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Rügen Abiturabschlussfeier am Bergener Gymnasium
Vorpommern Rügen Abiturabschlussfeier am Bergener Gymnasium
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08:44 30.06.2018
Auch das Schulorchester Ad Libitum spendete den frischgebackenen Abiturienten Applaus. 
Auch das Schulorchester Ad Libitum spendete den frischgebackenen Abiturienten Applaus.  Quelle: Uwe Driest
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Bergen

Vor einer Schülerin zog Meik Müller den Hut, „so, wie ich es versprochen habe“. Der Respekt des Oberstufenkoordinators galt der 19-jährigen Foujan Akbar. Die junge Christin kam vor vier Jahren mit ihrer Familie aus religiösen Gründen aus dem Iran und besuchte die Regionale Schule am Rugard, bevor sie an das Gymnasium wechselte. Am Freitag nahm sie als eine von 132 Abiturienten ihr Abschlusszeugnis entgegen.

In Anwesenheit des designierten Landrats Stefan Kerth (SPD) und Bürgermeisterin Anja Ratzke (parteilos) gratulierte Schulleiter Christoph Racky seinen Schülern. Gemäß dem von jenen selbstgewählten Motto „Heute Abi, Morgan Freeman“ (lies: morgen free, man) betonte Racky: „Heute ist morgen“. Racky begrüßte daher Eltern, Freunde und Verwandte zur „Freisprechung unserer Abiturienten“. Künftig gebe es weder frühmorgendliches Aufstehen noch die Fahrt in einem überfüllten Bus ohne Sitzplatz. „Der heutige Tag soll Sie von alldem befreien.“

„Aber Sie werden sehr bald merken, dass die große Freiheit auch so ihre Tücken hat, denn nun müssen Sie ganz allein entscheiden. Sie müssen aus einer Fülle von Möglichkeiten wählen, Sie müssen Verantwortung übernehmen für Ihre Entscheidungen. Vielleicht werden Sie feststellen, dass ein gewisses Korsett an Pflichten, die einem auferlegt sind, doch nicht so verkehrt ist“, unternahm Racky den gewohnten Ausflug in die Literatur der Weltgeschichte, indem er frei nach Siegfried Lenz über „Die „Freuden der Pflicht“ sinnierte.

Offener Brief an die ehemaligen Schüler

Dann verlas der Schulleiter die an den Schulbetrieb angepasste Version eines Offenen Briefs, den ein freier Geist an seine Mitbürger verfasst hatte. „Angst essen Seele auf, das können Sie mir glauben. Sie haben nur eine Seele, nehmen Sie Rücksicht darauf, fürchten Sie sich nicht so viel, so schlimm ist es gar nicht. Trinken Sie mehr klares Wasser. Atmen Sie bewusst, wenigstens ab und zu“, heißt es darin.

Und weiter: Verbringen Sie mal einen Tag, ohne auf einen Bildschirm zu blicken. Essen Sie jeden Tag einen Apfel. Mögen Sie unser Grundgesetz, es ist besser als sein Ruf, ein fabelhaftes Werk. Auch wenn es jetzt einigen weh tut: „Nehmen Sie Fußball nicht so ernst!“Lachen Sie sich mal im Spiegel an. Danach aus! Seien Sie nicht so oft zornig. Sie sind nicht mehr vier Jahre alt. Machen Sie öfter mal mit. Fragen Sie nicht wobei. Das wissen Sie doch. Geben Sie sich mal das Klarinettenkonzert von Mozart, das aus „Jenseits von Afrika“, Sie wissen schon. Glauben Sie nicht alles, wovon Sie überzeugt sind. Folgen Sie nicht jedem Ratschlag. Aber auch nicht keinem. Sie sind doch erwachsen.

Und schließlich: „Fragen Sie nicht, was die Schule Ihnen gebracht hat sondern was Sie der Schule gebracht haben. Ziehen Sie aus der Antwort Ihre Schlüsse für Ihren weiteren Weg. Na los, ich weiß, Sie schaffen das!“Dann folgte der beherzte Ratschlag an die 70 Mädchen und 52 Jungen der sechs zwölften Klassen des Ernst-Moritz-ARndt-Gymnasiums: „Was immer Sie machen, machen Sie es mit Hingabe und Liebe.“

Driest Uwe

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