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Rügen Mönchguter Tropfen: In Middelhagen wird Rügens erster Wein gekeltert
Vorpommern Rügen Mönchguter Tropfen: In Middelhagen wird Rügens erster Wein gekeltert
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07:53 14.09.2019
Lothar Geller zwischen seinen Rebstöcken. Quelle: Gerit Herold
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Middelhagen

Unter strahlend blauem Himmel reifen helle und rote Trauben an unzähligen Rebstöcken in langen Reihen. Die Früchte schmecken von süß bis leicht säuerlich. Eine üppige Ernte. Doch es ist ein bisschen unwirklich. Nicht Mosel oder Saale, sondern der Dorfteich Middelhagen funkelt ein paar Schritte daneben in der Sonne. Im Südosten der Insel Rügen.

Weinanbau im Nordosten Deutschlands? Am Anfang habe man ihn für verrückt erklärt, erinnert sich Lothar Geller. Erntete der er vor Jahren für seine Idee nur Kopfschütteln, so inzwischen die reifen Trauben, aus denen er seine „Mönchguter Tropfen“ keltert. Drei Sorten produziert der 53-Jährige mittlerweile: die halbtrockenen Weißweine Solaris und Ostseetraum sowie den Rosé Muscat bleu. Diese können seit August im hauseigenen Weinkeller probiert werden. Das gastronomische Kleinod befindet sich im alten Kellergewölbe des Gutshauses Middelhagen. Hier steht Ehefrau Bianka Geller hinter dem Tresen und bedient die Gäste. Bis dahin war es ein mutiger Schritt und ein Weg mit vielen Hindernissen, der viel Geld und Nerven gekostet hat. Aber von vorne.

Bianka Geller hinter dem Tresen im Weinkeller. Quelle: Gerit Herold

Schon vor 20 Jahren hatte Lothar Geller den Gedanken, im Gutshaus Middelhagen einen Weinkeller einzurichten. Damals lebten er und seine Frau Bianka noch in Papenburg (Emsland). Dort hatten sich beide auf der Werft kennengelernt, wo er als Maler und sie in einem Imbiss arbeitete. Bianka Geller, geborene Wrase, stammt aus Middelhagen. Ihre Familie, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Kollberg kam und auf Rügen strandete, fand seinerzeit in Middelhagen auf dem Gutshof Philippshagen ein neues Zuhause. Zu DDR-Zeiten befanden sich in dem mehrfach umgebauten Haus am historischen Platz, mehrere Ferienzimmer für Urlauber. Auch nach der Wende blieb es Domizil für die Familie und Inselgäste.

Bianka Geller zog 2014 in ihr Elternhaus zurück, ihr Mann Lothar ein Jahr später hinterher. Nun wurden die Pläne konkret, aus dem früheren „Wasserkeller“ im Gutshaus, einen Weinkeller herzurichten und selbst Wein anzubauen. Lothar Geller, der aus eine Winzerfamilie an der Mosel stammt und im Harz aufgewachsen ist, suchte sich Rat und Unterstützung bei dem Winzer Stefan Seeliger aus Naumburg. „Er meinte damals, ich sei bekloppt, heute ist er Feuer und Flamme“, lacht Geller. Hauptberuflich arbeitet der Winzer im Technikbereich der Kurverwaltung Mönchgut. Vor drei Jahren kaufte er 350 Weinstöcke und baute die Rebsorten Muskat blau und Birstaler sowie Solaris, Ortega und Bianca an. Letztere wegen seiner Frau. Zuvor musste das frühere Grünland erst in Ackerland umgewandelt werden.

Die Bedingungen auf der Insel und auf dem Grundstück scheinen optimal zu sein. Die erste Ernte vor zwei Jahren war vielversprechend. „Daraus hatten wir 200 Liter Wein erzielt“, so Gellert. In diesem Jahr waren es 450 Kilogramm Trauben. 368 Flaschen konnten am Ende mit Wein gefüllt werden. „Wir haben die Pflanzrechte beantragt, damit wir den Wein vermarkten können. Dies geht nur als Mecklenburger Landwein, weil hier kein offizielles Anbaugebiet ist“, so Geller.

Lothar Geller hat das Kellergwölbe wieder zum Vorschein gebracht. Quelle: Gerit Herold

Im letzten Jahr begann der Middelhagener mit dem Ausbau des alten Gewölbekellers. „Von wann dieser ist, wissen wir nicht. Das jetzige Haus wurde 1928 wieder aufgebaut“, so Geller. In mühseliger Arbeit hat er mit Hammer und Meißel den Putz von den Wänden geholt und die alten Feldsteine und Ziegel freigelegt. Teile des Gewölbes hat er neu gemauert und den Fußboden gänzlich umgestaltet.

Dieses Jahr hat der Winzer noch 555 Weinstöcke dazugekauft. Auch 150 Rebstöcke der Sorte Pinotin sind nun im Boden, deren Früchte einmal zu Rotwein verarbeitet werden sollen. Inzwischen stehen 955 Weinstöcke auf dem knapp 0,7 Hektar großen Anbaugebiet hinter dem Gutshaus. Familie und Freunde helfen bei der Ernte. Lothar Geller hat sich einen Entrapper zum Ablösen der Beeren und eine Presse angeschafft sowie vier 300 bis 500 Liter-Tanks, in denen der Most mit Hilfe von Hefe etwa zwei Monate zum Wein gärt. Geller erledigt fast alles im Solo-Gang. Nur in die Flaschen gefüllt wird der Wein beim Winzer in Naumburg. „Weil mir noch das Geld für eine Abfüllanlage fehlt“, so Geller.

Das Anbaugebiet befindet sich hinter dem Gutshaus in Middelhagen. Quelle: Gerit Herold

Der Wein aus Middelhagen kommt an. Die Flaschen der letzten Ernte neigen sich dem Ende zu. Noch Mitte Oktober hat der Weinkeller mit 18 Plätzen geöffnet. Im April startet die neue Saison, dann auch mit kleinen Snacks wie Schmalzstullen, Schinken- und Käseplatten. Die Küche dafür wird in den Wintermonaten gebaut. Auch das wird wohl wieder eine Ein-Mann-Baustelle. Lothar Geller hat einfach goldene Hände. Mit denen hat er natürlich auch die Etiketten für seine Weinflaschen entworfen.

Von Gerit Herold

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