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Rügen Mönchguter Hochzeit anno 1860 auf der Bühne
Vorpommern Rügen Mönchguter Hochzeit anno 1860 auf der Bühne
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06:00 23.11.2018
Mönchguter Hochzeit von F. Iwan um 1930. Quelle: Archiv Mönchguter Museen
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Baabe

Es ist eine Mammutaufgabe: Eine traditionelle Mönchguter Hochzeit wie vor über 160 Jahren soll auf die Bühne gebracht werden. In neun Bildern mit Wort, Musik, Tanz, Schauspiel und Gesang sollen die Feierlichkeiten historisch nachgezeichnet werden. Ungefähr 80 Mitwirkende werden dabei sein. Schon jetzt laufen die Proben für den 4. Mönchguter Heimatabend an, der am 23. November nächsten Jahres im Haus im Baaber Haus des Gastes stattfindet. Die ersten beiden Zusammenkünfte der Mönchguter Trachtengruppe gab es bereits, um über das Stück zu sprechen und die Rollen zu verteilen.

Denn: Auch wenn es so scheint, viel Zeit sind 12 Monate für so ein aufwendiges Programm nicht, weiß Otto Urbach. Der Selliner hatte die Programmidee, schrieb wieder das Drehbuch für das etwa zweistündige Programm und kümmert sich um die Einstudierung. Texte auf Plattdeutsch müssen gelernt, Choräle und Walzer geübt werden. Viele Einzel- und Gruppenproben seien notwendig, um ein gelungenes Ganzes daraus zu zaubern. Zudem sind alle Akteure Amateure, die gemeinsame Termine zum Üben finden müssen. Neben der Mönchguter Trachtengruppe Alt Reddevitz, der heutigen 3. Klasse der Grundschule „Mönchgut“ in Gager und ihrer Kindertrachtengruppe werden die Blasmusik Sassnitz, die Plattsingers Sellin sowie Straßenmusikanten und auch Köchinnen dabei sein. Den Abend sollte eigentlich wieder Klaus-Jürgen Schlettwein, Urgestein der „Plappermoehl“, moderieren, der leider absagen musste. Auf der Suche nach einem Moderator konnte der Plattfööt Klaus Lass aus Warnemünde gewonnen werden.

„Eine Mönchguter Hochzeit um 1860 erstreckte sich mit Vorbereitungen über neun Tage“, weiß Otto Urbach. „Andere Quellen reden von sieben Tagen. Die Recherchen waren aufschlussreich und interessant, schilderten allerdings manchmal Details recht unterschiedlich.“ Die neun Bilder des Heimatabend-Programms spiegeln die neun Tage einer Hochzeit auf Mönchgut wider – von der Hochzeitsbitterin bis zur Trauung. Zwei Sprecher erläutern dem Publikum, was nicht dargestellt wird oder verdeutlichen Gezeigtes. In diese Rollen werden die beiden Mönchguter Margot Mandelkow aus Klein Zicker und Wolfgang Pisch aus Göhren schlüpfen. Brautpaar, Brauteltern, Gästepaare, Ankleiderinnen, Köchinnen oder auch die Außenschenker werden alte und zum Teil vergessene Sitten und Gebräuche in Erinnerung rufen. Die Mönchguter Trachtengruppe wird den Viertourigen - den Mönchguter Hochzeitstanz - mit vier Männern und acht Frauen zeigen und nicht wie sonst mit vier Paaren.

Eine Hochzeitstracht für den Heimatabend stellen die Mönchguter Museen zur Verfügung. Diese wurde im Jahre 2003 bei einem gemeinsamen Projekt des Demokratischen Frauenbundes und der Museen mit Beratung durch Leiterin Maria Müller nachgenäht, weiß die heutige Museumsleiterin Ellen Melzer. „Diese Trachten, für die handgewebte Wollstoffe aus der Weberei Urban in Altefähr verwandt wurden, hat der Förderverein der Mönchguter Museen 2017 erworben.“

Originaler Hochzeitsschmuck im Museumsbestand

In der Museumssammlung befindet sich zudem einer von vielen Schätzen: ein originaler Mönchguter Hochzeitsschmuck. Dieser stammt von einer 1869 geborenen Mönchguterin und wurde 1962 von Museumsgründerin Ruth Bahls erworben und 2001 aufwendig im Museum für europäische Kulturen in Berlin restauriert. Es sind einmalige Stücke, weil sie innerhalb einer Familie meist von Generation zu Generation weitergegeben wurden und selten in einem Museum zu finden sind. Neben einem Blüten-Kopfschmuck mit schwarzem Schleier befinden sich auch eine Bräutigamsschleife, ein Brustlatz und eine Brautjungfernschärpe im Museumsfundus. Diese Stücke wurden bisher immer nur zeitlich begrenzt in Sonderausstellungen gezeigt, so Melzer. Im Archiv gibt es einige historische Bilder und Aufnahmen, wie auf Mönchgut Hochzeit gefeiert wurde.

Bei einer Sonderausstellung im Heimatmuseum Göhren im Jahre 2011 zeigte Museumsleiterin Ellen Melzer originalen Mönchguter Hochzeitsschmuck. Quelle: OZ-Archiv/Gerit Herold

Themen wie Kirchgang oder Hochzeitszug wurden vor über 100 Jahren bei Trachtenfesten auf der Strandburg in Alt Reddevitz szenenhaft dargestellt. Diese Feste begannen mit einem großen Umzug von rund 150 Mönchgutern in Tracht. Sie sollten die Tradition lebendig halten, weil diese durch den Beginn des Fremdenverkehrs zurückgedrängt zu werden drohte.

Der „Mönchguter Heimatabend“ feierte im Jahre 2013 seine erfolgreiche Premiere im ausverkauften Haus des Gastes in Baabe. Die Idee für solch eine Veranstaltung hatte der Tourismus- und Gewerbeverein Mönchgut, um Urlauber und vor allem Einheimischen in der Nachsaison etwas zu bieten. Kurz zuvor hatte es einen plattdeutschen Abend im Theater Putbus gegeben, den die Mönchguter Tänzer zusammen mit dem Selliner Volkschor und der Stralsunder „Späldäl“ erstmals bestritten hatten. Daran wollten Christian Pisch, Leiter der Mönchguter Trachtengruppe und Otto Urbach, Mitbegründer des Selliner Volkschores, anknüpfen. Die Kulturschaffenden wollten mit einem gemeinsamen Bühnenauftritt zeigen, welches Potenzial in der Region steckt und auch die Traditionen pflegen.

Dies müsse für Otto Urbach weit über die Heimatabende hinausgehen. Denn die Insel verliere mehr und mehr ihr Gesicht. Plattdeutsch, Folklore, Sitten und Gebräuche müssten in den Veranstaltungsangeboten der Insel mehr Platz einnehmen. Gut besuchte Auftritte mit „Schüttel de Büx“ in Mönchguter Tracht, plattdeutschen Liedern und Lesungen oder dem Shantychor zeigen, dass dies für Einheimische und Urlauber die Authentizität von Rügen ausmacht. Deshalb sollten alle Ansätze zu Initiativen für den Erhalt eines rügentypischen Gesichts größtmögliche Unterstützung finden und dafür Organisationsformen geschaffen werden, so Urbach.

Plattform für Volkskünstler schaffen

Der Selliner Musiker hatte vor zwei Jahren maßgeblich den Versuch mit angeschoben, einen Verein „Volkskunstfreunde Rügen“ zu gründen - zusammen mit Christian Pisch, Karl-Heinz Ließmann, Vorsitzender des Tourismus- und Gewerbevereins Mönchgut und Peter Ahrend, ehemaliger Kulturleiter der Kurverwaltung Sellin. Ziel war es, den vielen Vereinen auf der Insel Rügen, die sich künstlerisch betätigen, mehr Präsenz und Akzeptanz zu verleihen und ihnen eine Plattform zu geben. Doch weil lediglich zwei Personen die Bereitschaft erklärten, Vereinsaufgaben zu übernehmen, scheiterte das Vorhaben schließlich.

„Für dieses Ziel braucht es eine breite Basis. Volkskünstler der Insel, die schon in den meisten Fällen in Vereinen organisiert und berufstätig sind, schultern dieses Vorhaben nicht ohne weitere Unterstützung“, weiß Urbach. Auch das sei: „Wir sind Insel!“

Die „Mönchguter Heimatabende würden einen Beitrag zur Bewahrung kulturellen Erbes der Region darstellen und sollen unter anderem kulturelle Institutionen und künstlerische Bestrebungen beflügeln, sich diesem Metier im Rahmen ihrer Möglichkeiten mehr als bisher zu widmen. „Es ist höchste Zeit, darauf aufmerksam zu machen“, so Urbach.

Kinder und Erwachsene der Mönchguter Trachtengruppe Quelle: OZ-Archiv/Gerit Herold

Bewahrer der Mönchguter Identität

Die Mönchguter Trachtengruppe Alt Reddevitz wurde 1898 gegründet aus der Besorgnis einiger heimatgeschichtlich Verbundener wie Pastor Emil Steurich und Lehrer, Dichter und Heimatforscher Fritz Worm Interessierter heraus, dass die Moderne den Mönchgutern ihre Tracht ablegen wird und in Vitrinen verstauben lässt –und damit ihre Tradition, ihre Identität.„Haltet fest an eurer Tracht, an eurer Eigenart, an eurem Land! Was ihr aufgebt, ist unwiederbringlich verloren!“, hatte Pastor Steurich gemahnt. Lieder und Tänze aber halten Traditionen lebendig, so wurden die Mönchguter Volkstänze wie „Schüttelbüx“, „Dunkelschatten“ und „Viertouriger“ auf die Bühnen geholt.

Und mit ihnen die Mönchguter Trachten, die der Eigenart ihre Träger entsprechend zweckmäßig, schlicht und zurückhaltend ist. Einzelne Mitglieder der Tanzgruppe haben die Trachten ihrer Vorfahren an. So auch Christian Pisch, der die Tanzgruppe seit Vorwendezeiten leitet. Der Alt Reddevitzer trägt bei den Auftritten die 100 Jahre alte Tracht seines Urgroßvaters Karl Pisch. Der Bauer war der letzte Mönchguter, der die traditionelle Bekleidung noch im Alltag trug. Und zwar bis zu seinem Tode im Jahre 1953.

Gerit Herold

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