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Rügen 2Gplus-Regel auf Rügen: „Immer noch besser als ein Lockdown“
Vorpommern Rügen

2Gplus-Regel auf Rügen: „Immer noch besser als ein Lockdown“

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19:00 30.11.2021
Der Schankraum ist leer: Gastwirt Kay Plümecke klagt über zahlreiche Absagen von Weihnachtsfeiern.
Der Schankraum ist leer: Gastwirt Kay Plümecke klagt über zahlreiche Absagen von Weihnachtsfeiern. Quelle: Uwe Driest
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Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) spricht von einer „Katastrophe“ und befürchtet Einsatzeinbußen von mindestens 50 Prozent. Seit vergangener Woche kommen nur noch Genesene und Geimpfte in Cafés, Restaurants, Kinos, Theater, Schwimmbäder, Hotels oder Ferienwohnungen, wenn sie einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorlegen können. Für Ungeimpfte bleibt der Zugang zu Weihnachtsmärkten, Restaurants und Hotels generell verboten. Der Dehoga spricht von einem „Lockdown durch die Hintertür“, der die Branche in der umsatzschwachen Jahreszeit schwer treffe.

Gastronom Kay Plümecke, der die Gastwirtschaft am Markt in Bergen betreibt, sieht eine verteilte Schuld für die Notwendigkeit verschärfter Maßnahmen. „Dank an alle Ungeimpften und Dank an zu späte Entscheidungen der Politik!“, schreibt er auf seiner Facebookseite. „Beide sind schuld daran, dass unser Lokal jetzt leer ist und alle Weihnachtsfeiern storniert wurden. Kurzarbeit winkt ganz doll und ich muss wieder aufstocken damit das Personal nicht weg geht.“ Plümecke wünscht sich eine Impfpflicht auch wenn sie nicht sofort wirke. „Sonst hat das nie ein Ende.“ Auch der Unternehmerverband meint, mit den Maßnahmen drücke sich die Politik um eine Impfpflicht. Andernfalls drohe der Lockdown durch die Vordertür.

Regelung ist faktisch Lockdown ohne finanziellen ausgleich

„Mit 2G kamen wir noch ganz gut zurecht, weil die meisten Menschen ja geimpft sind und auch gern ihren Nachweis vorzeigen“, sagt Daniel Zepter, der die Gaststäte im Marstall von Putbus betreibt. Mit dem Tag des Inkrafttretens der 2GPlus-Regelung habe er jedoch kaum noch Gäste gehabt und noch am selben Tag wären zehn Weihnachtsfeiern abgesagt worden. So ganz können Plümecke und Zepter das Verhalten potentieller Gäste nicht nachvollziehen. Im vergangenen Jahr hätten viele beklagt, dass keine Feiern möglich seien. In diesem Jahr wären sie – Stand jetzt – möglich und dennoch hagele es Absagen. Weil sein Auftragsbuch mit Terminen von Weihnachtfeiern für den Dezember gespickt gewesen war, hatte Zepter seinen sechs Mitarbeiter in Oktober und November Urlaub verordnet. „Das wäre einer der stärksten Monate für uns geworden. Stattdessen droht nun Kurzarbeit und wir müssen Gehälter aufstocken, damit sich die Mitarbeiter nicht andernorts umsehen.“

„Diese Situation ist für uns eine Katastrophe und stellt faktisch einen Lockdown ohne finanziellen Ausgleich dar“, sagt Zepter. Er plant Stände auch für Weihnachtsmarkt und „Winterzauber“ in Binz und hätte dafür bereits jetzt Waren, Bier und Glühwein im Wert von 2500 Euro eingekauft. Nun befürchtet er, auch darauf sitzen zu bleiben.

Test immer noch besser als Lockdown

2Gplus bedeute „Schließen durch die Hintertür“ für die Bäckereicafes und die Konditoreien, mahnt auch die Bäcker-Branche. „Es wird kaum einen Kunden geben, der, obwohl er vollständig geimpft ist, zusätzlich noch einen Coronatest ablegen wird, um ein belegtes Brötchen, ein Stück Torte oder Stollen in einem unserer Cafés oder einer Konditorei zu verzehren“, hatte die Landesinnung nach Inkrafttreten der Regelung kritisiert. Die Verweildauer in ihren Filialen sei für die Kunden viel zu gering, um diesen Aufwand auf sich zu nehmen. Erschwerend käme hinzu, dass die Testangebote für die Bürger von der Politik unverständlicherweise zurückgefahren und jetzt erst wieder aufgebaut werden müssen.

Die Brasserie im Binzer Hotel Loev hat gewissermaßen aus der Not eine Tugend gemacht. „Wir lassen nur noch Hotelgäste in das Restaurant, die ohnehin alle 72 Stunden einen Test nachweisen müssen“, sagt ein Rezeptionist. So hält es auch Oliver Born aus Herrenberg in Baden-Württemberg, der mit seiner Frau in Binz Urlaub macht. „Wir haben Vollpension gebucht und immer, wenn wir wieder mit dem Test an der Reihe sind, gehen wir auch mal außerhalb einen Kaffee trinken“, sagt er. Er hätte aber auch eine tägliche Testpflicht in Kauf genommen. „Das ist immer noch besser als ein Lockdown.“

Von Uwe Driest