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Rügen Absage vom Kreis: Gutshaus nicht für Flüchtlinge geeignet
Vorpommern Rügen Absage vom Kreis: Gutshaus nicht für Flüchtlinge geeignet
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15:30 25.07.2015
Bogislav von Platen vor seinem Gutshaus in Reischvitz.
Bogislav von Platen vor seinem Gutshaus in Reischvitz. Quelle: Anne Ziebarth
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Reischvitz

Bogislav von Platen wollte in seinem geräumigen Herrenhaus in Reischvitz (Landkreis Vorpommern-Rügen) Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung stellen. Die dafür vorgesehene Wohnung hat eine Größe von 60 Quadratmetern, sämtliche Bewohner des Gutshauses, darunter ein Kinderarzt, eine pensionierte Lehrerin und ein Hausarzt haben die Idee befürwortet.

Doch der Kreis entschied sich gegen das Angebot. Die Lage der Wohnung sei für die Unterbringung von Flüchtlingen nicht geeignet, heißt es in einer Antwort des Landkreis-Sprechers Olaf Manzke. „Der Ort hält absolut keine Infrastruktur vor. Einkaufen und Arztbesuche sind aufgrund der minimalen Anzahl des Busverkehrs fast unmöglich.“

Prinzipiell ist eine Unterbringung außerhalb von Gemeinschaftsunterkünften möglich „Wir sind der erste Landkreis in MV, der das Modell der dezentralen Unterbringung nutzt“, sagt Olaf Manzke. „Derzeit hat der Kreis mehr als 200 Wohnungen für dezentrale Unterbringung angemietet.“ Aber auch dort würden die Vorgaben des Landesamtes, wie unbedingtes Vorhandensein von Infrastrukur (Einkaufsmöglichkeiten, Kita, Schule, Arzt, Apotheke) und die Sicherstellung sozialer Betreuung gelten.

Der mangelnden Eignung seines Gutshauses widerspricht von Platen energisch. "Bis zum real-Einkaufsmarkt sind es zu Fuß zwei Kilometer, bis zur Bushaltestelle Abzweig Gademow gut zehn Minuten Fußweg. Dort fahren täglich mehrere Busse nach Bergen. Auch morgens.“  Eine Alternative zum Busfahren hat sich Platen auch ausgedacht. „Ich habe angeboten, der Familie kostenlos Fahrräder zur Verfügung zu stellen“, erzählt er. „Bei den Strecken ist der Weg nach Bergen nämlich ein Klacks.“ 

Andere Flüchtlinge sind in Bergen in der ehemaligen Obdachlosenunterkunft in Neklade untergebracht. Dort ist mit Galina Shukowa zwar eine ständige Ansprechperson vor Ort, doch die Anbindung ist nicht besser. Von hier beträgt die Strecke bis zum Marktplatz auch drei Kilometer, der Edeka Einkaufsmarkt ist ebenfalls zwei Kilometer entfernt. 

Von Platen ist enttäuscht. Nicht nur die Art und Weise wie mit seinem Angebot umgegangen wurde, ärgert den Rentner. „Viel schlimmer finde ich, dass es offensichtlich viel mehr um die für die Behörden möglichst praktische Sammel-Unterbringung und nicht um die tatsächliche Integration der Flüchtlinge geht.“ Für den Wohnraum hat von Platen jetzt einen anderen Mieter gefunden.



Anne Friederike Ziebarth