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Rügen 25 Jahre Puppen- und Spielzeugmuseum Putbus
Vorpommern Rügen 25 Jahre Puppen- und Spielzeugmuseum Putbus
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12:12 09.07.2019
Diese französische Puppe aus dem 19. Jahrhundert scheint einen mit ihren Glasaugen regelrecht zu verfolgen. Dem deutschen Zeitgeschmack entsprach das nicht: Puppen aus dieser Zeit haben eher kleine Augen. Quelle: Gaia Born
Putbus

„Komm, wir gehen Püppchen gucken!“ Wenn Karin Ernst diesen Satz hört, muss sie immer an sich halten. „Da verstehe ich die Kinder, wenn sie nicht mit rein wollen. Wen interessieren heute schon noch Puppen“, sagt die Gründerin des Puppen- und Spielzeugmuseums im ehemaligen Affenhaus des Putbusser Parks. Seit 25 Jahren gibt es das Museum jetzt schon – und zeigt eben nicht nur „Püppchen“. „Es ist mir ein Anliegen, Spielzeug im Wandel der Zeiten zu zeigen.

Es ist eine Rubrik in der Geschichte, die sonst unwiederbringlich verloren sein wird.“ Man sieht ihr an, dass dieser Gedanke sie bewegt. Denn schließlich gehört die gebürtige Breslauerin selbst noch zur Generation der Kriegskinder, für die Spielzeug Mangelware war. „Wir haben damals, als wir von Schlesien in den Westen fliehen mussten, am Bahnhof Breslau alle Puppen und Teddybären abgenommen bekommen, weil unsere Eltern ja Schmuck oder Papiere darin hätten versteckt haben können“, erinnert sich Karin Ernst. Ob daraus ihre Sammelleidenschaft entstanden ist? „Klar“, nickt sie, „am Anfang bestimmt.“

Puppen, Teddybären, Kriegsspielzeug – die zum Teil skurrilen Ausstellungsstücke im Puppen- und Spielzeugmuseum in Putbus entführen den Besucher seit 25 Jahren in vergangene Zeiten.

Mit ihrem Mann gründet sie 1976 einen Trödelladen bei Köln, der rasch zum Auktionshaus anwächst. Als ihr Mann schwer krank wird, übergibt sie die Geschäfte an die Söhne und kommt nach Rügen. „Eigentlich wollte ich hier die Ruhe genießen und malen.“ Statt dessen renovieren sie das Affenhaus, bauen es zum Museum mit angegliedertem Café um. Hier bietet Karin Ernst bis heute selbst eingelegte Pfefferheringe an, der Kuchen ist jeden Tag frisch gebacken.

Zinnsoldat im Kinderzimmer

Besonders am Herzen aber liegt der Wahl-Rüganerin ihr Museum. „Von 100 Besuchern ist höchstens einer ein Kind“, bedauert sie. „Heute spielen die Kinder mit dem Handy und am PC. Es ist wichtig, gut damit umzugehen, das verstehe ich. Aber die Spielkultur sollte nicht in Vergessenheit geraten. Und man kann in der Ausstellung schön sehen, dass es immer schon der Alltag war, der nachgespielt wurde.“ Sie deutet auf die Miniaturnachbildung einer Kaltmangel. „Auch das war damals Spielzeug – das sogar funktionierte. Heute weiß kaum noch jemand, was eine Kaltmangel ist.“

Das Spielzeug- und Puppenmuseum mit Café befindet sich am Rand des Putbusser Parks, Park 3 (vormals: Kastanienallee), 18581 Putbus und ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Von Juli bis August findet hier auch das „Musikalische Picknick am Schwanenteich“ statt, Programm auf www.puppenmuseum-putbus.de

Tatsächlich zeugen viele Ausstellungsstücke vom Alltag vergangener Jahrzehnte – und Jahrhunderte. Da ist der Stoffladen, der Kaufmannsladen, die Zinnsoldaten-Armee und Spielzeugpanzer. Sogar eine Spielzeug-Guillotine ist unter den Exponaten. „Makaber? Natürlich, und zwar damals wie heute. Auch Goethes Mutter weigerte sich, 'eine solche infame Mordmaschine' für ihren Enkel zu besorgen. Aber Krieg war damals ein Thema – und deshalb auch im Kinderzimmer präsent.“

Seltene Puppen immer noch begehrt

Natürlich sind in der Ausstellung auch Puppen zu sehen. Und zwar in ihrem ganzen Spektrum: Von der aus Stoffresten liebevoll zusammengestückelten und mit Briefchen versehenen Puppe bis zur französischen Modepuppe, die als Katalogmodell für reiche Fürstinnen diente. „Viele Puppen und Puppenhäuser waren gar nicht zum Spielen gedacht. Das ist bis heute so, es wird gesammelt.“ Dabei haben viele Puppen heute an Wert verloren. Karin Ernst erklärt das so: „Zum einen stirbt die Generation der Kriegskinder, die ihren kindlichen Mangel später wettmachen wollte. Aber auch die Wende hat durch ein zusätzliches Angebot antiker Puppen und Spielwaren zum Werteverfall beigetragen.“

Das betrifft aber nicht alle Puppen. „Es gibt seltene Puppen, die auch weiterhin hoch gehandelt werden. Da fangen die Augen der Sammler an, zu leuchten.“ Und der ein oder andere stellt seine Sammelobjekte gern den Museum zur Verfügung: „Wir geben antikem Spielzeug gern einen ehrwürdigen Platz in historischem Umfeld“, verspricht Karin Ernst. Manchmal denkt sie auch über einen Rückzug aus dem aktiven Geschäft nach. „Mein Sohn Horst und seine Frau helfen mir mittlerweile im Geschäft und werden auch meine Nachfolge antreten. Aber noch ist es nicht soweit.“

Gaia Born

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