damit betroffene Menschen zuhause besucht werden können.

Spendenkonto:

Empfänger: Malteser Hilfsdienst e.V. |IBAN: DE94 3706 0120 1201 2270 18 |BIC: GENODED1PA7 |Kennwort: Tandem-Fahrrad-Tour 2019

Eine Fahrt in dieser Größenordnung haben beide Rentner zuvor noch nicht absolviert. „Wir wussten aber schon, auf was wir uns eingelassen haben. Da ich mit meiner Frau oft mit dem Rad unterwegs bin, habe ich mich fit genug für Reise gefühlt“, so Roland Töppel. Auch sein Mit-Radler hat sich in den vergangenen Jahren mit Volleyball fit gehalten. Bei den Tagestouren zur Ostsee, die im Schnitt 80 bis 90 Kilometer lang waren, habe sich bei den Männern schnell ein Trainingseffekt eingestellt. „Nach den ersten Etappen war die Ehrfurcht vor langen Ansteigen nicht mehr so groß wie am Anfang. Wir sind immer besser in Tritt gekommen“, sagt der Cottbusser.

Acht Speichen erneuert

Unterwegs besuchten die ehemaligen Ruderer ihren damaligen Coach, trafen sich in Stralsund mit dem Organisten in der Kirche und kamen immer wieder mit den Leuten auf der Straße ins Gespräch. „Schon allein unsere knallgelben T-Shirts mit der Aufschrift ,Tandem-Tour ’19 – Vom Ostsee zur Ostsee’ hat Aufmerksamkeit erregt. Viele Passanten wollten wissen, was dahinter steckt“, so Andreas Filert.

Bei den Gesprächen konnten sie den Menschen mitteilen, warum sie die weite Strecke auf sich genommen haben. „Wir wollten nicht ohne einen wohltätigen Zweck radeln. Deshalb haben wir in den Etappen-Orten für den ambulanten Hospizdienst des Malteser Hilfsdienstes gesammelt“, so Andreas Filert. Er stand privat mit dessen Mitarbeitern in Kontakt. „Es bewegt uns, wie viele ehrenamtliche Helfer sich hier engagieren, um Sterbende auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Sie leisten einen ,stillen Dienst am Nächsten’. Diesen möchten wir mit unserem Vorhaben würdigen und in die Öffentlichkeit tragen“, sagt er.

Am Ende kamen durch den Einsatz der beiden 65-Jährigen knapp 4000 Euro zusammen. Am Donnerstag traten sie auf den letzten Metern noch einmal richtig in die Pedalen. Ohne Blessuren erreichten sie den Start-/Zielpunkt Cottbus. „Auch das Rad war uns ein treuer Begleiter. Bis auf acht Speichen, die wir erneuern mussten, führte uns das Tandem zu jedem Etappenziel“, sagt Roland Töppel.

Mathias Otto