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Rügen Abwassergebühren schocken Rügens Gärtner
Vorpommern Rügen Abwassergebühren schocken Rügens Gärtner
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10:26 14.05.2019
Knapp 4000 Kubikmeter Abwasser werden aus Kleinkläranlagen aus Gärten in Kläranlagen entsorgt (Symbolbild). Quelle: Bernd Wüstneck/Dpa
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Rügen

Kleingärtner auf der Insel Rügen sind mehr als verärgert. Sie müssen für das Entleeren von Sammelgruben jetzt erheblich mehr bezahlen. Es ist beschlossene Sache. Auf der jüngsten Verbandsversammlung des Zweckverbandes Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (Zwar) haben die Mitglieder, also die Gemeinden, darüber entschieden.

Dazu ein Beispiel: Ließen Kleingärtner auf der Insel ihre Sammelgruben 2018 dreimal pro Jahr entleeren, mussten sie inklusive An- und Abfahrt 77,25 Euro zahlen. Nach der neuen Regelung kommt zum Kubikmeterpreis zuzüglich eine Pauschale in Höhe von 100 Euro für die Anfahrt hinzu. Bei mehrmaligen Abfahrten in der Saison sind dies mehrere hundert Euro pro Jahr. Der Grund für diese Preisexplosion: Der Zwar sei verpflichtet gewesen, neue Technik anzuschaffen, und habe zudem vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) die Sicherheitsauflage bekommen, neuerdings zwei statt einem Mitarbeiter zur Abfuhr zu schicken.

Die Anfahrt beträgt immer 100 Euro

Zwei Alternativen standen zur Auswahl. In der Variante 1 hätte dies nach der Berechnung des Trinkwasserverbrauchs geschehen können. Der Zwar hatte nach Aussagen von Zwar-Geschäftsführer Axel Rödiger aufgrund des Datenschutzes aber keinen Zugriff auf den Frischwassergebrauch von Gartenbesitzern. Deshalb sollte die zweite Alternative, ein sogenanntes Solidarprinzip, angewendet werden. Das heißt, egal ob in Bergen, Thiessow oder Göhren: Die Anfahrt beträgt immer 100 Euro.

„Wir werden diese Entscheidung so nicht akzeptieren“, sagt Thorsten Albert, Vorsitzender des Inselverbandes der Gartenfreunde Rügen. Sein Telefon steht nicht mehr still. Viele Gartenpächter sind besorgt und suchen Rat beim Verband. Thorsten Albert versteht den Beschluss der Bürgermeister nicht. Er befürchtet, dass viele Gartenpächter diese Summe dauerhaft nicht bezahlen können. „Wenn die Vereine ihre Mitglieder verlieren, geht es auch um ihre Existenz“, beklagt er.

Neu erarbeitete Varianten vorgestellt

Dabei schien das Thema schon vom Tisch zu sein. Im Dezember wurde entschieden, dass der Zwar die Gebühren für das Entleeren von Sammelgruben drastisch erhöht – ab dem 1. Januar. Aufgebrachte Gartenfreunde der Insel kamen daraufhin zur Bergener Stadtvertretersitzung, um sich Luft zu verschaffen. Das Resultat: „Wir haben dieses Thema aufgrund des Unmutes auf einer Vorstandssitzung angesprochen. Und wir haben entschieden, dass wir von einem Vollzug dieser Satzung absehen, bis wir eine neue Lösung gefunden haben“, sagte damals Axel Rödiger.

Auf der jüngsten Sitzung der Verbandsversammlung des Zwar wurden neu erarbeitete Varianten vorgestellt, aber abgelehnt. Die Kosten seien in der Höhe nicht veränderbar und die Gebühren kostendeckend zu kalkulieren. Deshalb könne nur der Umlagemaßstab verändert werden. „Soweit den Kleingartenparzellen aus sozialen Gründen Kostenerleichterung verschafft werden würde, ginge dies unweigerlich zulasten der Wohnhäuser mit Sammelgruben“, sagt Zwar-Sprecher Reinhard Litty. Deshalb sei eine Regelung gefunden worden, die nach dem verursachergerechtesten Maßstab basiert. „Ein Haushalt mit drei bis vier Personen bei einer monatlichen Entleerung würde ohne dieses Solidarprinzip statt wie bisher 1800 Euro neuerdings mehr als 3000 Euro zahlen“, sagte damals Gundula Zilm, Kaufmännische Leiterin des Zwar.

„Kein Interesse an Kleingartenvereinen“

Peter Ahrend, stellvertretender Vorsitzender der Kleingartenvereinigung Sparte „Frieden“ Sellin, ist erstaunt über die Entscheidung der Bürgermeister der Insel. „35 vom Volk gewählte Bürgermeister sind gegen die neue Vorlage vom Zwar, 28 dafür und neun enthalten sich der Stimme. Das ist beschämend, bei einer solchen wichtigen Entscheidung sich zu enthalten“, sagt er. Dies zeige, dass sie kein Interesse an den Kleingartenvereinen haben und hoffen, „dass die letzten auch noch aufgeben“. Menschen hätten sich 40 Jahre und mehr ein Kleinod geschaffen und würden jetzt ihre Parzellen aufgeben müssen, weil sie diese hohen Kosten nicht mehr bezahlen können.

Sein Verein will sich gegen den Beschluss des Zweckverbandes wehren und erwartet Unterstützung vom Inselverband der Gartenfreunde Rügen. Dieser hat am Sonnabend zu einer Delegiertenversammlung eingeladen. „Wir werden dann entscheiden, wie wir gegen diesen Beschluss vorgehen können“, sagt Thorsten Albert.

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Mathias Otto

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