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Rügen 1400 Linden und Ulmen für den Klimawald
Vorpommern Rügen 1400 Linden und Ulmen für den Klimawald
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15:09 27.10.2019
Astrid Behnke reiste mit ihrer Familie aus Zudar und Garz an. Hier pflanzte sie zusammen mit Freya Ruback (3) und Marlo Brüggert (1) Bäume. Quelle: Mathias Otto
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Sehlen

Am Ortsrand von Sehlen haben am Sonnabend Rüganer und Urlauber 1400 Linden, Flatterulmen und Sträucher gepflanzt. Sie führten damit die Aktion vom vergangenen Herbst fort. Innerhalb von drei Jahren soll hier eine Fläche von einem Hektar aufgeforstet werden. Jeder der Teilnehmer kaufte mindestens eine Waldaktie im Wert von zehn Euro.

Joseph Richard (56) kam mit seiner Familie zur Pflanzaktion. „Wir sind aus zwei Gründen hier. Wir wollen einen Teil dazu beitragen, dass der Wald bei Sehlen weiter wachsen kann. Etwas Besseres für freie Flächen, die ungenutzt sind, kann es nicht geben“, sagt der Bergener. Er hatte seine beiden Enkelkinder Benjamin und Lena dabei. Drei Aktien haben sie gekauft. Während er die Bäume in die vorgebohrten Löcher steckte, schippten die Kinder das Loch mit Erde zu. „Sie lieben die Natur. Hier können sie hautnah erleben, wie ein Wald wächst. Im nächsten Jahr kommen wir wieder hierher“, sagt er.

Dies ist auch das Ziel, dass das Forstamt Rügen verfolgt. Es unterstützt das Projekt des Umweltministeriums, des Landestourismusverbandes und der Landesforst. Mit der Aufforstung in Sehlen ist mittlerweile der dritte Klimawald auf der Insel entstanden. 2008 begannen die Pflanzungen in Rügens erstem Klimawald bei Glowe. Der bei Hagen entstand ab 2015. Seit 2018 verschwindet Stück für Stück die Offenlandfläche bei Sehlen.

Zwei Aktien = zehn Quadratmeter Wald

Rügens Forstamtsleiterin Ricarda Pries freute sich, dass auch in diesem Jahr viele Menschen der Pflanzaktion gefolgt sind. „Das zeigt, dass sie nicht nur über den Klimawandel reden, sondern auch handeln wollen“, sagt sie und klärte auf, welch großen Nutzen allein diese Aufforstung für die Natur bedeutet. Zehn Qua­dratmeter Wald, dies entspricht zwei Waldaktien, absorbieren soviel Kohlenstoffdioxid, wie beispielsweise eine vierköpfige Familie bei einem 14-tägigen Urlaub auf der Insel Rügen freisetzt, inklusive einer 500 Kilometer langen Anfahrt zum Urlaubsort.

Viele Rüganer und Gäste der Insel haben sich an der diesjährigen Pflanzaktion in Sehlen beteiligt.

Und auf einer Waldfläche von zehn Quadratmetern wächst in 100 Jahren ein Kubikmeter Holz. Dieses bindet eine Menge Kohlenstoffdioxid aus der Luft. Wenn die Aktion bei Sehlen im kommenden Jahr abgeschlossen ist, werden auf dieser knapp ein Hektar großen Waldfläche „in zehn Jahren 20 bis 40 Tonnen Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre gefiltert“, sagt Ricarda Pries. In 50 Jahren wären es 420 Tonnen, nach 100 Jahren 910 Tonnen.

1400 Löcher für Jungpflanzen

Doch bevor die Leute auf der Offenlandfläche die Ulmen und Linden pflanzen konnten, gingen Mitarbeiter von den Güstrower Baumschulen mit schwerem Gerät vorweg und frästen Löcher in die vorgefertigten Reihen. Rund 27 bis 30 Zentimeter tief mussten sie bohren. „Die Tiefe ist von Baum zu Baum unterschiedlich. Aber es ist erforderlich, denn nur somit können sich die Wurzeln gut ausbilden. Würde man mit dem Spaten ein kleines Loch graben, könnten sich die Wurzeln sonst stauchen“, sagt Mitarbeiter Adrian Mordacz. Knapp zwei Stunden lang haben er und seine Kollegen gebraucht, um die 1400 Löcher vorzubereiten.

Auch aus der Politik ließen sich Vertreter bei der Pflanzaktion blicken. Die Linken-Fraktion des Kreises war beispielsweise mit mehreren Mitgliedern anwesend. „Insgesamt sind zehn Aktien, also zehn Bäume zusammengekommen, die wir nun pflanzen“, sagt Christiane Latendorf, Fraktionschefin der Linken im Kreis. „Nur reden hilft nicht.“ Deshalb stand für die Kreis-Linken auf der Klausurtagung im Sommer fest, dass sie sich an der Aktion im Herbst beteiligen werden.

Eifrig dabei waren auch Mitarbeiter der Vermittlungsagentur Ostseeappartements Rügen. Auch sie gingen mit zehn Jungpflanzen durch die Reihen. „Sich zu engagieren gehört dazu. Im vergangenen Jahr verpassten wir diese Aktion leider, haben uns den Termin für dieses Jahr deshalb im Kalender angestrichen. Es ist schön, zu wissen, dass man mit der Waldaktie Sinnvolles erreichen kann“, sagt Mitarbeiter Mathias Probst.

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Von Mathias Otto

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