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Rügen Als die Bergener anfingen, die Schulbank zu drücken
Vorpommern Rügen Als die Bergener anfingen, die Schulbank zu drücken
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07:32 26.04.2019
So könnte Schulunterricht in Bergen im ausgehenden 18. Jahrhundert abgehalten worden sein Quelle: Repro: Uwe Hinz
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Bergen

Bildung ist für den Menschen ein hohes Gut. Eltern möchten für ihr Kind immer nur das Beste. Dazu gehört eine ausgewählte Schulbildung, wenn möglich auf das Gymnasium. Jeder sollte möglichst einmal studieren. Aber wo bleibt da die Wertschätzung für das Handwerk, das oft die Lebensgrundlage ist. Heute im medialen Zeitalter haben Lehrmittel mit Computer und Smartphone für unsere Kinder eine anderen Stellenwert. Im 21. Jahrhundert reden wir von sozialen Netzwerken und Inklusion an den Schulen. Ich selbst war 1955 in Bergen bei meiner Einschulung in die „Alte Stadtschule“ der erste Schulgang, der nicht mehr auf Schiefertafel und mit Griffel schrieb. Für uns gab es das Schreibheft, und geschrieben wurde mit Bleistift. Der Nachteil bestand darin, dass nun Geschriebenes nicht mehr wie auf der Schiefertafel mit Schwamm und Wasser gelöscht werden konnte. Pech für uns.

Start im 16. Jahrhundert

Mein Streifzug durch die Bildung in Bergen auf Rügen beginnt im 16. Jahrhundert als noch Kirche und Kloster Bildung maßgeblich bestimmten. Eltern, die es sich leisten konnten, ermöglichten ihren Kindern eine private Bildung durch einen angestellten Hauslehrer. Begeben wir uns in die Niederungen früher Schulbildung. In Visitationsprotokollen von 1535 und 1539 wurde erstmalig Kenntnis gegeben, dass in Bergen Schulunterricht stattfand. Verantwortlich war das Kloster. So erfahren wir, dass das Kloster 15 Mark „dem Scholemeister tho syner Entholdinge tho Hulpe“ gab. Für den Unterrichtung der armen Schüler wurden Stiftungen ins Leben gerufen. Schule im heutigen Sinne gab es nicht. Priester, die den Titel eines „Scholemeisters“ führten, bildeten die Jungen besonders im Chorsingen und für den Sakramentsdienst in der Kirche aus. Jedenfalls gab es zu dieser Zeit bereits ein Schulgebäude in Bergen, welches durch das Kloster unterhalten wurde.

50 Mark für den Schulmeister

Ein 1573 erwähntes Schulhaus lag zwischen dem Präpositur- und dem Diakonatshaus im Klosterbezirk. Eine eindeutige Lage ist heute nicht mehr zu erklären. Vermutlich stand es an dem Platz, wo später das Leichen- und Küsterhaus erbaut wurde ( heute Pilgerherberge). Dieses kann man aus den Aufzeichnungen von 1609 des Gerichtssekretärs Georg Kruse vermuten. Das älteste Schulhaus war bis nach der Reformation in Schulnutzung. Laut Protokoll erhielt der Schulmeister jährlich 50 Mark. Nach der Reformation veränderten sich ebenso die politischen Strukturen des Klosters. Ab dem Jahre 1573 gingen so die Klostereinkünfte an das Dominialrentamt in Bergen. Dieses übernahm nicht nur die Unterhaltung der Klosterjungfrauen und des Klosters, sondern ebenfalls die Verantwortung für die Schule. Es unterstand zukünftig der Landesherrschaft.

In einem erbärmlichen Zustand

Am 20. Januar 1602 erließ Herzog Bogislav ein Dekret zur Neuordnung der Schule in Bergen. Dort hieß es: „ ...daß in unserem Fürstentum Rügen zu Bergen eine beständige, wohlbestallte Schule für die Jugend der ganzen Landschaft obberührten Fürstentums erbaut werde, sintemal bisher im ganzen Lande daselbst keine beständige Schule gewesen, daher denn die Jugend verabsäumt worden“. Die Schule musste sich zu dieser Zeit wohl in einem erbärmlichen Zustand befunden haben. So verfügte der Herzog, dass aus den Einkünften des Pastorats jährlich 100 Gulden für die Schulerneuerung verwendet wurden. Nach der Erweiterung der Stadtprivilegien, am 23. Juni 1616 wurde der fürstliche Landvogt um Beihilfe zur Anstellung eines Schuldieners ersucht. 1633 war das Schulhaus wohl in einem schlechten Zustand. So kam es zu einem Schreiben des Landvogtes und des Präpositus an den Herzog, um den Verfall zu stoppen. In der Antwort hieß es, dass die rügensche Ritterschaft und die Stände am Erhalt der einzigen Schule als „seminarum ecclesiae et politiae“ interessiert seien. In einem weiteren Schreiben von 1645 hieß es, dass bei Regen Lehrer und Schüler nicht eine trockene Stelle im Haus fanden. Im Januar 1661 erlitt das Gebäude einen Sturmschaden.

Ein unfertiger Kachelofen

In der Matrikel von 1667 ist eine genaue Beschreibung auf unsere Zeit überkommen. Es war ein Fachwerkgebäude mit elf Gebinden. Im Osten befand sich eine eichene Tür. Darüber war ein Fenster mit sechs Glastafeln. Rechts vom Flur lag die große Schulstube und der Boden war mit „Windelstaken“ belegt. In der Stubenmitte stand ein großer Tisch und an den Seiten drei schmale Tische mit Bänken. Außerdem gab es ein Doppelpult. An einem Pfeiler hing eine Rechentafel. Mehrere Fenster mit Glastafeln erhellten den Raum. Ein großer Kachelofen wurde als „unfertig“ tituliert. Einige Bücher, unter anderem theologische Schriften und Musikalien bildeten die Bibliothek. Links vom Flur befand sich eine kleine Schulstube, mit einer dahinter liegenden Kammer. Unter dem Flur befand sich ein großer „Holzkeller“. Eine Treppe führte auf den Boden in die Wohnung des Rektors. Das Dach war mit Flomsteinen belegt. Schäden waren selbst in der Wohnung des Rektor zu erkennen. Die Feuersbrunst im Jahre 1690 vernichtete neben Klostergebäuden ebenfalls das Schulhaus. Kollekten zum Wiederaufbau brachten wenig Erfolg. 1700 kam es endlich zum Neubau, jedoch in einer schlechten Ausführung. Am 28.Oktober 1754 besuchte König Adolf Friedrich von Schweden Bergen. Am Schulhaus prangte ein Schild mit folgender Aufschrift: „Hätt’ mich des Höchsten Hand nicht vor dem Fall bedeckt, ich läge längst schon in Graus und Schutt versteckt. Weil Adolf Friedrich wird den Tempel schöner bauen, wird sich auch diese Schul’ durch ihn verbessert schauen." So wurde im Jahre 1776 ein neues Schulhaus, jedoch mit alten Materialien gebaut.

Küster leistet Schulhilfsdienst

Es wurde ein Zimmer für die Rektorklasse und ein größeres für die Kantorklasse eingerichtet. Neben der Rektorenwohnung führte ein kleiner Raum zum Hof. 1796 verkaufte die Krone das Haus an die Kirche. Ende des 19.Jahrhunderts ging dieses in Privatbesitz über. 1821 sah sich ebenfalls die schwedische Landesregierung in die Pflicht genommen, Schulbau und Unterhaltung mit zu tragen. Der Lehrer der Bergener Schule wurde neben „Scholemeister, auch magister ludi oder rector scholae“ genannt. Bereits 1539 wurde der Küster zu Schulhilfsdiensten mit herangezogen. Nach 1552 gab es einen zweiten Lehrer, welcher Kantor oder Schulgeselle genannt wurde. Bald darauf gab es einen dritten Lehrer, den Conrektor. Dieser bezog seine Stellung zwischen Rektor und Kantor. Die Stelle des Conrektor und des Kantors waren auch manchmal vereint und so versah dieser auch die Organistenstelle. So musste er dann an vier Nachmittagen eine zweite Klasse unterrichten.

Besondere Unterrichtsstunden

Um 1700 ging die Conrektorenstelle ein. Nach 1704 gab es dafür einen Schulschreiber auch Stuhlschreiber genannt. Dieses wurde eine dauerhafte Anstellung. Der Schulschreiber unterrichtete in Schreiben und Rechnen. Nach 1667 entstand dann wohl die Küsterschule. Der Küster gab hier für Mädchen und kleinere Knaben besondere Unterrichtsstunden, was das auch immer hieß. In der Matrikel von 1616 wurde die Anstellung der Lehrer vom Landvogt, unter Hinzuziehung des Präpositus und des Bürgermeisters vorgenommen. Da die Besoldung der Lehrer mit 50 Mark jährlich recht mager war, verbesserten sie dieses durch die Einnahmen des Singens bei Begräbnissen. Ebenso war die Wohnung mietfrei. In schwierigen Zeiten, wie in den Jahren 1627-30 erhielten sie keinen Lohn. So hatte der Rektor Belcow (1624-32) 1632 seit fünf Jahren keinen Lohn bekommen. Nach seinem Tod forderten die Erben 1666 noch 895 Mark ein. Dieses Beispiel ließe sich beliebig fortsetzen und es scheint, dass Gelder aus Stiftungen in der Zeit oft nicht an die Lehrer ausgezahlt wurden. So fragten die Bergener Prediger und Schuldiener 1633 bei der Regierung an, wo der Rentmeister Jürgen von Platen die empfangenen Gelder gelassen hätte. Es gab keine Antwort.

Uwe Hinz

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