Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Kunst oder Schrott?
Vorpommern Rügen Kunst oder Schrott?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 02.11.2018
Ein Mähdrescher ist im Sommer bei Nistelitz abgebrannt. Wird er jetzt ein Kunstobjekt, oder verschrottet? Quelle: Sabine Stöckmann
Anzeige
Nistelitz

Ist das Kunst im öffentlichen Raum oder nur ein abgestellter Mähdrescher, der reif für die Schrottpresse ist? Ein bulliges Objekt am Feldrand bei Nistelitz gibt vielen Passanten derzeit große Rätsel auf. „Auf dem ersten Blick sah es wie ein verrosteter Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg aus“, sagt etwa der Spaziergänger Olaf Meiser (46) aus Wiesbaden. „Für mich wirkte es sofort wie ein Kunstwerk“, sagt seine Frau Andrea (43). Für einige Rügener könnte daraus auch etwas Großes geschaffen werden. Sie würden es gerne als Teil eines Kunstprojektes sehen.

„Es wirkt gigantisch“

Wer von der Landesstraße 29 aus in Richtung des kleinen Ortes Nistelitz abbiegt, sieht dieses Objekt schon aus der Entfernung. Das verrostete Fahrzeug schimmert in der Sonne. Hier dominieren viele Gelb- und Brauntöne. Der große Messerbalken liegt abgehangen daneben. „Wie es einmal ausgesehen haben muss, kann man nur erahnen. Auf jeden Fall wirkt es gigantisch“, sagt Spaziergängerin Sabine Stöckmann. Die Rügenerin hat das Fahrzeug vor einigen Tagen bei einem Ausflug auf diesem Feld entdeckt. „Mein erster Gedanke: Welch ein Kunstwerk, das vom Feuer geschaffen wurde. Warum sollte man dies nicht nutzen“, sagt sie.

Kurz darauf schnappte sie sich einige Bilder einer jungen Rügener Künstlerin, stellte sie neben sowie auf dieses Fahrzeug und fotografierte sie. „Im März hatte die 21-Jährige ihre erste erfolgreiche Ausstellung in Thiessow, gefolgt von einer weiteren in Frankenthal. Dies sollte ursprünglich ein kleiner Beitrag von mir sein, sie in ihrer Arbeit zu bestärken und weiterzumachen“, so Sabine Stöckmann. Ebenso sollen ihre Aufnahmen an diejenigen gerichtet sein, denen dieses Wrack ein Dorn im Auge ist, beziehungsweise, die es als Schandfleck sehen. „Hier sind der Fantasie wahrlich keine Grenzen gesetzt“, sagt sie.

Mehrere Hektar Getreide durch Feuer vernichtet

Doch wem gehört dieses Fahrzeug? Warum steht es so verlassen am Feldrand? Aufschluss können einige Nistelitzer Einwohner geben. So erfreulich das Objekt auf viele Passanten wirken mag, umso weniger erfolgreich war die Entstehungsgeschichte. Ein direkter Nachbar berichtete von einem Feuer auf dem Feld. „Das war diesen Sommer. Der Mähdrescher soll Feuer gefangen haben und ist danach ausgebrannt. Anschließend ist das halbe Feld in Flammen aufgegangen. Ich hatte Bedenken, dass das Feuer meinen Hof erreicht. Zum Glück wehte es der Wind aber in eine andere Richtung“, sagt der Nistelitzer.

„Hier war richtig was los“, sagte ein anderer Einwohner. „Feuerwehren aus Binz, Putbus, Zirkow und Bergen waren im Einsatz.“ Sie retteten, was noch zu retten war. Aber knapp drei bis vier Hektar Getreide wurde innerhalb weniger Minuten vernichtet. „Der Maschinenführer konnte sich glücklicherweise rechtzeitig in Sicherheit bringen“, sagt Rüdiger Wessel. Dem Putbusser Landwirt gehört dieser Mähdrescher, der durch einen technischen Defekt einen Schaden von 250 000 Euro verursacht hat. Mit mehreren schweren Traktoren wurde Erntefahrzeug mittlerweile an den Rand des Feldes gebracht. Und hier steht es nun seit knapp drei Monaten.

Frist bis Dezember

Den ersten Schock hat Rüdiger Wessel verdaut. Er ist auch schon auf der Suche nach einem Ersatzfahrzeug für die nächste Ernte. Der Putbusser sagt selbst über den verrosteten Mähdrescher: „Er sieht hammermäßig aus.“ Rüdiger Wessel hätte in den vergangenen Monaten schon zahlreiche Anfragen von Leuten bekommen, ob das Fahrzeug dauerhaft als Kunstwerk dienen könnte. Der Landwirt hatte ursprünglich geplant, noch in diesem Jahr das mehr als zehn Tonnen schwere Gefährt vor Ort in mehrere Teile zerschneiden zu lassen und es dann zum Schrottplatz zu bringen. Knapp 4000 Euro würde er für die verrosteten Teile noch bekommen.

„Ich bin aber offen für Ideen. Wenn es jemanden gibt, der den Mähdrescher ernsthaft als Kunstobjekt ausstellen möchte oder andere Vorstellungen hat, kann sich gern bei mir melden“, sagt er. Allerdings setzt er die Frist bis Dezember. Wenn sich bis dahin kein Interessent findet, wird das Objekt entsorgt.

Für Sabine Stöckmann ist dieser Mähdrescher zu wuchtig für ihren Vorgarten. „Ich habe aber genug Ideen, wie man an diesem Objekt künstlerisch tätig werden könnte“, sagt sie. Die Rügenerin bietet ihre Hilfe an und würde beispielsweise Workshops veranstalten, in denen sich Kreative mit der Gestaltung des Erntefahrzeugs auseinandersetzen.

Mathias Otto

Werden Lohme und Lietzow bald Ortsteile von Sassnitz? Die Hafenstadt will mit den beiden angrenzenden Kommunen über eine mögliche Fusion reden.

06.11.2018

Anja Ratzkes Entscheidung in der Kritik: CDU-Fraktions-Chef Eike Bunge sieht die Stadtvertretung ausgehebelt. SPD-Frau Kristine Kasten: Wir sind nur noch ein Abnickverein.

01.11.2018

Gleich zwei Großveranstaltungen laden Insulaner und Gäste am Wochenende ein. Während es zum erstmals „Putbus tanzt“ im Marstall heißt, erlebt die Bergener Musiknacht die 31. Auflage.

31.10.2018