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Rügen An der Theaterkasse beginnt der Festspiel-Spaß
Vorpommern Rügen An der Theaterkasse beginnt der Festspiel-Spaß
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12:40 12.08.2019
Gruppenreservierungen laufen in Ralswiek über Claudia Lößner (57). Quelle: Mathias Otto
Ralswiek

Wenn um 20 Uhr die Musik ertönt, die Akteure auf der Freilichtbühne stehen, im Hintergrund die Piraten-Koggen fahren und Klaus Störtebeker (Alexander Koll) im Nebel über die Bühne reitet, ist für Claudia Lößner der Tag beendet. Die 57-Jährige arbeitet an der Hauptkasse und kümmert sich bis zum Beginn der Vorstellungen um Reservierungen und verkauft die Tickets. Mitunter stehen auch Stars und Sternchen bei ihr am Schalter.

Als die gebürtige Eisenhüttenstädterin 1989 als 28-Jährige auf die Insel kam, ahnte sie noch nicht, dass sie Teil der Störtebeker Festspiele sein werde. Damals zur Wendezeit fing sie als Verkäuferin in Sagard an. Der Vertrag lief aber nach einem Jahr aus. Einige Monate war sie arbeitslos, ließ sich zur Floristin umschulen. 1992 gründeten Peter Hick und seine Ehefrau Ruth die Störtebeker Festspiele – und in Ralswiek startete eine massive Umgestaltung.

Für Claudia Lößner ein Glücksfall. „Denn für alle Bereiche wurden Leute gesucht. Ich habe mich beworben, wurde angestellt und arbeite seit der ersten Vorstellung im Jahr 1993 in Ralswiek“, sagt sie. Mittlerweile sind es 26 Jahre. Die ersten beiden Saisons saß sie an der Kasse. Seit 1995 ist sie Ansprechpartnerin für sämtliche Busunternehmen und leitet das Team an der Kasse.

Sitzplatz in der ersten Reihe in der Mitte

Den Spaß an der Arbeit hat sie bis heute beibehalten. Diese Woche stand Torsten Klaus von der Firma Ostsee-Reisen aus Kühlungsborn im Vorraum der Hauptkasse. Er holte wie so oft in den vergangenen Wochen die reservierten Karten ab, die er zuvor gebucht hatte. Es ist ein freundliches Verhältnis. „Wir kennen uns schon seit Jahren und sind ein eingespieltes Team“, sagt sie.

So einfach läuft es aber nicht immer. Es gibt auch Busunternehmen, die eine gewisse Anzahl an Karten reservieren und danach für jeden weiteren verkauften Platz im Bus einzelne Tickets nachbestellen. „Das ist aber kein Problem für mich und mein Team. Ich habe auf dem Bildschirm die komplette Übersicht über die verkauften Karten und kann unkompliziert weitere Plätze hinzufügen.“

Claudia Lößner arbeitet das ganze Jahr in Ralswiek und nimmt auch vor und nach den Vorstellungen im Sommer die Wünsche der Besucher entgegen. Gerne erinnert sie sich an Störtebeker-Fans aus Rostock. „Jedes Jahr zur Premieren-Vorstellung wollen sie dabei sein. Ich weiß auch schon ganz genau, dass sie zu den ersten Leuten gehören werden, die ihre Karten für das nächste Jahr buchen. Immer in der ersten Reihe in der Mitte“, sagt die 57-Jährige.

Erinnerung an den Brand im Jahr 2006

Es gibt viele Wiederholungstäter, wie sie es mit einem Lachen beschreibt. Dazu gehören die Mitglieder eines Motorradklubs. „Diese Biker sind echte Fans. Meist sind es 50 bis 100 Karten, die sie bei mir buchen. Und das beste Erlebnis dabei ist, dass sie einen Tag vor der Premiere mit ihren Motorrädern vorfahren und die Karten abholen. Das ist ein schönes Bild.“ Claudia Lößner freut sich auch über einen Mann, der immer die erste Vorstellung des Jahres sehen möchte. „Mittlerweile ist der Mann 80 Jahre alt. Es ist schön, zu sehen, dass es ihm gut geht und er gesund ist“, sagt sie.

Es kommt auch mal vor, dass prominente Persönlichkeiten bei ihr an die Tür klopfen und bestellte Karten abholten. Sie kann sich an den Konsul von Ungarn erinnern. Und an die beiden ehemaligen deutschen Boxer Henry Maske und Axel Schulz. „Beide Sportler wirken nicht nur im Fernsehen charmant und freundlich. Es hatte mir eine Freude bereitet, sie kennenzulernen“, sagt sie. Auch vom Balladensänger Wolfgang Lippert, der jeden Abend seine Lieder auf der Freilichtbühne singt, ist sie begeistert. „Er ist auf dem Boden geblieben und freundlich zu seinen Mitmenschen.“

Aber nicht immer ist sie mit Freude zur Arbeit gegangen. Die Frau von der Hauptkasse erinnert sich an den August-Tag im Jahr 2006, als das Restaurant „Zum Störti“ abgebrannt ist. Umkleideräume, Kostümfundus, Maske, Fan-Shop und technische Betriebsräume standen damals in Flammen. „Das hat mich so mitgenommen, dass ich mit dem Krankenwagen weggebracht wurde.“ Eine Woche lang konnte sie nicht zur Arbeit gehen. „Der erste Arbeitstag war dementsprechend schlimm. Ich konnte gar nicht zum abgebrannten Restaurant rübergucken“, sagt sie.

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