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Rügen In die Sprache der Jäger hineindenken
Vorpommern Rügen In die Sprache der Jäger hineindenken
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05:00 04.01.2019
Die Jagdschüler lernen sämtliche Bauteile einer Waffe und deren Funktionen kennen. Revierjagdmeister Sascha Klären (r.) zeigt Mathias Otto, wo sich diese Bauteile befinden. Quelle: foto: cindy Klären
Kasnevitz

Wer glaubt, der Jagdschein erledigt sich im Handumdrehen, der täuscht sich. In jeder Unterrichtsstunde tauchen Begriffe auf, von denen man zuvor noch nie gehört hatte. Ein Blick in die Runde im Unterrichtsraum: Ich bin nicht der Einzige, der viele Nachfragen hat. Das Wissen über das Jagdwesen erweitert sich von Stunde zu Stunde. OZ-Reporter Mathias Otto besucht den Halbjahreskurs der Jagdschule Insel Rügen in Kasnevitz und berichtet über den Alltag als Jagdschüler.

Unter einem „Aufgang“ versteht man hier nicht etwa den Bereich im Haus, sondern den Beginn einer Jagdsaison. Ein „Mönch“ ist hier auch nicht ein Mitglied eines geistlichen Männerordens, sondern schlicht ein Hirsch ohne Geweih. Ein „Malbaum“ steht auch nicht auf dem Hof eines Kindergartens. So wird in der Jägersprache ein Baum bezeichnet, an dem sich Wild reibt. Man muss sich erst einmal in die Sprache der Jäger hineindenken, um überhaupt Grundsätzliches verstehen zu können.

Den Jagdschein abzulegen, ist anspruchsvoll. Und wer später einmal Jäger sein möchte, muss wissen, dass zu 70 Prozent die Hege im Vordergrund steht und zu 30 Prozent die eigentliche Jagd. Und wer zur Jagd geht, benutzt Gegenstände, die mit äußerster Vorsicht zu handhaben sind. Hier wird scharf geschossen. Mit 370 Meter pro Sekunde fliegen Projektile durch die Luft. Und damit ist nur das Kleinkaliber gemeint, das auf Raubwild eingesetzt wird. Deshalb ist der Inhalt des Fachgebietes „Waffen- und Munition“ für die Prüfung und das spätere Leben als Jäger wichtig, wird uns gelehrt. „Nicht nur, dass Waffen bei der Jagd das wichtigste Handwerkszeug des Jägers sind – von ihnen geht auch ein großes Gefahrenpotenzial aus. Deshalb muss dieses Thema in der Theorie, später auch in der Praxis intensiv geübt werden“, sagt Lehrer und Revierjagdmeister Sascha Klären. Denn wie wir aus dem Waffenrecht erfahren haben: Jeder unsachgemäße Umgang mit Waffen kann zum Entzug des Jagdscheins führen.

Die ersten Stunden des theoretischen Unterrichts liegen hinter mir und den anderen Jagdschülern. Waffenkunde, Waffenrecht, Jagdrecht: Sascha Klären taucht mit uns tief ein in die Materie. Der Lehrgang beginnt gleich mit Dingen, die nicht nur elementar für die Prüfung sind, sondern auch für die spätere Jagdausübung. Wer vorher nie mit diesen Begriffen in Berührung gekommen ist, muss im Unterricht besonders aufpassen. Was ist eine Saufeder? Welche Funktionen haben Abzüge? Welche Geschossformen gibt es? Der Lehrer ist geduldig – auch wenn zu ein und demselben Bauteil von den Schülern immer wieder Fragen kommen. Geduldig steht er am Pult und beantwortet sie. Und er fordert das Wissen über dieses Thema auch jede Woche ab.

Und das macht sich gleich zu Beginn des Jahres bemerkbar. Zum intensiven Lernen fehlte bisher die Zeit. Nur wenige Stunden saß ich abends vor den Lehrbüchern und habe die Bauteile der Waffen studiert und mich durch das Jagdgesetz gequält. Durchgefallen, lautet das Ergebnis des ersten Zwischentests. Die Prüfung wird zwar erst in ein paar Wochen abgelegt, aber die freien Wochenenden und mal ein paar Stunden am Abend in der Woche muss ich fürs Lernen jetzt definitiv freihalten, möchte ich sie bestehen. Dann bleibt der Fernseher in dieser Zeit ausgeschaltet.

Auch wenn der theoretische Teil mal trocken wirkt, bald sind die ersten praktischen Übungseinheiten geplant. Ich werde zusammen mit den anderen Jagdschülern einen Hochsitz bauen. Denn auch diese Aufgabe gehört dazu, wenn man Jäger sein möchte. Ebenso begleiten wir erfahrene Jäger bei einer Jagd und lernen somit hautnah, wie sie funktioniert und auf was es ankommt. Im Laufe des Jägerabiturs ist auch der praktische Teil in Form von Schießübungen vorgesehen. „Wir werden zuerst im Schießstand für Luftdruckgewehre in der Jagdschule die richtige Atemtechnik üben. Danach geht es zur weiteren Ausbildung auf den Schießstand“, erklärt der Revierjagdmeister.

Mathias Otto

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